Samstag 25.11.2017 in Mauerbach bei Wien findet der 1. Kongress zur “Ökologie der Kindheit” statt. Wer mir schon länger folgt weiß, dass mein größter Wunsch eine Schule ist, in der Kinder mit Freude und Neugier lernen können. Nachdem ich die Ankündigung gelesen hatte, war klar, da muss ich hin. Es geht genau um die Dinge, die mir am Herzen liegen. Also stehe ich gespannt im Foyer und sehe, wie es sich füllt. 400 Teilnehmer sollen kommen.

 

Der Tag beginnt mit Arno Stern . . .

. . .  der seine Beobachtung aus mehr als 40 Jahren Malspiel mit uns teilt. Arno Stern ist der Begründer der Malorte und des Malspiels. Jener Idee, die Kinder einfach tun lässt ohne irgendetwas zu erwarten. Das ist heute eine seltene Nische für Kinder geworden. Normalerweise schauen wir immer auf die Ergebnisse, die abgeliefert werden. Das ist nicht nur im Kunst- und Musikunterricht so. Überall in der Schule und anderswo sind wir ergebnisorientiert. Natürlich bewerten wir die Ergebnisse permanent und das Kind lernt, dass das, was es gerade geleistet hat, nicht richtig war. Wie oft höre ich: “Das kannst du doch besser. Streng dich etwas mehr an.”

Zur Entspannung gibt es zwischen den Vorträgen immer wieder klassische Musik. Auch das ist anders als bei anderen Kongressen dieser Art. Während des ganzen Tages kommt keine Müdigkeit auf. Alle Teilnehmer sind gebannt bei der Sache. Aus neurobiologischer Sicht ist Begeisterung ja die beste Voraussetzung, damit Lernen gelingt. Mir kommt der Gedanke, wie schön es wäre, diese Stimmung in einer Schule zu kreieren. Leider herrschen bei vielen Schülern eher die Gefühle Schuld und Scham statt Begeisterung vor. Können wir das ändern?

 

Ökologie der Kindheit – eine neue Haltung

Was für eine Haltung ist damit gemeint und was können wir tun, dies in die Schule zu transportieren? André Stern hat das in seinem kleinen Buch “Werde, was du warst” dargestellt. Trotzdem wage ich hier meine Quintessenz daraus mit Euch zu teilen:

Das Kind bedingungslos annehmen wie es ist, es in seinem Tun niemals bewerten und ihm immer wieder versichern: “Du bist gut so wie du bist!”

Damit ist aber auch klar, warum Kinder, die nicht in die Norm der Schule passen, so große Schwierigkeiten bekommen. Die Lehrer sind gezwungen, Kinder zu bewerten. Diese Bewertungen heißen Noten und verursachen für viele Kinder Druck und Stress. Aber es geht auch anders. Schule ohne Noten bedeutet nicht, dass Kinder nichts mehr lernen. Nein im Gegenteil, ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen lernen haben, auf einmal viel schneller voran kommen, wenn der Notendruck weg ist. Das passiert immer dann, wenn Eltern sich entscheiden, die Schulform zu wechseln oder ein Nachteilsausgleich gewährt wird.

Diese Erfahrung sollte aber nicht nur für Kinder mit Problemen gelten, alle Kinder sollten täglich die Erfahrung machen:

Ich bin richtig so wie ich bin.

Ich finde diesen Gedanken toll. Was mich sehr positiv stimmt ist, dass neben der “Ökologie der Kindheit” an vielen Stellen neue Dinge entstehen – neue Ansätze mit Kindern zu leben und zu lernen. Für mich begann das Umdenken mit dem Buch “Die Familienkonferenz” von Thomas Gordon, das 1990 zum ersten Mal den Weg zu mir fand. Es folgten Marshall Rosenberg und Jesper Juul. Sie alle stellen die Beziehung zum Kind in den Vordergrund und nicht seine Erziehung.

André Stern führt für mich alle diese Dinge noch einmal zusammen. Damit bleibt mir nur, mich ein weiteres Mal bei ihm dafür zu bedanken und meiner Hoffnung Ausdruck zu geben, dass diesem 1. Kongress noch weitere folgen mögen.

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