Gute Legasthenietrainer müssen coachen können! Mit diesem Artikel begebe ich mich mal wieder aus meiner persönlichen Komfortzone. Aber im Interesse der betroffenen Kinder ist das erforderlich.

Für Legasthenietrainer ist es wichtig, Coachingwissen zu integrieren!

Lerntherapie, LRS-Therapie, Integrative Lerntherapie –  nicht geschützte Begriffe, hinter denen alles oder nichts stehen kann. Meistens sind es geschätzte Kollegen, mit einer sehr fundierten Ausbildung. Ich bin auch einer von denen.

Trotzdem verabschiede ich mich gerade ganz bewusst von dem Begriff Therapie!

Was bedeutet Therapie?

Therapie oder Behandlung bezeichnet alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen positiv zu beeinflussen. (entnommen Wikipedia)

Lass Dir das mal bitte auf der Zunge zergehen. Behinderung, Krankheit oder Verletzung. Keines dieser drei Worte möchte ich im Zusammenhang damit sehen, dass ein Kind nicht richtig lesen und schreiben kann.

Die Krankheit und Verletzung können wir gleich ausschließen keiner dieser Begriffe passt!

Die Behinderung entsteht höchstens durch ein System, das darauf besteht, dass alle alles zur gleichen Zeit und mit den gleichen Mitteln lernen sollen!

Therapie beinhaltet auch etwas Passives. Ich lasse mich therapieren. Ein Kind wird therapiert!

Nein, danke! So sehe ich meine Aufgabe im Umgang mit Lega-Genies nicht!

Coaching hat einen anderen Ansatz!

Im Coaching liegt der Schwerpunkt darin, die beste Lösung für das Kind zu finden. Das Coaching dient dem Erreichen von selbstgewollten, realistischen Zielen, die für die Entwicklung des Kindes relevant sind. Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es hilft einen anderen Ansatzpunkt zu finden.

Dass Du als Legasthenietrainer weißt, wie die deutsche Sprache aufgebaut ist, wie Tests durchführt und interpretiert werden, wie man Förderpläne erstellt und Förderungen durchführt ist selbstverständlich. Aber mit welcher Brille tust Du das?

Folgendes Zitat von Maya Angelou, in meiner freien Übersetzung, sollte die Handlungsmaxime sein, wenn wir mit Kindern arbeiten:

Du kannst nicht alles kontrollieren was Dir passiert, aber Du kannst entscheiden, Dich davon nicht kleinmachen zu lassen!

Bei dieser Entscheidung müssen wir den Kids helfen. Wir haben nicht immer Einfluss auf die Umstände. Wird ein Nachteilsausgleich gewährt oder nicht? Gibt es einen Notenschutz oder nicht? Kennt die Schule sich mit LRS aus oder ist bereit dazuzulernen oder nicht?

Das kannst Du weder als Mutter, Vater oder Trainer beeinflussen. Wie das Kind das empfindet und wie es damit umgeht, das kannst Du sehr wohl beeinflussen. Und das macht einen gewaltigen Unterschied!

Das nennt sich Mindset! Und einen positiven Mindset zu entwickeln, muss neben der Vermittlung der Schriftsprache das gesetzte Ziel jedes Legasthenietrainers sein.

Mindset als Erfolgsstrategie für Legasthenietrainer

Und noch mal Maya Angelou

Wenn Du etwas nicht magst ändere es, wenn Du es nicht ändern kannst, ändere Deine Einstellung.

Wir können den Mindset von Kindern aktiv verändern, ohne sie zu manipulieren. Ich kann auf das Lesen und Schreiben blicken mit dem Gedanken “Ich kann nicht so gut  lesen und schreiben wie die anderen, weil ich LRS habe!” oder “Ich kann noch nicht so gut lesen und schreiben wie die anderen!” Das Wort noch macht den Unterschied.

Wenn ich davon ausgehe es lernen zu können, dann kann ich auch Lernfreude, Neugier und Motivation aufbringen.

Bin ich überzeugt davon, dass meine Fähigkeiten begrenzt sind, dann lohnt sich alle Anstrengung nicht. Da ist Dein Schützling nicht anders als Du!

Es gibt Lega-Genies, die immer einige Fehler beim Schreiben machen werden und das Hörbuch dem geschriebenen Wort vorziehen werden! Na und? Es gibt ja auch Menschen, die lieber Musik hören als Musik machen!

Unser Job im Umgang mit den betroffenen Kindern ist es – neben der richtigen Vermittlung von Lesen und Schreiben – ihnen einen flexiblen Mindset mitzugeben, die Einstellung ich kann lernen und ich finde Lösungen!

Denn die Skills, die später im Leben zählen, sind Kreativität und die Überzeugung, auftauchende Probleme lösen zu können.

Legasthenie – die Herausforderung annehmen

Sorgen wir als Legasthenietrainer dafür, dass die Herausforderung LRS angenommen wird und die Kinder daran wachsen und keinen Schaden nehmen. Im Artikel die Grünstiftmethode findest Du eine kleine Kostprobe wie Du ganz pragmatisch mit jedem Diktat etwas verändern kannst.

Mindset in der Forschung

Du glaubst jetzt, ich lebe hier meine esoterische Ader aus? Weit gefehlt.

Die Arbeit mit dem Mindset ist durch viele Forschungen belegt. Seit Jahren beschäftigt sich Carol Dweck an der Stanford Universität im schulischen Umfeld damit.

Carol Dwecks Arbeiten zeigen, dass Kinder mit einem flexiblen Mindset dauerhaft gut durch die Schulzeit kommen und an Schwierigkeiten wachsen.

Was aber viel wichtiger ist, der Mindset lässt sich entwickeln. Und diese Entwicklung können wir uns als

Legasthenietrainer und Eltern zu Nutze machen, im Interesse der betroffenen Kinder.