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Wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen schwerfällt · dein Infoblatt für Elterngespräche

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Wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen schwerfällt

Informationen für Eltern zur Lese-Rechtschreibstörung und zur Rechenstörung

Was Ihr Kind hat

Ihr Kind hat eine sogenannte umschriebene Entwicklungsstörung. „Umschrieben" bedeutet: Die Schwierigkeit betrifft einen klar abgegrenzten Bereich – das Lesen und Schreiben oder das Rechnen. Die Störung hat nichts mit der Intelligenz zu tun. Die Diagnose wird erst gestellt, wenn andere Erklärungen ausgeschlossen sind: Augen und Ohren sind geprüft, der Unterricht war ausreichend, und die Leistungen liegen deutlich unter dem, was nach Alter und Entwicklung Ihres Kindes zu erwarten wäre. Je nach Zählweise sind etwa 3 bis 8 von 100 Kindern von einer Lese-Rechtschreibstörung betroffen und etwa 3 bis 7 von 100 von einer Rechenstörung; statistisch gesehen sitzen damit fast in jeder Klasse ein bis zwei Kinder mit demselben Thema.

Bei der Lese-Rechtschreibstörung

Das Gehirn Ihres Kindes verarbeitet die Lautstruktur der Sprache anders. Drei Dinge fallen ihm dadurch schwerer als anderen Kindern: ähnlich klingende Laute sicher zu unterscheiden, ein Wort in seine Laute zu zerlegen, und diese Laute fest mit Buchstaben zu verknüpfen. Oft kommt dazu, dass das Kind Wörter und Buchstaben langsamer aus dem Gedächtnis abruft und sich mehrere Laute schlechter gleichzeitig merken kann, während es ein Wort aufschreibt. In Untersuchungen kann man sehen, dass das Lese-Netzwerk im Gehirn bei betroffenen Kindern anders arbeitet – die Schwierigkeit ist also messbar und real. Daher kommt vieles, was Sie zu Hause beobachten: langsames, stockendes Lesen, ausgelassene oder verdrehte Buchstaben, und dass dasselbe Wort heute richtig und morgen wieder falsch geschrieben wird. Der Arbeitsspeicher Ihres Kindes ist mit dieser Übersetzungsarbeit gefüllt – andere Kinder haben ihn frei für den Inhalt.

Bei der Rechenstörung

Das Gehirn Ihres Kindes verarbeitet Mengen und Zahlen anders. Was bei den meisten Kindern von allein entsteht, muss Ihr Kind sich mühsam erarbeiten: Anzahlen auf einen Blick erfassen, ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel eine Zahl bedeutet, und Mengen fest mit Zahlsymbolen verknüpfen – zu spüren, dass hinter der „8" doppelt so viel steckt wie hinter der „4". Betroffen sind vor allem diese Grundlagen: das Mengenverständnis, der Zahlbegriff und die Grundrechenarten. Manche Kinder haben zusätzlich Mühe, Zwischenergebnisse im Kopf zu behalten, während sie rechnen. In Untersuchungen kann man sehen, dass die Gehirnregion für die Mengenverarbeitung bei betroffenen Kindern anders arbeitet – die Schwierigkeit ist also messbar und real. Ohne das innere Mengengefühl bleibt dem Kind nur ein Ausweg: zählen. Daher kommt, was Sie zu Hause beobachten: Ihr Kind rechnet an den Fingern, auch bei Aufgaben, die es „längst können müsste", das Einmaleins wird auswendig gelernt und wieder vergessen, der Zehnerübergang bleibt eine Hürde, und Ergebnisse wie 8 + 7 = 87 fallen dem Kind selbst nicht auf. Dem Kind fehlt das Gefühl für Größenordnungen, mit dem andere Kinder solche Fehler von allein bemerken.

Woher es kommt

Die Ursache ist eine Veranlagung, die häufig in Familien weitergegeben wird – oft kennt ein Elternteil ähnliche Schwierigkeiten aus der eigenen Schulzeit. Dabei gibt es nicht das eine verantwortliche Gen, sondern viele kleine Bausteine, die zusammenkommen. Sie haben diese Störung nicht verursacht. Ob sie auftritt, entscheidet sich nicht daran, wie viel zu Hause vorgelesen, gespielt oder gezählt wird. Entscheidend ist jetzt der Blick nach vorn: gemeinsam von hier aus sinnvoll weiterzumachen.

