Das Thema Konzentration beschäftigt mich in meinem Berufsalltag täglich. Wenn Kinder Lernprobleme haben, steht heute häufig zuerst die Frage nach der Konzentration im Raum. Brauchen unsere Kinder lange für die Hausaufgaben oder machen sie sogenannte “Leichtsinnsfehler“, entfährt uns Erwachsenen fast reflexartig der Satz “Konzentrier dich doch mal!”. Leider befolgen die wenigsten Kinder diese Aufforderung dauerhaft zu unserer Zufriedenheit.

Warum fällt es Kindern so schwer dieser Aufforderung nachzukommen?

Ich habe mir in meiner Arbeit angewöhnt, immer nachzufragen ob meine Aufforderungen auch verstanden worden sind. So begann ich vor einigen Jahren Kinder zu fragen: “Erkläre mir mal konzentrieren.” Ich habe viele unterschiedliche Antworten bekommen und auch genauso viele Kinder erlebt, die keine Antwort wussten. Eine Antwort brachte es jedoch auf den Punkt:

Konzentrieren kann man nicht erklären, das muss man einfach tun.

Dieser Satz beschreibt einen Großteil des Problems. Kreieren wir einmal eine neue Wortschöpfung prowalamieren. Jeder in Ihrem Job spricht darüber. Nun bekommen Sie die Anweisung Ihre Arbeit bitte zu prowalamieren – was tun Sie? Vor allen anderen Fragen was es bedeutet – oder freundlich nicken und fortfahren? Um diese Anweisung zu befolgen, bräuchten Sie eine genaue Erklärung, was von Ihnen erwartet wird.

Wie sage ich es meinem Kind?

Genau hier liegt die Lösung des Problems. Gewöhnen Sie sich an Ihrem Kind zu erklären, was Sie genau erwarten. Die Aufforderung “Konzentrier dich bitte!” ist in der Regel viel zu abstrakt. Gehen Sie die Situationen, in denen Sie diese Aufforderung verwenden, gedanklich einmal durch und überlegen sich, was wollen Sie in genau?

Beispiel:

Ihr Kind beginnt schon etwas genervt mit den Hausaufgaben. Nach einiger Zeit kontrollieren Sie die Rechenaufgaben und stellen fest, dass mehr als die Hälfte falsch ist. Die Fehler sind nicht entstanden, weil Ihr Kind die Aufgabe nicht verstanden hat, nein es hat lediglich nicht beachtet, dass Plus- und Minusaufgaben gemischt waren und alle Aufgaben addiert. Statt nun die Konzentration ins Spiel zu bringen, wäre es hilfreicher klar Ihre Erwartung zu formulieren. Sie könnten z.B. sagen: “Schau mal die Aufgaben genau an. Welche Rechenzeichen erkennst du?” In der Regel wird Ihr Kind nun plus und minus benennen. Schon haben Sie die Möglichkeit ein Lob anzubringen. Danach kann dann die Aufforderung erfolgen: “Nun schaue dir jede Aufgabe noch einmal an und guck ob du es richtig gemacht hast.” Dies wird Ihrem Kind in der Regel gelingen. Nun können Sie es wieder loben und haben erreicht was Sie wollten.

Sagen Sie was Sie wollen – aber verständlich

Diese Erfahrung habe ich in meiner langjährigen Tätigkeit mit Kindern gemacht. Wenn man einem Kind eine klare, freundliche Anweisung gibt, wird es diese viel eher befolgen, als eine genervte Aufforderung, die in Kinderohren eher abstrakt klingt. Versuchen Sie es ruhig einmal. Mehr dazu im Artikel “Immer Ärger mit den Hausaufgaben”, der Ende Februar erscheint.