Kinder, die an einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden, haben Anspruch auf einen  sog. Nachteilsausgleich. Dies ist im Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2007  über die “Grundsätze der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben oder Rechnen” festgelegt. Aber was bedeutet dieser Beschluss nun konkret für ein betroffenes Kind? Das hängt wie so oft in Deutschland nicht unerheblich vom Wohnort des Kindes ab, da jedes Bundesland den Nachteilsausgleich vollkommen frei ausgestalten kann.

 

Nach welchen Grundsätzen muss der Nachteilsausgleich geregelt werden?

 

Natürlich gibt es in diesem Erlass Grundsätze, die alle Bundesländer anwenden sollen. Die KMK (Kultusministerkonferenz) sieht im Schriftspracherwerb eine Voraussetzung für weitere erfolgreiche Berufsplanung. Aus diesem Grunde ist der Erwerb der Schriftsprache zu fördern. Die Konferenz erkennt an, dass es Kinder gibt, die besondere Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb haben.  Die Kinder haben Anspruch auf Hilfsmittel, spezielle Förderung und eine besondere Bewertung. Hier können Sie den genauen Wortlaut nachlesen.

 

Anwendung in den Bundesländern

 

Jedes Bundesland kann natürlich den Nachteilsausgleich anders ausgestalten. Exemplarisch können Sie hier die aktuelle Anwendung in Bayern nachlesen. Die Begrifflichkeiten mögen etwas verwirren, aber letztendlich ist es egal, ob ein Kind an einer Legasthenie an einer Lese-Rechtschreibstörung oder -schwäche leidet. Ziel muss es sein, dem Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten Zugang zur Schriftsprache zu vermitteln und es aufgrund bestehender Schwierigkeiten nicht auszugrenzen.  Die KMK betont, dass Förderung vor Notenschutz stehen sollte.

 

Förderung bei LRS

 

Für eine gute Förderung bei LRS ist es wichtig, dass der individuelle Lernstand eines Kindes erhoben wird und in Anlehnung an die durchgeführte Förderung ein individueller Lernplan oder Förderplan für das betroffenen Kind erstellt und dann auch bearbeitet wird. Dies kann im schulischen Rahmen passieren, wenn die Ressourcen dafür vorhanden sind. Bei einer starken Beeinträchtigung des Schriftspacherwerbs, wird man in der Regel einen Experten hinzuziehen müssen.

 

Nachteilsausgleich

 

Um den Nachteil, den Kinder durch ihre Beeinträchtigung beim Schriftspracherwerb haben auszugleichen, sollen die Maßnahmen des Nachteilsausgleich greifen. Eine beliebte Methode ist es, den betroffenen Kindern mehr Zeit für die Bearbeitung einer Klassenarbeit zu geben. Dies ist zwar ein gut gemeinter Ansatz, der aber in der Regel nur in Kombination mit anderen Maßnahmen greift. Hierzu zählen der Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln, Vorlesen der Aufgabenstellung, Aufgabenblätter, die in größerer Schrift gedruckt sind u.v.m.

 

Leistungsbewertung

 

Hier besteht die Möglichkeit, dass die mündliche Leistung im Vergleich zur schriftlichen höher gewertet wird. Auch können die individuellen Fortschritte des Schülers bewertet werden und nicht sein Stand im Vergleich zur restlichen Klasse. Des weiteren kann die Rechtschreibleistung sowohl im Fach Deutsch als auch in allen anderen Fächern unberücksichtigt bleiben. Lehrer haben bei einer anerkannten LRS einen sog. pädagogischen Ermessensspielraum. Wichtig ist, dass die Leistungsbewertung bei einem betroffenen Kind nicht zu Demotivation führt.