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Ihr Kind lernt anders

Anders verarbeiten heißt anders lernen. Deshalb helfen mehr Arbeitsblätter vom Gleichen nicht weiter – Ihr Kind braucht andere Materialien, andere Methoden und mehr Wiederholungen. Genau darauf ist die Förderung ausgerichtet.

Was Sie erwarten dürfen – ehrlich gesagt

Ohne Förderung bleibt die Störung in der Regel bestehen – sie verwächst sich nicht von allein. Mit passender Förderung macht Ihr Kind dagegen belegbare, dauerhafte Fortschritte. Der Weg ist länger als bei anderen Kindern, und wie weit er führt, ist von Kind zu Kind verschieden: Manche holen weitgehend auf, andere behalten in Teilbereichen Schwierigkeiten und nutzen dafür Hilfsmittel – mehr Zeit bei Arbeiten, Vorlesefunktionen, Anschauungsmaterial, den Computer. Hilfsmittel sind dabei kein Zeichen von Scheitern, sondern Teil der Lösung, so selbstverständlich wie eine Brille. Fortschritt messen wir an Ihrem Kind selbst: an dem, was es vor drei Monaten noch nicht konnte.

Ihre Rolle beim Üben

Es hilft: kurze, regelmäßige Übe-Einheiten nach unserer Absprache, Fehler als Information behandeln („aha, das üben wir noch") und die Beziehung zu Ihrem Kind über die Leistung stellen. Es schadet: Druck, zusätzliche Diktate oder Rechentests, Üben bis zum Streit. Sobald eine Übesituation regelmäßig in Tränen oder Wut endet, brechen Sie sie ab und sagen mir Bescheid – dann ändern wir das Format.

Worauf Sie achten sollten

Kinder mit diesen Störungen tragen ein erhöhtes Risiko für seelische Folgebelastungen. Bitte kommen Sie auf mich zu, wenn Sie über mehrere Wochen beobachten: Bauchweh oder Übelkeit vor der Schule, Angst vor Klassenarbeiten, wachsende Schulunlust, Rückzug, häufiges Weinen bei den Hausaufgaben oder Sätze wie „Ich bin zu dumm".

Ihre Rechte in der Schule

Ihr Kind hat Anspruch auf Nachteilsausgleich, zum Beispiel mehr Zeit oder angepasste Aufgaben; je nach Bundesland kommt Notenschutz dazu. Bei erheblicher seelischer Belastung kann Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII eine Lerntherapie finanzieren. Sprechen Sie mich an – ich unterstütze Sie bei Anträgen und im Gespräch mit der Schule.

Wie die Förderung arbeitet

Seriöse Förderung setzt direkt an der Schwierigkeit selbst an und folgt einem klaren Aufbau. Beim Lesen und Schreiben beginnt sie am Fundament: der sicheren Verbindung zwischen Lauten und Buchstaben. Steht diese Verbindung, trainiert Ihr Kind das Schreiben und Lesen zunächst mit Wörtern, die man genau so schreibt, wie man sie hört. Erst darauf bauen die Rechtschreibregeln auf, die Schritt für Schritt erarbeitet werden – ergänzt um Lernwörter, also die Wörter, die sich keiner Regel fügen und gezielt geübt werden. Beim Rechnen beginnt die Förderung ebenfalls am Fundament: Mengenverständnis aufbauen, den Zahlbegriff festigen, ein Verständnis für den Zahlenraum und unser Zehnersystem entwickeln und das zählende Rechnen Schritt für Schritt ablösen. In beiden Fällen arbeitet die Förderung in kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten, angepasst an den Lernstand Ihres Kindes. Trainings, die stattdessen allgemeine Funktionen üben – Augenbewegungen, Gleichgewicht, Hörwahrnehmung –, haben in Studien keine Verbesserung gezeigt.

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