Kinder mit einer Rechenschwäche haben es in der Schule schwer. Eine Rechenschwäche überwinden ist nicht einfach.

Oft hören Eltern dann sogar Kommentare wie den folgenden:

“Ihr Kind zählt immer noch beim Rechnen! Das geht jetzt in der 2. Klasse nicht mehr. Daher müssen Sie das unterbinden!”

Kaum zu glauben aber wahr, dass so etwas heute noch kursiert. Das ist dann ungefähr so, als wenn wir jemandem, der nur mit dem 2-Finger-Adlerauge-Suchsystem die Tastatur seines Rechners bedienen kann, dies verbieten, ohne ihm das 10 Fingerschreiben beizubringen.

 

Rechenschwäche überwinden – was wirklich hilft!

Lass Dich also nicht kirre machen, wenn Dein Kind noch zählt. Wir schauen uns daher erst einmal an, was dahinter steckt und wie Du Deinem Kind sinnvoll helfen kannst.

Zählen kann man vorwärts und rückwärts, was dem Plus- und Minus-Rechnen entspricht.

Spätestens wenn der Zahlenraum bis 100 erschlossen wird, kann das Zählen etwas umständlich werden.

 

Warum zählen Kinder?

Kinder, die beim Rechnen zählen, haben keine Vorstellung von einer Zahl. Sie kennen zwar die Wörter für die Zahlen, sie haben aber keine Idee, was sich dahinter verbirgt.

Weißt Du was fünf alles bedeutet?

  • Das Wort für das Zeichen 5!
  • Die Zahl, die zwischen 4 und 6 steht!
  • Die Bezeichnung für die Menge 5, egal ob Gummibärchen, Euro oder Autos!
  • Eine Menge, die ich zerlegen kann, also in 1+4, 2+3!

Kinder, die eine Rechenschwäche überwinden wollen, müssen folglich alle diese Infos über Zahlen, Mengen und ihren Platz beim Zählen kennen lernen.

 

Ist doch ganz einfach?

Klar für Dich, Du kannst es ja auch. Wenn Du als Fahranfänger das Auto abgewürgt hast und jemand stöhnte, weil das doch so einfach ist, hast Du das sicher auch anders gesehen.

Du hast erstmal verdammt viel Übung gebraucht.

 

Helfen wir Deinem Kind!

Übungen zum sicheren Zahlverständnis. Zunächst einmal sollte Dein Kind sicher zählen können und wissen, welche Menge sich hinter einer Zahl verbirgt.

Zum Zählen eignet sich alles. Du brauchst nichts extra anzuschaffen. Nudeln, Linsen oder auch Büroklammern – alles funktioniert. Schleichtiere und Legosteine eignen sich ebenso wie Autos oder Buntstifte.

 

Spielideen

Zählspiel mit Punktbildern

Stell Dir zunächst Punktbilder her! Du kannst Dir im Materialbereich eine pdf laden, anschließend druckst und schneidest Du sie nur noch aus.

               

 

Jetzt nennst Du Deinem Kind ein Zahl, z.B. vier. Dann sucht Dein Kind vier Büroklammern oder ähnliches aus und sucht die passende Punktkarte.

Es ist wichtig, dass beides gemacht wird. Das Kind kann so die Menge begreifen. Also in die Hand nehmen und fühlen. Hier solltet Ihr den Zahlenraum bis 10 bearbeiten.

 

Wer hat mehr?

Eine Abwandlung des beliebten Autoquartetts. Hier kannst Du kreativ werden und mit Deinem Kind ein Spiel selber basteln.

                           

 

Bastelt Spielkarten auf denen verschiedene Sachen zu sehen sind. Autos, Häuser, Gummibärchen, Zauberstäbe, usw. Bastelt ca. 20 Karten. Alle Zahlen von 1-10 sind jeweils mindestens 2 Mal vertreten. Oder Du druckst einfach die Quartettkarten im Materialbereich aus.

Zwei Spieler, jeder bekommt 10 Karten. Dann nimmt jeder – wie beim Autoquartett – seine oberste Karte und sagt, wie viele Gegenstände auf der Karte sind. Wer die höchste Zahl hat, bekommt beide Karten. Haben beide Spieler die gleiche Anzahl, bleiben die Karten in der Mitte und wer beim nächsten Mal die meisten Gegenstände hat, bekommt alle Karten.

