Lernerfolg wird seit grauer Vorzeit in Schulnoten gemessen. So auch in diesem Jahr. Einige Schüler haben gerade ihre Zeugnisse bekommen – für alle anderen gibt es im Juli Zeugnisse.

Wer mir schon länger folgt weiß, dass ich kein Fan von Schulnoten bin. Da Du sie aber in der Regelschule für Dein Kind nicht vermeiden kannst, zeige ich Dir in diesem Artikel, wie sie den Lernerfolg am wenigstens negativ beeinflussen.

Dazu möchte ich erstmal Lernerfolg definieren.

Was ist Lernerfolg?

Ein “Sehr Gut “in allen Fächern? Oder ein “Gut”? Für andere ist es vielleicht auch noch ein “Befriedigend”- spätestens beim” Ausreichend” ist das mit dem Erfolg so eine Sache. Aber was sagt diese Note denn aus? Dass der Schüler zum Zeitpunkt der Klassenarbeit den Stoff beherrscht hat!

Wir machen Schulnoten sehr häufig von Klassenarbeiten abhängig. Der Rest der Schulzeit wird trotz der mündlichen Noten in meinen Augen viel zu wenig gewertet. Sicher spiegeln die Noten kein ganzheitliches Bild der Leistung eines Schülers in einem Schuljahr wieder.

Ich möchte hier einmal einige andere Kriterien für Lernerfolg betrachten:

  • Erlernen einer neuen Fähigkeit
  • Anwenden derselbigen
  • einen praktischen Bezug zum Alltag herstellen können
  • eine Transferleistung auf ein ähnliches Thema erbringen
  • Neugier entwickeln und recherchieren was es zu dem Thema noch zu erfahren gibt

Diese Punkte werden nicht unbedingt in den Schulnoten widergespiegelt. Warum ist das so?

Die Verteilungsfunktion von Schule

Leider hat Schule heute immer noch die Aufgabe eine Rangfolge unter Kindern herzustellen. In gut und schlecht. Sie verteilt Bildungschancen  unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit, da man Lernerfolg ja messbar machen muss. Muss man? Oder anders gefragt:

Tun Noten das? Sind Noten gerecht?

Nein! Noten sind nicht gerecht. Es gibt im Englischen zwei Wörter, die das sehr schön zum Ausdruck bringen, zum einen equity (die Fairness oder die Gerechtigkeit) zum andern equality (die Gleichheit oder Gleichfömigkeit)

Schulnoten basieren auf dem Prinzip von Gleichförmigkeit oder Gleichheit und sind somit nicht fair! Sie behandeln jeden gleich ohne auf seine Bedürfnisse zu achten. Besonders Kinder mit LRS, Dyskalkulie oder ADHS können ein Lied davon singen. Für jedes bisschen Nachteilsausgleich braucht es Gutachten, Tests und immer wieder die Einforderung nach Einhaltung.

So ist lernen mit Spaß schwierig.

Aus der Zeitschrift betrifft Erziehung, Juli 1975 mit dem Erstabdruck der Karikatur von Traxler.

Diese Karikatur von Traxler aus dem Jahre 1975 beschreibt die Situation trefflich. Auch das Zitat Albert Einsteins

Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.

beschreibt genau das, was heute immer noch passiert. Die große Tragik daran ist, dass Schüler am Lernen gehindert werden.

Schüler, mit schlechten Noten verlieren häufig die Lust am Lernen. Noten können eine Negativspirale auslösen. Dazu kommt, dass  nicht die tatsächliche Leistung des Einzelnen bewertet wird, sondern nur das Ergebnis im Verhältnis zu den Mitschülern.

Beispiel 

Ein Kind kann in der fünften Klasse noch nicht schwimmen. Es hat sogar ein wenig Angst vor dem Wasser. Aber es traut sich ins Wasser. Im Schwimmunterricht gelingt es der Lehrerin tatsächlich, diesem Kind das Schwimmen beizubringen. Hier auch Hut ab vor der Leistung der Lehrerin.

Nun kommt es an die Notenvergabe. Ich kenne mich im Schwimmen nicht aus, daher ist mein Bewertungsschema vielleicht nicht ganz korrekt, das tut für das Beispiel auch nichts zur Sache. Sagen wir mal. es müssen für eine “Zwei” 150 Meter in einer bestimmten Zeit geschwommen werden – davon 50 Meter Rückenschwimmen.

Diese Leistung ist für den Schwimmneuling nicht zu schaffen. Er landet mit viel gutem Willen der Lehrerin bei einer “Vier”. Dabei ist die tatsächliche Leistung doch viel größer, als die eines guten Schwimmers der seine Zeit um 1,5 Sekunden verbessern konnte. Wird das Kind Spaß am Schwimmern behalten?  Das wage ich zu bezweifeln.

Naja ist ja nur Sport denkst Du vielleicht. Aber die Erfahrung die dieser Schüler gemacht hat ist, dass auch hohe Anstrengugngsbereitschaft und Einsatz  keinen Erfolg in der Schule bringen. Dieses Lernergebnis sitzt tief. In der Regel tiefer als Vokabeln oder binomische Formeln. Dieses Beispiel zeigt aber auch den Unterschied zwischen –  “Die Aufgabe ist für alle gleich oder die Aufgabe wird an die Fähigkeiten des Einzelnen angepasst”.

