Immer wieder werde ich bei meiner Arbeit gefragt, woran denn die Schreibprobleme der Kinder liegen. Ob die Unterrichtsmethode Schuld sei? Erst schreiben die Kinder wie sie hören und dann sollen auf einmal die Regeln beachtet werden. Der Gedanke ist natürlich naheliegend. Allerdings lässt sich die Frage nicht so pauschal beantworten. Beim Schreiben lernen spielen viele Faktoren eine Rolle. Auch ist das lautgetreue Schreiben in jedem Fall eine der Stufen, die ein Kind beim Schreiben lernen durchlaufen muss.

Daher möchte ich einmal eine etwas differenzierte Betrachtung wagen, auch auf die Gefahr hin, mir den Unmut der Gegner oder Befürworter der Methode zuzuziehen. Kinder  beginnen in der Vorschulzeit Wörter abzumalen oder  bestimmte Zeichen zuerkennen. Ein Beispiel ist das große M für McDonalds. Die Kids wissen was sich dahinter verbirgt, ohne den Buchstaben M wirklich zu kennen. Mit dem Erlernen der Buchstaben und dem Schreiben der ersten Wörter ändert sich das. Die Kinder beginnen damit, das Gehörte zu verschriften.

Das ist auch notwendig. Kinder können das Verschriften von Sprache nicht von Anfang an mit orthografischen Regeln lernen. Beim Schreiben lernen müssen bestimmte Stufen durchlaufen werden und das genaue Mitsprechen und Abhören der Wörter gehört dazu. In Fachkreisen spricht man von der alphabetischen Strategie. Das bedeutet nichts anderes als dass ein Kind ein Wort Buchstabe für Buchstabe schreibt und zwar so, wie es die Laute im Wort hört. Diese Grundlage muss ein Kind auch beherrschen um sich später mit Rechtschreibregeln auseinanderzusetzen.

 

Wo liegt das Problem beim Schreiben lernen?

Warum läuft es dann aber an vielen Stellen so schief? Meiner Überzeugung nach liegt es am Wortmaterial mit dem die Kinder arbeiten. 67% der deutschen Wörter können durch ein korrektes Abhören ohne weitere Regeln richtig geschrieben werden. Somit kommt dieser Methode eine große Bedeutung zu. Im Förderunterricht ist das lautgetreue Schreiben ein wichtiger Bestandteil, allerdings muss man darauf achten, dass die Kinder nur mit Wörtern arbeiten, die man so schreibt, wie man sie spricht. Das sollte in der Schule eigentlich kein Problem sein. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Karibu-Fibel.

Ich möchte dies an einem kleinen Beispiel verdeutlichen. Nehmen wir z.B. das Wort Sonne. Wenn Sie es langsam sprechen, können Sie jeden einzelnen Laut im Wort hören, auch  das doppelte N in der Mitte des Wortes. Nehmen wir aber den Satz “Er sonnt sich”, ist es nicht möglich das doppelte N herauszuhören. Das Wort hat im Anfangsunterricht somit nichts verloren. Leider werden sehr früh bereits Wörter eingeführt, die nicht durch aufmerksames Hören richtig geschrieben werden können. Dadurch können sich Fehler verfestigen.

 

Kinder müssen Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln

Zusätzlich beginnt das Kind seiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Es hat genau hingehört und trotzdem einen Fehler gemacht. Das führt dann beim Kind zu folgenden Überlegungen. “Vielleicht ist die Strategie des Abhörens doch nicht so gut?” oder noch schlimmer “Ich verstehe das nicht!” Beide Überzeugungen tragen nicht dazu bei Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Daher sollten im Anfangsunterricht nur Wörter bearbeitet werden, in denen man bei deutlichem Sprechen jeden Laut hören kann. Natürlich schränkt diese Methode das freie Schreiben ein. Für die Kinder ist es trotzdem die bessere Alternative. Geben wir ihnen erst die Zeit Schreiben zu lernen. Danach können sie das Schreiben auch nutzen, um den eigenen Gedanken Ausdruck zu verleihen.

Eine kleine Bemerkung zum Schluss. Man kann natürlich auch mal eine Ausnahme machen. Sollte Ihr Erstklässler stolz mit der selbst geschriebenen “Weinachtzkate” kommen, sollten Sie die unterm Tannenbaum nicht verbessern sondern können sich einfach daran freuen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen frohes Weihnachtsfest.

Haben Sie Erfahrungen mit dem Schreiben nach Gehör? Hat es Ihrem Kind Probleme bereitet? Ich freue mich auf Ihre Erfahrung in den Kommentaren.

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