Bei der Diagnose von Lernstörungen muss man zwei Diagnoseformen unterscheiden – die standardisierte Lesediagnostik und die Förderdiagnostik.

Die standardisierte Lesediagnostik wird verwendet um Leseleistungen vergleichbar zu machen. Vergleichbar bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Leseleistung eines Kindes mit einer normierten Gruppe seines Alters oder seiner Klassenstufe in Bezug gesetzt wird. Diese Form der Lesediagnostik dient in Verbindung mit einer Erhebung der Intelligenz, der Feststellung einer Leseschwäche oder Lesestörung. Dabei werden in der Regel die Lesegeschwindigkeit, die Lesegenauigkeit und das Leseverständnis beurteilt. Eine solche Diagnose muss immer vom Kinder- Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendpsychologen durchgeführt werden.
Ziel dieses Artikels ist es die Ergebnisse dieser Testungen, die in der Regel als Prozentränge und T-Werte dargestellt werden, zu erläutern. Zur Lesediagnostik gibt es standardisierte Lesetests, die die einzelnen Fähigkeiten untersuchen. Diese standardisierten Tests sind sehr unterschiedlich aufgebaut, haben jedoch alle das Ziel, die Lesefähigkeit in bestimmten Zahlen darzustellen. Zur besseren Lesbarkeit dieses Artikels befinden sich die Beschreibungen der einzelnen Tests im Lexikon des Blogs. Sie finden dort Erklärungen zu folgenden standardisierten Tests aus der Lesediagnostik: ELFE 1- 6 und ZLT II. Sollten Sie Fragen zu einem anderen Lesetest haben, melden Sie sich gerne über das Kontaktformular.

Beispiel: Lenas Mutter kommt mit der Diagnose Lesestörung zu mir in die Praxis. Im Lesetest erreichte Lena einen Prozentrang von 8. Dieser Prozentrang entspricht einem T-Wert von 35. Im Intelligenztest wurde ein IQ von 103 erreicht. Damit bestätigt der durchführende Kinder- und Jugendpsychiater Lena eine Lesestörung.
Was bedeuten diese Ergebnisse nun im einzelnen und wie kann an Hand dieser Zahlen festgestellt werden, ob es sich um eine Lesestörung handelt oder nicht?
Zunächst einmal sind Prozentrang und T-Wert Darstellungen von psychologischen Tests – nur in verschiedenen Skalen. Prozentränge können in T-Werte umgerechnet werden und umgekehrt. Genauso wie Sie Euro in englische Pfund umrechnen können. Dies gilt übrigens genauso für den sogenannten IQ-Wert. Auch IQ-Werte können als Prozentrang- oder T-Werte dargestellt werden.
Beginnen wir mit der Interpretation des Prozentranges. Hierzu muss man wissen, dass sich ein Prozentrang immer auf eine Normgruppe bezieht. Bei psychologischen Tests sind das in der Regel Kinder einer repräsentativen Gruppe, die normiert wurde. Lena hat nun einen Prozentrang von 8, d.h. 92% der Kinder der Normstichprobe sind besser als Lena. Bei der Diagnostik der Lesestörung geht man davon aus, dass der Prozentrang unter 10 liegt. Dieser Wert kann nun auch als T-Wert dargestellt werden. Die T-Skala ist eine standardisierte Ergebnisskala. Für die Interpretation der Ergebnisse ist es lediglich wichtig zu wissen, dass T-Werte zwischen 40 und 60 der Norm entsprechen.
Lenas IQ lag bei 103. Dies entspricht einer normalen Intelligenz.
Der IQ- Wert von 103 entspricht einem T-Wert von 52. Für die Diagnose einer Lesestörung ist nun die Diskrepanz zwischen dem IQ-Wert und dem Wert aus der Lesetestung ausschlaggebend. Zwischen den beiden T-Werten muss eine Diskrepanz von 12 T-Wertpunkten bestehen. Bei Lena beträgt die Differenz 17 T-Wert Punkte und der Prozentrang der Lesediagnostik liegt unter 10. Somit kann eine Lesestörung diagnostiziert werden.

Im Gegensatz zur standardisierten Diagnostik werden in der Förderdiagnostik noch viele andere Informationen zusammengetragen. Die Förderdiagnostik dient der Entwicklung eines Förderplans, um die Probleme des betroffenen Kindes zu beheben. Weitere Informationen zur Förderdiagnostik finden Sie in dem Artikel, der dazu am 13.01.2016 erscheint.