Seit drei Monaten hat der Lern-Ort ein neues Crew Mitglied. Unser zukünftiger Lesehund darf gelegentlich – sehr zur Freude aller Kinder – am Unterricht teilnehmen. Tiergestützte Pädagogik ist ein Begriff, der vor 20 Jahren eher eine Kuriosität darstellte. Heute ist das anders. Schulhunde, Therapiehunde, Lesehunde u.v.m. erfreuen sich ständig wachsender Beliebtheit. Das ist nicht verwunderlich, die meisten Kinder lieben Tiere und sind in ihrer Gegenwart deutlich entspannter. Dies will man sich in vielen Fällen zu Nutze machen. Können Lesehunde nun Kindern das Lesen beibringen oder gar selber lesen? Welche Vorteile bringt die Unterstützung von sogenannten Lesehunden in der Förderung von Kindern mit einer Lesestörung?

Lesehunde aus wissenschaftlicher Sicht

Andrea M. Beetz von der Universität Rostock beschäftigt sich seit längerem mit der Bedeutung von Tieren in Therapie und Pädagogik. Um die Rolle eines Hundes beim Lesenlernen besser verstehen zu können, ist es wichtig die Faktoren zu kennen, die neben dem eigentlichen Lesen einen positiven Effekt auf das Lesenlernen haben. Leseinteresse, Lesemotivation und Lesefreude sind wichtige Voraussetzungen. Gerade diese sind Kindern mit einer Lesestörung in der Regel abhanden gekommen. Hier setzt das Konzept des Lesehundes an. Er kann, wenn er art- und tierschutzgerecht eingesetzt wird, besonders die Motivation steigern. Der Hund kann in der Einzel- und auch in der Gruppenförderung eingesetzt werden.  In verschiedenen Studien konnte unter den genannten Bedingungen eine signifikante Steigerung der Lesekompetenz erreicht werden. Dies gelingt aber nur, wenn der Lerntherapeut wesentliche Qualifikationen besitzt:

  • Ein tiefgreifendes Verständnis vom Leseerwerbsprozess (ist für jeden Lerntherapeuten Voraussetzung),
  • gute Diagnosefähigkeit, um jedes Kind individuell beurteilen zu können,
  • ausreichendes Wissen über Hunde und ihr Verhalten.

Lesehunde in der Förderstunde

Wie muss man sich nun eine Fördereinheit mit Hund vorstellen? Das Tier kann ja nicht vorne sitzen, vorlesen und Anweisungen geben. Hier einige Beispiele – beim Vorlesen ist es für leseschwache Kinder viel einfacher, einem Hund vorzulesen als einem anderen Menschen. Hunde kritisieren nicht und können auch durch ihren Gesichtsausdruck keine Wertung abgeben. In der Regel ist das Tier auch beim fünften Anlauf ein Wort zu lesen genauso neutral wie beim ersten. Auch kann der Hund Leseaufgaben überbringen oder  Fragen zum Text. Beim Karteikartentraining können die Tiere die Karteikästen bringen, Karten hineinlegen oder auch wieder hinausnehmen. All diese Dinge tragen dazu bei Freude, Motivation und Interesse zu steigern.

Voraussetzungen für einen Lesehund

Die erste Voraussetzung ist natürlich die art- und tierschutzgerechte Haltung eines Therapiehundes. Des Weiteren eine vernünftige Ausbildung im Grundgehorsam und eine Begleithundeprüfung. Außerdem sollten Hund und Mensch zum Therapiehundeteam ausgebildet sein.

Die zweite Voraussetzung ist eine genaue Ausbildung in der Leseförderung. Ich möchte hier noch einmal betonen, dass der Lerntherapeut seine Arbeit an sich verstehen muss und man nicht annehmen kann, dass eine unsachgemäße Lesetherapie durch die Anwesenheit eines Hundes nun auf eimal eine Wirkung zeigen wird. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass ein Therapiehundeteam bestehend aus Hund und Mensch einen Lerntherapeuten in seiner Arbeit unterstützt.

Ich werden Ihnen an dieser Stelle immer mal wieder von meinen Erfahrung mit unserem zukünftigen Lesehund berichten.

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