In meiner lerntherapeutischen Praxis sind Hausaufgaben ohne Stress eher eine Seltenheit. Ärger mit den Hausaufgaben und der Lernorganisation bleiben ein Dauerbrenner. Eltern kaufen Hausaufgabenhefte und -planer oder sie arbeiten mit tollen Tools wie dem Familienboard von Silvia Schäfer. Trotzdem gibt es einen Teil der Kinder, die weiterhin alles vergessen oder auf den letzten Drücker erledigen, wenn die Eltern sie nicht erinnern.

Ein Familienboard ist ein guter Start

“Ich erlebe immer wieder, dass das Familienboard mein Job ist. Es hilft mir, alles im Blick zu haben und meine Kinder verlassen sich darauf.” Diesen Satz höre ich öfter. Was kannst Du also tun, um das zu verändern. Wie bekommst Du Dein Kind dazu, einen Teil der Verantwortung mitzutragen, so dass Hausaufgaben ohne Stress auch möglich sind? Schließlich müssen die Kids ja später auch alleine damit zurecht kommen.

Zunächst einmal spielt das Alter einer Rolle. Ein 1. Klässler wird auch mit dem Familienboard nicht alles im Griff haben. Das ist auch ok. Ein Kind, das in die 5. Klasse geht, sollte allerdings in der Lage sein, sein Schulleben zu 80% alleine zu organisieren. Und ab der 7. Klasse sollte man als Eltern nur noch bei einer akuten Situation helfen, wenn man vom Kind gebeten wird. “Der Ärger mit den Hausaufgaben bleibt, dann aber!” “Hausaufgaben ohne Stress – das ist ja ein tolles Ziel, aber bei uns funktioniert das nicht.” Auch diese Sätze sind Klassiker bei meiner Arbeit.

 

Veränderung? Nein danke!

Woran scheitert es also häufig? An der Akzeptanz! Die meisten Kinder nicken zwar brav, wenn wir ein neues Tool vorstellen, aber innerlich sind sie nicht davon überzeugt und sie haben es dann auch schnell wieder vergessen. Dieses Phänomen sieht man nicht nur bei Kindern. Auch Erwachsene reagieren so, wenn sie nicht wirklich an der Einführung eines neuen Tools beteiligt werden.

Wer im Management arbeitet, kennt sicher die Veränderungskurve, die jeden Prozess begleitet. Nachdem man realisiert hat, dass eine Veränderung ansteht und die Chefs die Sache ernst meinen, muss man sich damit auseinandersetzen, damit man die Änderung auch akzeptieren kann. Hat man dazu keine Gelegenheit, kann man bewusst oder unbewusst in der Ablehnung steckenbleiben und das gutgemeinte Tool verstaubt in der Tasche oder an der Wand.

 

Für Hausaufgaben ohne Stress hol Dein Kind ins Boot . . .

. . . und lass es nicht sprichwörtlich im Regen stehen. Ich arbeite hier immer mit einem Zwiegespräch, wenn zwei Personen beteiligt sind. Sollte das Problem (egal welches, es funktioniert auch bei anderen Themen) mehrere Personen betreffen, ist es fast schon eine kleine Konferenz. Zu Beginn formulierst Du Dein Problem. Bitte bleib dabei wertfrei. Also nicht “Hausaufgaben ohne Stress sind nicht möglich, weil . . . ” Egal wie Du den Satz beendest, Du hast bereits verloren.

Offener bleiben Kinder in der Regel mit folgender Einleitung. “Wenn ich sehe, dass jedesmal vor einer Klassenarbeit Stress und Hektik ausbricht und ich abends noch schnell Vokabeln mit Dir lernen soll, dann stresst mich das total. Lass uns bitte gemeinsam eine Lösung finden.” Damit hast Du Dein Kind nicht angegriffen und ihm auch noch keine Anweisung erteilt, wie es zu agieren hat.

Wenn das Problem auf dem Tisch liegt, kann man Lösungen sammeln. Das heißt nicht, dass man jetzt etwas vorgibt. Nein, bitte nicht! Alle Lösungsvorschläge – und erscheinen sie auf den ersten Blick noch so abwegig – werden auf Post-it’s notiert und gut sichtbar angeklebt. Nichts wird mit den Worten, “geht nicht” oder “wie stellst Du Dir das vor?” bewertet. Ihr seid ja noch in der Sammelphase. Vorschläge dürfen nur die am Problem beteiligten Personen machen.

Ist die Sammelphase vorbei, werden die Vorschläge sachlich auf ihre Machbarkeit hin untersucht. Einige werden dann sicherlich ausscheiden. Zum Beispiel die Idee: Ich mache nie wieder Hausaufgaben. Aber auch hier bitte keine Abwertungen sondern schlicht die Frage: Geht das? Kinder sind ja nicht dumm und wissen sehr genau, dass es nicht funktionieren wird. In der Regel bleiben drei bis vier realistische Vorschläge übrig.

 

Der Zauber liegt darin, gemeinsam eine Lösung zu finden!

Ich kann Dir garantieren, dass Du feststellen wirst, es gibt viele Wege die nach Rom führen und auf die meisten wären wir nie gekommen. Die Kreativität dieses kurzen Brainstormings ist nicht zu unterschätzen. Die Vorschläge, die nun noch da sind, werden jetzt erneut betrachtet. Gibt es einen Vorschlag, dem alle Beteiligten zustimmen? Super! Wenn nicht heißt es weitersuchen.

Es gibt immer eine Lösung, bei der kein fauler Kompromiss gemacht werden muss. Am Anfang kann es schwierig werden. Da unsere Kinder zunächst oft denken, was ist denn das für eine neue Art Anweisungen zu verpacken. Wenn sie aber einmal verstanden haben, dass sie und ihre Meinung  gefragt sind, sind sie in der Regel mit Begeisterung dabei.

Also wenn Du Hausaufgaben ohne Stress verwirklichen willst, finde gemeinsam mit Deinem Kindern eine Lösung finden. Das ist erfahrungsgemäß der einzige erfolgreiche Weg. Verabschiede Dich bitte von der Vorstellung, dass nur Deine Lösung richtig ist. Finden einen Weg, mit dem alle zufrieden sind. Das erhöht die Chance der Akzeptanz und somit der Umsetzung.

Ich weiß, diese Art Konflikte zu lösen ist anstrengend, ich weiß aber auch aus Erfahrung, dass es dauerhaft ziemlich gut funktioniert. Falls Du mehr über diese Art Probleme zu lösen erfahren möchtest, mach einfach beim Elterncampus mit. Klick für weitere Infos einfach auf den Link. Ich freue mich wenn Du dabei bist. Oder schau einfach im Lern-Ort vorbei.

 

 

 

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