Du musst mehr üben!

Welches Kind mit Rechtschreibproblemen hat diesen Satz nicht schon mal gehört? Dabei üben die meisten Kinder sowieso schon mehr als ihre Altersgenossen. Auch als Eltern kann man sich bei diesem Satz schon mal angegriffen fühlen. Kinder bekommen auch  das Gefühl, wenn es eh nicht reicht, brauche ich auch gar nichts mehr zu tun. Dieser Satz ist einfach demotivierend und gehört nicht unter ein Diktat. Solltest Du ihn dennoch finden, ärgere Dich nicht, erklär der Lehrerin oder dem Lehrer höflich, wieviel Legasthenie-Förderung Du mit Deinem Kind betreibst. Er kann es ja nicht wissen. Suche mit ihm oder ihr nach Möglichkeiten der Motivation. Dazu weiter unten mehr.

 

Legasthenie-Förderung – wieviel Übungszeit muss wirklich sein?

Ich behaupte, richtig geplant und ausgeführt, reichen 10 Minuten an 5 Tagen in der Woche. Dabei liegt die Betonung auf geplant und ausgeführt. Eine Legasthenie-Förderung ist nicht das Abarbeiten von Arbeitsblättern zur Rechtschreibung. Auch die Arbeit an einem bestimmten Rechtschreibprogramm bringt ohne die richtige Planung nicht so viel. Eine richtige Legasthenie-Förderung beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Die heißt bei einem guten Therapeuten Förderdiagnostik und wird vor der eigentlichen Förderung durchgeführt. Ziel ist es den Punkt zu treffen, an dem das Kind richtig schreiben und lesen kann.

Nullfehlergrenze bedeutet, dass das Kind Wörter und Texte auf dieser Ebene richtig verschriften kann. Über die einzelnen Ebenen der Rechtschreibung kannst Du Dich im Webinar “Schreiben lernen – trotz LRS” informieren. Den Link findest Du unter diesem Artikel. Das Kind beginnt also auf einer Stufe, auf der es keine Fehler macht. Von da aus schreitet der Schriftspracherwerb fort. Der Vorteil dabei: das Kind erfährt, es gibt Dinge, die kann ich richtig machen und wenn ich das schaffe, dann schaffe ich auch mehr. Im Tempo des Kindes werden nun neue Kompetenzen und Strategien erworben. Dies dauert von Kind zu Kind unterschiedlich lange.

 

Beim Üben klappt es ja – aber im Aufsatz/Diktat geht alles wieder schief!

Auch das ist zu Anfang ganz normal. Der sogenannte Transfer von den Arbeitsblättern auf das Diktat und später zum Aufsatz ist eine Leistung, die nur langsam vollbracht werden kann. Die Fertigkeiten und Strategien müssen automatisiert werden. Dies gelingt wie bei einem Musikinstrument oder beim Sport, nur durch regelmäßiges Üben. Einmal die Woche lange trainieren und den Rest der Woche gar nicht, bringt nicht sonderlich viel. Bei guter Planung werden Phasen, in denen neues gelernt wird, mit Phasen der Automatisierung abwechseln und das Kind kann Stück für Stück langsam und kontinuierlich seine Rechtschreibleistung verbessern.

 

Förderplanung – wer hilft weiter?

Jede gute Lerntherapeutische Praxis wird vor Beginn der Förderung einen Förderplan aufstellen. Zertifizierte Therapeuten findest Du im FIL und auch beim Bundesverband Legasthenie. Wenn die Legasthenie-Förderung gut geplant ist, sind Dauer und Aufwand für die Therapie in der Regel deutlich geringer, als wenn einfach drauflos geübt wird. Trotzdem muss man sich darauf einstellen, dass es 2 – 3 Jahre dauert, bis die Erfolge dauerhaft gefestigt sind. Der Satz “du musst mehr üben” macht also für sich alleine gestellt wenig Sinn.

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