Zwei oder drei weitere Erfahrungen dieser Art und die Lernkarriere knickt ein. Das ist die Gefahr von Noten.

Was kann man tun?

Lernerfolg ohne Noten – wie es geht!

Zunächst müssten wir der Schule die Verteilungsaufgabe nehmen. Schule sollte die Aufgabe haben, allen Kindern gerecht zu werden. Besonders in der Grundschule sollte das Ziel sein, dass alle Kinder die Grundfähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen.

Machen wir es mal am Beispiel der vier Fälle konkret. Die vier Fälle bereiten mir seit Jahren schlaflose Nächte, wenn meine Schüler sie in der Schule behandeln. Der Stoff wird durchgenommen, abgefragt und schon habe ich eine Verteilung in gute und schlecht Schüler.

Besser wäre es jedoch, wenn alle Schüler am Ende die vier Fälle beherrschen würden. Also nach dem Test, sollten die Schüler evtl. mit Hilfe schauen was sie schon konnten  und was muss sie  noch lernen müssen. Dann kann der betreffende Schüler sich daran machen, die unverstandenen Dinge zu erarbeiten und wenn er sich fit fühlt einen erneuten Anlauf zum Test machen. Tests sollten dazu dienen, ein Thema als verstanden abzulegen und nicht zur Bewertung.

Schüler, die gelernt haben, so aus ihren Fehlern zu lernen und sie zu nutzen besser zu werden, haben keine Angst mehr vor Klassenarbeiten und werden vor allen Dingen dauerhaft mehr Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen können,

Da ein solches Vorgehen in den meisten Regelschulen nicht der Fall ist, hier ein paar Gedanken, wie Du Deinem Kind helfen kannst, mit der Notensituation umzugehen und sich nicht durch Noten entmutigen zu lassen sondern sie als das zu sehen was sie sind Momentaufnahmen.

Noten zeigen nicht, was ein Schüler nicht kann, sondern nur, was er im Moment noch nicht kann! Und das ist ein riesiger Unterschied.

Lernerfolg sichtbar machen trotz schlechter Noten!

Das kostet ein wenig Zeit und bei Kindern, die bereits etwas entmutigt sind auch ein wenig Geduld. Aber es lohnt sich.

Mach mit Deinem Kind zu Beginn eines jeden neuen Themas eine Bestandsaufnahme. Zerlegt das Thema in kleine Portionen? Überlegt gemeinsam, was muss ich dafür schon können? Was fehlt mir an Voraussetzungen? Dann könnt Ihr schauen, was realistisch zu erreichen ist.

Ein Beispiel:

Die vier Fälle

Voraussetzungen: Wortarten, Sätze, Satzglieder

Zu lernen: die Bezeichnungen, die Fragen, die Anwendung

Das Kind ist bei den Satzgliedern noch unsicher. Also müssen die erst wiederholt werden.

Wie lange ist Zeit alles zu lernen und anzuwenden? Wie realistisch ist es, alles zu schaffen?

Vielleicht ist von Anfang an klar, dass die Zeit nur für die sichere Anwendung von zwei Fällen reichen wird. Dann ist die Arbeit erfolgreich, wenn in den zwei Fällen alles zu 80% richtig gemacht wurde.

Ich weiß, dass dieses Vorgehen unkonventionell ist.  Aber das zerlegen von großen Lernportionen in kleine und die dann wirklich zu beherrschen und für sich zu bestimmen, wann habe ich mein Ziel erreicht, hilft Kindern enorm, die eigene Leistung zu sehen, auch wenn die Note das nicht widerspiegelt.

Übrigens bei den vier Fällen, kann dieses morgen durchaus noch ein passable Note ergeben. Wenn ich zwei Fälle sicher kann, ist die Chance von den anderen auch noch 50% richtig zu haben gar nicht so schlecht.

Welchen Lernerfolg hatte ich in diesem Schuljahr?

Auch hier kannst Du Deinem Kind helfen. Schaut Euch an, was Dein Kind in diesem Schuljahr alles gelernt hat. Malt es z.B. in eine Treppe. Wo war ich zu Beginn des Schuljahres und wo stehe ich jetzt? Welche neuen Fähigkeiten habe ich in diesem Schuljahr gelernt?

Kinder brauchen bei diesen Fragestellungen immer ein wenig Hilfestellung.

Hier geht es nicht um das Schönreden sogenannter schlechter Noten. Hier geht es darum, Deinem Kind zu zeigen, was es alles bereits geleistet hat. Auf Erfolg lässt sich aufbauen.

Misserfolg führt eher dazu, dass Kinder immer weniger leistungsbereit werden. Sie fühlen sich dann angegriffen und abgewertet.

Es macht also immer Sinn, einem Kind zu helfen seine Erfolge zu sehen und nicht auf seine vermeintlichen Misserfolge zu schauen.

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