Kinder mit LRS fördern ist nicht einfach. Manchmal geht es einfach nicht voran. Einer der fünf folgenden Fehler kann Schuld sein. Wenn Du sie vermeidest, stehen die Chancen gut, dass Dein Kind zügig voran kommt.

Fehler Nr. 1: Zu leicht oder zu schwer!

Die Übungen sind zu leicht oder zu schwer. Das ist eine häufige Ursache für ein Training, das zwar Zeit kostet, aber wenig Nutzen bringt. Bevor Du Dein Kind mit LRS fördern kannst, musst Du erstmal feststellen, wo Du beim Training ansetzen kannst. Wenn Du die Übungen zu leicht wählst, wird Dein Kind sich langweilen. Außerdem werden die Fortschritte gering sein, da kaum eine Herausforderung besteht. Ist das Training zu schwer, kommt das fast aufs gleiche raus. Einziger Unterschied: Der Selbstwert Deines Kindes leidet und es kann zu der Einstellung kommen “Ich lern das sowieso nicht!” Du kannst dieses Problem vermeiden, indem Du die Fehler Deines Kindes analysierst. Du findest im folgenden Artikel eine Anleitung, wie Du das selber herausfinden kannst. Außerdem kannst Du Dir im Materialbereich eine Anleitung dazu herunterladen.

Fehler Nr. 2: Einseitiges üben!

Die Übungen sind zu einseitig. Es werden immer wieder Arbeitsblätter bearbeitet, die das Kind nach einigen Durchgängen bewältigt. Sobald es dann aber ans Diktat geht, siehst Du im wahrsten Sinne des Wortes wieder rot. Genau abgestimmte Übungen, die aufeinander aufbauen und die die Motivation erhalten sind die Lösung! Es ist gut ein Thema zunächst zu erklären und dann die üblichen Arbeitsblätter zu bearbeiten. Danach muss jedoch Schritt für Schritt die Kompetenz ins Diktat übertragen werden. Hier hältst Du am besten folgende Struktur ein: Wortdiktate, Satzdiktate und schließlich längere Texte. Wichtig ist, dass Du dabei auch die Textkontrolle etablierst.

Fehler Nr. 3: Die Übungen sind nicht intensiv genug!

Ein Thema wird zu früh beendet. Die Ungeduld und/oder der Lehrplan der Schule verleiten uns, zu rasch vorzugehen. Wenn Du diesen Fehler vermeidest, ersparst Du Deinem Kind viel Kummer. Aber wann sitzt ein Thema? Erst wenn alle Übungstypen fehlerfrei bearbeitet werden und auch bei den Hausaufgaben und im Aufsatz nicht mehr vorkommen. Jede Rechtschreibstrategie muss solange geübt werden, bis Dein Kind sie sowohl bei Arbeitsblättern, Diktaten als auch im eigenen Text richtig beherrscht. Hierzu gehört für Dich ein wenig Mut. Es ist nicht einfach, sich vom Lehrplan abzuwenden und nach den Bedürfnissen eines Kindes zu üben – auch wenn der Erfolg dauerhafter ist. Der Druck der Schule ist nie zu unterschätzen. Was Dein Kind braucht ist eine gute Portion Aufmerksamkeit und Konzentration. Lies dazu noch einmal in diesem Artikel nach.

Fehler Nr. 4 Begleitung ins freie Schreiben!

Der Übergang ins freie Schreiben (Aufsatz und Co.) wird nicht trainiert und sinnvoll begleitet. An dieser Stelle ernte ich oft ungläubige Blicke. Wieso muss man das denn extra trainieren? Reicht es denn nicht, eine Regel zu lernen? Nein, leider nicht.
Ein Aufsatz ist kein Diktat und kein Arbeitsblatt. Beim Verfassen eines Textes arbeitet eine völlig andere Hirnregion als bei der Rechtschreibung. Texte verfassen und richtig schreiben sind zwei Paar Schuhe! Jede Rechtschreibstrategie muss mit Hilfe der Korrekturstrategie auf das freie Schreiben übertragen werden. Überlegt also vor jedem Text, den Dein Kind schreibt, welche Rechtschreibregeln es schon kann. Lass Dir die Regel nochmal erklären und vor allen Dingen, bitte Dein Kind darum, ein Beispiel zu geben. Dann bittest Du Dein Kind bei der Textkorrektur auf diese Fehler zu achten. Hilf Deinem Kind auch mit Mini-Texten, langsam aber sicher die Rechtschreibstrategien anzuwenden. Auch technische Hilfsmittel, wie Diktiergeräte oder Smartphones mit Diktierfunktion sind super nützlich. Sie ermöglichen älteren Kindern selbstständig zu üben. Sorry – aber LRS fördern ist nun mal ein wenig Aufwand.

Fehler Nr. 5 Keine Erfolgserlebnisse!

Kinder mit LRS/Legasthenie haben zu wenig Erfolgserlebnisse. Wenn sie keinen Notenschutz bekommen, kann sich das sogar noch verstärken. Hat Dein Kind auch schon die Erfahrung gemacht, dass es trotz intensiven Übens immer noch viele Fehler macht? Wenn es in der Schule keine Erfolgserlebnisse gibt, dann verschaff Du sie Deinem Kind. Erfolg ist organisierbar. Setzt Euch kleine Ziele und freut Euch, wenn Ihr sie erreicht habt. Wenn Du weißt wo Dein Kind steht (s. Fehleranalyse), kannst Du eine Rechtschreibstrategie bearbeiten. Du kannst dann in Aufsätzen oder Diktaten nachschauen, ob Dein Kind die Strategie, die ihr gerade bearbeitet, richtig angewandt hat. Das ist ein Erfolg und eine Leistung, die man auch sehr schön grafisch darstellen kann. Oder gestaltet die Übungen als Spiel – es gibt viele Möglichkeiten. Stöbere gerne in meiner Materialsammlung. Dort findest Du weitere Anwendungen.

LRS fördern – zusammengefasst:

– Analysiere die Fehler Deines Kindes. Das ermöglicht Dir den richtigen Einstieg ins Training!
– Bei jedem Thema den Schwierigkeitsgrad langsam steigern: Vom Arbeitsblatt bis zum freien Schreiben!
– Erst dann das nächste Thema angehen, wenn alles vorher wirklich sitzt. Immer wieder wiederholen!
– Begleite jedes Thema bis hin zum freien Schreiben. Dafür ist jeweils eine Textkorrektur erforderlich!
– Ohne Erfolgserlebnisse geht es nicht. Da die Schule das meist nicht schafft, musst Du es tun!
Euch ganz viele Erfolgserlebnisse und Dir einen langen Atem beim LRS fördern!