Der Dauerbrenner Groß- und Kleinschreibung ist häufig ein Grund für Frust und Ärger in Familien. Wenn man Kinder nach den Regeln für die Groß- und Kleinschreibung fragt, können sie diese sehr gut erklären. Zwei Minuten später schreiben sie allerdings Wörter wie tisch, ärger oder himmel wieder klein. Genau das verleitet Eltern dann oft zu dem Satz: “Wenn er/sie sich nur konzentrieren würde, dann würde er/sie es schon können!” Aber so einfach ist das nicht.

 

Regel kennen = Regel anwenden?

Hier liegt das Problem. Die Regel ist bekannt, wird aber im Moment des Schreibens nicht angewandt. Lass das Kind eine isolierte Übung zur Groß- und Kleinschreibung machen. Die Fehlerzahl ist in der Regel gering. Trotzdem sind im nächsten Aufsatz wieder 10 Fehler wegen klein geschriebener Nomen. Das zeigt uns, dass das Wissen in diesem Fall nicht mit der Schreibhandlung verknüpft ist. Die gute Nachricht ist, Du kannst Deinem Kind helfen, das zu ändern.

 

Groß- und Kleinschreibung ist eine Entscheidungssache

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, dem Kind beizubringen, dass es am Anfang eines jeden Wortes eine Entscheidung treffen muss. Es muss sich selber jedes Mal die Frage beantworten: Nomen oder nicht Nomen? Diese Entscheidung muss Dein Kind natürlich in Sekundenschnelle treffen. Dir und mir wird sie gar nicht mehr bewusst. Es sei denn, es handelt sich um eine Ausnahme von der Regel. Da werden wir dann auch noch mal nachdenken oder zum Lexikon greifen.

 

Übungen, um die Entscheidung zu verinnerlichen

Hier gibt es schon wieder eine gute Nachricht: Dein Kind muss für das Training nicht besonders viel schreiben. Du kannst die Entscheidung mit geringem Schreibaufwand trainieren.

  • Eine Übung aus meinem Studium, für die ich heute noch meiner Dozentin dankbar bin: Nimm einen x-beliebigen Text und lese ihn Deinem Kind Wort für Wort vor. Bei jedem Wort entscheidet das Kind: groß oder klein. Die Entscheidung tut es durch seinen Daumen kund. Daumen hoch, das Wort wird groß geschrieben. Daumen runter, das Wort wird klein geschrieben. Das macht den Kindern mehr Spaß als ein Diktat und hat einen tollen Lerneffekt.

 

  • Diktier Deinem Kind einen Text. Das Kind braucht nur die Nomen zu schreiben. Beispiel: Das Wetter war heute besonders schön. Dein Kind schreibt nur Wetter ins Heft.

 

  • Eine Übung zur Kontrolle eines eigenen Textes. Lass Dein Kind den Aufsatz noch einmal lesen mit der Aufforderung, jedes Nomen in seiner Lieblingsfarbe zu unterstreichen. Achtung: Manche Kinder unterstreichen jetzt einfach alle Wörter, die groß geschrieben sind. Also die Aufgabe klar formulieren: “Lese den Text noch einmal durch und überlege bei jedem Wort, ob es ein Nomen ist. Wenn ja, dann unterstreiche es und achte darauf, dass es groß geschrieben ist.”

 

  • Variante zur letzten Übung: Du liest Deinem Kind den Aufsatz noch einmal vor und Dein Kind arbeitet mit der Daumenmethode aus Übung eins. Du unterstreichst jedes Wort, bei dem der Daumen oben war. Anschließend kontrolliert das Kind, ob alle unterstrichenen Wörter tatsächlich groß geschrieben werden sollten.

 

Groß- und Kleinschreibung ist mit diesen Übungen keine Magie

Es kommt darauf an, dass Dein Kind lernt, bei jedem Wort die Entscheidung groß oder klein zu treffen. Nur wenn das gelingt, kann es die Regel “Nomen schreibt man groß” in anwendbares Wissen umwandeln und anwenden. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Üben.

Falls Du ihn noch nicht hast: Hier kannst Du Dir meinen kostenlosen Mini-Videokurs zum Thema Lese- und Rechtschreibschwäche holen.

 

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