Damit Du Dir vorstellen kannst, was Lernblockaden anrichten können, möchte ich Dir heute einmal eine Geschichte erzählen. Die Geschichte eines Mädchens, nennen wir es einfach Lisa. Ich habe hier Namen und Daten ein wenig geändert, so dass niemand Lisa wiedererkennen kann.

Ich lernte Lisa vor drei Jahren kennen. Sie war mit ihrer Mutter zu mir gekommen, weil es in Mathematik überhaupt nicht klappte. Egal wie viel Lisa übte, die Noten wurden nicht besser. Ihre Mutter erzählte mir, sie sei auch keine Leuchte in Mathe gewesen. So schwer wie Lisa sei es ihr aber nicht gefallen.

Als erstes machte ich einen Test auf Dyskalkulie – aber der zeigte nichts. Das hatte ich auch nicht erwartet. Ich hatte den Verdacht, dass Lisa an einer Lernblockade litt. Also vereinbarte ich mit der Mutter und Lisa, dass Lisa und ich einige Stunden zusammen arbeiten würden, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Dabei kam sehr schnell heraus, dass Lisa überzeugt davon war, dass sie Mathe nicht könne. Diese Überzeugung saß tief. Immer wenn sie das Gefühl hatte, ein Thema einigermaßen verstanden zu haben, war auf einmal wieder vieles weg. Erst als Lisa diesen Grundgedanken loslassen konnte und die Vorstellung zuließ, in Mathe gut sein zu können, kam die Sache in Schwung.

Zusätzlich hatten wir kleine erreichbare Ziele gesteckt, an denen Lisa ihren Erfolg in Mathe auch außerhalb der Schule messen konnte. Mit jedem kleinen Erfolg wuchs ihr Zutrauen nun noch zusätzlich und heute ist Lisa in Mathe eine durchschnittliche Schülerin, die auch vor neuen Themen keine Angst hat.

Was sich hier so einfach anhört ist das Ergebnis einer zielgerichteten Arbeit mit Lisa.

Wie entstehen Lernblockaden und wie kannst Du erkennen, ob Dein Kind unter einer Lernblockade leidet?

 

Wie äußern sich Lernblockaden?

Lernblockaden können sich ganz unterschiedlich äußern:

  • Das Kind sackt auf einmal in der Schule oder in einem Fach ab
  • Es verweigert das Üben
  • Die Hausaufgaben werden zum Kampf
  • Die Schulnote steht in keinem Zusammenhang zum Aufwand
  • Das Kind kann es daheim, hat aber in der Schule keinen Zugang zu seinem Wissen (Blackout)
  • Schulunlust
  • Ärger auf die Schule oder einzelne Fächer

Lernblockaden

Lernblockaden können ganz verschiedene Ursachen haben:

  • Stress
  • Überforderung
  • Mobbing

 

  • Das zu Lernende erscheint dem Kind sinnlos
  • Negative Überzeugungen
  • Keine Erfolgserlebnisse

 

Was tun bei Lernblockaden?

Also wenn Du das Gefühl hast, bei Deinem Kind könnte eine Lernblockade vorliegen, solltest Du zunächst versuchen den Grund herauszufinden. Ausfragen hilft hier selten. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl. Einige Infos findest Du in diesem Artikel.

Letztendlich hängen viele Ursachen für Lernblockaden meiner Meinung mit der Art des Unterrichtens zusammen, wie es im Moment an unseren Schule geschieht und noch viel schlimmer ist das ständige Bewerten und Benoten.

Aber trotzdem kannst Du viel tun, um Deinem Kind das Leben leichter und das Lernen erfolgreicher zu machen. Schließlich kann Dein Kind nicht warten, bis sich das System ändert, sondern braucht jetzt Deine Unterstützung.

Bei Stress muss die Ursache erkannt werden, ebenso ob es eine echte Überforderung gibt, weil vielleicht Lücken aus den Vorjahren bestehen oder das Kind aktuell einfach zu viel auf dem Schirm hat.

Dass Mobbing ein Grund zum Handeln ist – egal ob mit oder ohne Lernblockade –  ist selbstverständlich. Solltest Du irgendwann den Verdacht haben, sprich mit Deinem Kind und hol die Schule ins Boot.

Heute möchte ich mich aber vor allem den letzten drei Gründen widmen.

  • Das zu Lernende erscheint dem Kind sinnlos
  • Negative Überzeugungen
  • Keine Erfolgserlebnisse

Oft ist es so, dass Kindern in der Tat einfach sinnlos erscheint, was sie lernen sollen. Ich erlebe dies häufig im Fach Englisch. Vokabeln werden als Inhalte für die nächste Klassenarbeit gelernt. Nach der Klassenarbeit werden sie als erledigt abgehakt und gelangen nicht ins Langzeitgedächtnis.

Solltest Du wirklich das Gefühl haben, dass Dein Kind sich nicht auf das Lernen konzentrieren kann, weil es ihm sinnlos erscheint, dann nimm das bitte auch so an. Es hilft hier überhaupt nichts zu sagen, dass muss man eben lernen. Damit wirst Du das Thema nicht lösen.

