Lernziele formulieren sollte doch eigentlich ganz einfach sein oder? Sie stehen doch im Lehrplan. Aber leider fahren die Kinder nicht so sehr auf sie ab. Salopp gesagt, sie locken oft keine Katze hinter dem Ofen vor!

Das muss aber nicht so sein. Ziele können ein echter Gamechanger sein, nur müssen wir bei der Formulierung einiges beachten.

Du willst jeden Morgen vor der Arbeit joggen gehen? Super. Auf einer Skala von 1 bis 10 wie realistisch ist es, dass Du das Ziel erreichst?

Ok. Bei mir wäre es irgendwo zwischen 2 und 3 – und das ist jetzt schon hochgegriffen.

Wie kannst Du also Kindern helfen, dass sie Lernziele formulieren, die Motivation und Erfolg positiv beeinflussen? Diese Tipps kannst Du im Unterricht, in der Lerntherapie und im LRS-Training genauso anwenden wie mit Deinem Kind zu Hause.

Lernziele formulieren – positiv und spezifisch

Ziele – auch Lernziele – müssen immer positiv formuliert sein. Also niemals

  • Ich will keine Vier in  . . .
  • Ich will weniger Fehler . . .
  • Beim Aufsatz nicht mehr so schmieren . . .

Die modernen Neurowissenschaften haben nachgewiesen, dass unser Gehirn hier mit der Verneinung nichts anfangen kann. Es hört nur die Vier, den Fehler oder beim Aufsatz schmieren.

Kennst Du das Buch “Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!” von Thorsten Havener?

Woran hast Du gerade gedacht? Wahrscheinlich an einen blauen Elefanten.

Kommen wir nun zu spezifisch.

  • In Deutsch besser werden.
  • Im Aufsatz schöner schreiben.
  • Besser als die Note Vier.

Hier ist es gelungen, positive Lernziele zu formulieren.

Aber was bedeutet denn besser in Deutsch oder schöner schreiben? Besser als eine Vier kann von der Eins bis zur Drei alles bedeuten. Leider sind auch solche Formulierungen nicht besonders hilfreich.

Spezifisch und positiv sind folgende Formulierungen

  • Auf dem nächsten Zeugnis eine Eins in Deutsch!
  • Wenn ich mich im Aufsatz verschrieben habe, streiche ich mit dem Lineal durch und schreibe die Stelle neu!
  • Ich erreiche im Vokabeltest eine Drei!

Lernziele formulieren, die das Kind messen kann

Auch müssen Ziele messbar sein.

  • Eine Drei in Deutsch.
  • 3 Fehler im Vokabeltest.
  • 20 Minuten schreiben jeden Tag.

Diese Ziele sind messbar.

Lernziele müssen mit eigener Kraft erreichbar sein

Die Ziele

  • Einen neuen Lehrer bekommen!
  • Ich lerne nur noch zu Hause!
  • Hausaufgaben werden abgeschafft!

sind zwar positiv formuliert und auch messbar, jedoch aus eigener Kraft nicht erreichbar. Also ebenso völlig ungeeignet.

Lernziele formulieren, die realistisch sind

Auch das ist wichtig. Formuliere ich ein Ziel, von dem ich überzeugt bin es nicht schaffen zu können, dann ist das ein Traum oder ein Wunsch – beides für Motivation und Lernerfolg eher kontraproduktiv. Das wirst Du von Dir selber kennen: Wieso sich für etwas anstrengen, das eh nicht klappen wird?

Habe ich ein Kind mit LRS, das zur Zeit zwischen 30 und 50 Fehler im Diktat macht, dann ist das Lernziel 0 Fehler im nächsten Diktat völlig unrealistisch. Hier kann man z.B. formulieren:

  • Im nächsten Diktat schreibe ich alle Satzanfänge groß.
  • Ich spreche genau mit und schreibe alle Buchstaben, die in ein Wort gehören auf.

Diese Lernziele können realistischerweise mit Anstrengung und den richtigen Lernstrategien erreicht werden.

Lernziele formulieren ist wie Du siehst kein Buch mit sieben Siegeln, aber es folgt einer gewissen Logik.

Einen weiteren Punkt musst Du noch beachten, und das gilt für alle Ziele – egal ob Schüler, Kinder, Partner oder Kollegen.

Die Ziele müssen in absehbarer Zeit erreichbar sein. Dabei ist die absehbare Zeit für jeden anders. Je jünger das Kind umso geringer die Zeitspanne.

Kein Kind wird am Anfang der dritten Klasse durch ein Ziel am Ende der vierten Klasse (ja ich meine das Übertrittszeugnis) motiviert.

Größere Ziele müssen also heruntergebrochen werden. Das was an Zielen motiviert, ist natürlich der Weg und der Wunsch sie zu erreichen, aber genauso wichtig ist das Erfolgserlebnis des erreichten Ziels. Und erst die Erfahrung von Erfolg ist es, die uns ein neues Ziel anstreben lässt.

Lernziele formulieren – zusammengefasst

Hier nochmal die fünf Punkte: Lernziele müssen

  • spezifisch und positiv sein.
  • messbar sein.
  • aus eigener Kraft erreichbar sein.
  • realistisch sein.
  • in absehbarer Zeit erreichbar sein.

 

 

 

 

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