Erfolgreich lernen rückt immer mehr in den Fokus von Schule und Gesellschaft. Die Leistungsgesellschaft ist in der Schule angekommen. Aber wann ist Lernen erfolgreich? Welche Kinder lernen am erfolgreichsten? Die mit dem höchsten IQ? Die mit der größten Motivation? Die mit der besten Nachhilfe? Berechtigte Fragen. Ich glaube, dass keiner der Punkte allein den Ausschlag gibt.

Misserfolge feiern

Es liegt daran, wie ein Kind gelernt hat, mit Misserfolgen umzugehen. Natürlich gibt es Kinder, denen immer alles gelingt und die als kleine Sonnenscheine durchs Leben gehen. Aber die Regel ist das nicht. Jedes Kind kommt an einen Punkt, an dem es etwas nicht kann.

Aber ist der Misserfolg eine Katastrophe oder Ansporn weiter zu machen? Wie hat ein Kind gelernt damit umzugehen? Wenn wir den Studien der Psychologin C. Dweck glauben dürfen, dann sind die Kinder in der Schule am erfolgreichsten, die sich durchbeißen können. Die daran glauben, dass sie es schaffen.

Die es wieder und wieder probieren, bis sie eine geeignete Lösung gefunden haben. Die meisten Kinder lieben es, sich an Herausforderungen zu wagen. Also nicht der Misserfolg oder das Scheitern sind das Problem, sondern der Umgang damit.

Wenn ich aus Angst etwas nicht gut zu machen, mich gar nicht erst heranwage, dann kann ich nicht scheitern, aber auch nichts lernen. Schwierig ist auch nicht der Misserfolg sondern seine Bewertung.

Vielleicht hat einer von Euch den Artikel zur Ökologie der Kindheit gelesen? Auf dem Kongress vertritt André Stern, die These, dass Lernen am besten im Spiel gelingt. Kinder, die im Spiel Dinge erforschen, geben in der Regel nicht so leicht auf.

Selbst bei den Erwachsenen so unbeliebten Computerspielen, werden häufig 20 Versuche und mehr unternommen um das nächste Level zu erreichen. Der Computer meckert in der Regel auch nicht sondern fragt höchstens Try again?

Auch die Aussage vieler Eltern, deren Kinder von ADHS betroffen sind, beschreibt ähnliche Situationen. Wenn das Kind gefesselt von etwas ist, kann es hoch konzentriert auf ein Ziel hin arbeiten.

Bewertung vermeiden

Die Bewertung, die Kinder für ihr Scheitern oft erfahren sind das eigentliche Problem. Ich kenne viele Kinder, die mit der größten Motivation in die Schule gestartet sind. Sie wollten Lesen lernen genau wie die Großen.

Endlich die Bücher selber lesen. Die meisten von ihnen haben es im Kindergarten schon gespielt. Wenn Du Kinder im Vorschulalter beobachtest, dann setzen sie sich gerne mit einem Buch hin und tun so als ob. Dabei wachsen sie in der Regel um einige Zentimeter.

Dann in der Schule, lernen einige vielleicht langsamer Lesen als andere. Schnell wird das zum Problem. Wir nehmen die Defizitperspektive ein und fangen an, die Leseleistung zu bewerten.

Passt das Kind ins Schema oder passt es nicht! Wenn es nicht passt, sinkt schnell die Leselust, das Kind liest immer weniger, es verliert die Freude und die Lust. Es lehnt das Lesen ab und die Spirale dreht sich nach unten

In vielen anderen Fächern erlebe ich das gleiche. Dabei wäre es doch ganz einfach, die Versuche zu sehen und die enorme Leistung, die darin steckt. Lernen sollte in einer Umgebung ohne Schuld und Scham stattfinden.

Erfolgreich lernen

Erfolgreich lernen findet immer dann statt, wenn Kinder merken, dass sie es selber geschafft haben. Wenn sie eine kleine Hürde genommen haben, und sich an die nächste herantrauen. Das ist das Wichtigste, was wir Kindern vermitteln können.

Wie soll das bitte gehen in einer Schullandschaft, in der die Leistung nur in Noten gemessen wird? In der nicht der Versuch zählt sondern nur das Ergebnis? Das ist nicht ganz einfach. Aber Du kannst Deinem Kind helfen. Zum einen kannst Du Deine Einstellung zu den Noten verändern.

Noten sind dir nicht wichtig für Dich?  Mmh?

Sind Dir die Noten wirklich egal? Würdest Du dich nicht insgeheim doch über eine bessere Note freuen? Und wie oft höre ich den Satz “Er/Sie kann es viel besser, wenn er/sie sich nur konzentrieren würde”. Oft fallen dann auch Bemerkungen wie

… das hatten wir doch geübt!

… das kannst Du aber besser!

… ich verstehe nicht, wie Du das schon wieder vergessen konntest.

Die Liste lässt sich ergänzen. Also Dein Kind hat schon viel gewonnen, wenn Du es schaffst, seine Leistung nicht mehr zu bewerten.

Erfolgreich lernen – Misserfolge nutzen

Hier liegt die Kunst. Was kannst Du tun, wenn es wieder eine schlechte Note gab, trotz intensiven Üben. Nimm die Klassenarbeit und schau Dir an was Dein Kind alles richtig gemacht hat.

Beispiel Diktat: Dein Kind kämpft mit der Rechtschreibung und trainiert gerade die Groß- und Kleinschreibung? Dabei hat es nur ganz wenige Fehler gemacht. Super. Dann unterstreiche mal alle richtigen Wörter grün. Die Klassenarbeit sieht gleich ganz anders aus.

Außerdem kann man erfolgreich sein auch an vielen Dingen im Alltag probieren. Lass Dein Kind doch Dinge tun, auch wenn Du glaubst, es kann das noch  nicht. Ich weiß auch, dass das Kochen und das Aufräumen der Küche schneller geht, wenn ich es selber mache. Aber lernen tut mein Kind dann nichts. Wenn der Kuchen nichts geworden ist, gehe nicht zum Bäcker, sondern gönnen Deinem Kind einen neuen Versuch.

Vertrauen wir unseren Kindern

Wie hast Du denn früher brenzlige Situation gelöst? Sicher nicht immer so wie es die Eltern gewünscht hätten, aber gelernt haben wir dann doch so einiges. Die Kinder, die heute in die Schule gehen, werden vermutlich nicht ein Leben lang den gleichen Job machen. Sie werden mit vielen Veränderungen konfrontiert sein und ihr Leben lang  neue Dinge lernen müssen. Helfen wir Ihnen, dass sie dabei erfolgreich sind und es mit Freude tun – ein Leben lang. Den Grundstein legen wir heute.

 

 

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