Aus Erfahrung weiß ich, dass Anschauung und praktische Anwendung des Gelernten, dann Sinn machen kann. Handelt es sich um eine Fremdsprache können Anlässe, diese Sprache zu sprechen sehr hilfreich sein. Beim Rechnen in der Grundschule platzt der Knoten oft, wenn man sich mit den Themen in der Küche, im Garten oder beim Sport beschäftigt.

Wobei natürlich auch die Frage erlaubt sein sollte, ob eine andere Herangehensweise auch seitens der Schule mal eine gute Idee wäre. Hier noch ein schönes Interview mit Gerald Hüther zu dem Thema.

Wirklich Sorgen mache ich mir immer, wenn negative Überzeugungen und mangelnde Erfolgserlebnisse die Auslöser der Lernblockade sind.

Ein Kind, das davon überzeugt ist, Mathe nicht zu können, wird es auch kaum in dem Fach zu einer guten Leistung bringen. Sollte dann doch mal eine gute Note dabei sein, ist oft der Gedanke “Da habe ich Glück gehabt!” im Spiel. Leider können sich solche negativen Überzeugungen auch mal auf alle anderen Fächer übertragen und das Lernen wird dann allgemein als anstrengend und frustrierend empfunden.

Und so wird dann ein Prozess, der uns Menschen angeboren ist und ohne den es niemals große Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte gegeben hätte, negativ besetzt und das wäre doch schade. Gerade wo wir alle doch immer wieder hören, dass lebenslanges Lernen heute der Schlüssel zum Erfolg ist.

Das Ungute an negativen Überzeugungen ist, dass wir sie im Kopf immer wieder durchspielen. Kennst Du bestimmt von Dir selber oder? Dir passiert etwas Blödes und immer wieder dreht sich dein Kopf um diesen einen Gedanken. Vielleicht hattest Du sogar einen Mathe-, Latein- oder ….lehrer, der irgendwann – vermutlich ganz unbewusst – etwas zu Dir sagte, das Dir heute noch zu schaffen macht, wenn Du daran denkst? Oder gab es ein Fach in der Schule, bei dem Du einfach abgeschaltet hast und von dem Du heute noch glaubst, dass Du es nicht kannst?

Wie auch immer, Du brauchst nur daran zu denken und schon ist die Stimmung von damals wieder da. Und Deinem Unterbewusstsein ist das in dem Fall ganz egal. Es bekommt sofort wieder dieselbe Information, da alle biochemischen Prozesse genauso ablaufen, als seist Du in der Situation.

Diese negative Gedanken, Glaubenssätze oder die innere Stimme – wie auch immer wir das nennen wollen –  ist gar nicht so einfach zu erschüttern. Eigene Erfolge erleben ist sicher eine Möglichkeit, aber das wird vielleicht nicht immer gelingen. Daher ist es so wichtig herauszufinden, was genau das Kind denkt und diesen Gedanken dann ins Wanken zu bringen.

Es gibt gerade im Kinder- und Jugendcoaching sehr gute Methoden, dies zu erreichen. Daher kann es an dieser Stelle manchmal sinnvoll sein, einen erfahrenen Lerntherapeuten oder Coach einzuschalten, um das Thema zu lösen. Falls Du dich selber mit dem Thema auskennst und mit Deinem Kind gut im Gespräch bist geht das natürlich auch. Hier kann ich dir das Buch von Byron Katie Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können empfehlen.

Lernblockaden und LRS

Oft werde ich gefragt, ob eine LRS durch eine Lernblockade ausgelöst werden kann. Ich drehe den Spieß hier lieber um.

Ich denke, eine LRS kann die Entstehung von Lernblockaden begünstigen.

Schauen wir uns die Auslöser für Lernblockaden noch einmal an, finde ich die folgenden vier Punkte gerade bei Kinder mit einer Legasthenie:

  • Stress
  • Überforderung
  • Negative Überzeugungen
  • Keine Erfolgserlebnisse

 

Stress haben sicher die meisten Kinder mit einer Legasthenie trotz Notenschutz. Auch eine Überforderung, dass sich die Aufgaben im Lesen und Schreiben häufig nicht am Leistungsstand des Kindes orientieren, dürfte keine Seltenheit sein.

Die negativen Überzeugungen, die ich bereits oben angesprochen habe, schlagen auch hier wieder besonders zu. So wichtig Nachteilsausgleich und Notenschutz sind – ich bin ein großer Fan davon – so sehr können sie jedoch auch zu der Einstellung führen, “ich habe Legasthenie und daher kann ich das nicht”.

Gerade hier ist es wichtig, die negativen Überzeugungen zu verändern. Daher sollte in der Förderung immer hinterfragt werden, welche Überzeugungen, Kinder mit sich herumtragen.

Dass Kinder mit Legasthenie häufig mit mangelnden Erfolgserlebnissen zu kämpfen haben, wissen wir glaube ich alle. Auch hier sind alle Eltern, Lehrer und Lerntherapeuten gefragt, den Kindern immer wieder Erfolge zu organisieren, damit sie ihre eigenen Fortschritte auch sehen können

Lernblockaden können für alle Kinder und ihre Eltern eine große Herausforderung darstellen. Aber sie sind kein unüberwindbares Hindernis. Wichtig ist nur, dass eine richtige Ursachenforschung  betrieben wird und diese Ursachen dann behoben werden.