 

Mengen zerlegen

Die letzten Spielideen zielten darauf ab, zu be -“greifen” wie Wort, Zeichen und Menge in Zusammenhang stehen.

   = 6=sechs

Das ist der erste Schritt mit dem Dein Kind seine Rechenschwäche überwinden kann. Ist das gelungen, geht es ans Zerlegen.

Zerlege Master Mind

Ihr braucht hierfür die Zahlenkarten aus dem Materialbereich, 2 x 10 Gegenstände (Büroklammern, Linsen, Erbsen, Nudeln oder Legosteine) und ein Tuch.

Nehmt die Zahlenkarten und legt sie verdeckt auf den Tisch. Jeder Spieler bekommt 10 Gegenstände. Der erste Spieler zieht eine Karte und liest die Zahl vor.

 In diesem Fall die Zahl fünf. Der Spieler, der an der Reihe ist, nimmt nun fünf seiner vorbereiteten Gegenstände und legt sie unter das Tuch. Dabei teilt er die fünf auf.

Er legt z.B. 👑👑        👑👑👑 so dass der andere Spieler es nicht sieht. Der zweite Spieler soll nun erraten, wie die fünf Kronen geteilt wurden.

Er legt zum Beispiel 👑   👑👑👑👑. Das wäre falsch und Spieler eins bekommt einen Punkt. Wichtig ist hier, dass Spieler eins auch sagt was falsch ist.

“Das ist falsch, denn ich habe meine fünf nicht in eins und vier geteilt sondern in zwei und drei.”

 

Das Zerlegen der Menge, das Dir hier vielleicht super easy erscheint, ist ein Knackpunkt an dem viele Kinder scheitern! Du solltest das Mengen Zerlegen mit Deinem Kind in vielen Alltagssituationen üben.

Man kann so ziemlich alles zerlegen. Beim Tischdecken kann man schauen, wie viele Messer man braucht. Sind vier Personen zu Tisch, braucht man vier Messer. Bevor Dein Kind die Löffel aufdeckt, kann es sich ansehen, wie es die Menge der Löffel zerlegen kann.

🥄   🥄🥄🥄, 🥄🥄   🥄🥄, 🥄🥄🥄   🥄,

 

Sicher fallen Dir noch viele Möglichkeiten ein, wie Ihr das Zerteilen von Mengen üben könnt.

 

Über’s Rechnen reden!

Das ist ein Punkt, der leider total unterschätzt wird. Oft arbeiten Kinder mechanisch Unmengen von Arbeitsblättern ab und wir wundern uns, dass das Üben nichts bringt. Beim Rechnen geht es jedoch darum zu verstehen. Wenn Kinder eine Rechenschwäche überwinden sollen, geht das nur mit Einsicht. Also lass Dein Kind erklären was es tut.

Neben dem Verständnis von Menge und ihrer Zerlegbarkeit, muss Dein Kind natürlich auch verstehen, was Plus- und Minus-Rechnen bedeutet. In der Fachsprache heißt das Operationsverständnis. Sollte Dir jemand mal diesen Fachbegriff um die Ohren hauen, bleib ganz entspannt. Plus, Minus, Mal und Geteilt bezeichnen Mathematiker mit dem Begriff Operationen. Und wenn man diese Operationen noch nicht so gut beherrscht, dann fehlt das Operationsverständnis – auch das ist ein Teil der Rechenschwäche.

 

Plus und Minus verstehen

Jetzt geht es erst daran, vom Zählen zum Rechnen zu kommen. Also zu verstehen, dass Plus-Rechnen nicht nur vorwärts zählen bedeutet und Minus-Zählen nicht nur rückwärts zählen.

Erst kommt die Einsicht in die Menge und ihre Zerlegbarkeit, daraus kann dann wirkliches Rechnen entstehen.

Um Plus- und Minus-Rechnen zu verstehen braucht es Zeit. Ich empfehle immer, Aufgaben verschieden darzustellen und zusätzlich, wie schon oben, Dein Kind erzählen zu lassen worum er geht.

Beispiel:

3+4 = 7

Lucy hat 3 Murmeln und Linus hat 4 Murmeln. Zusammen haben sie 7 Murmeln.

Linus hat 7 Murmeln und Lucy hat 3 Murmeln. Wie viele Murmeln musst Du Lucy geben, damit sie 7 hat?

Diese kleinen Aufgaben kann man mit Material bearbeiten. Damit Handeln und Rechnen wieder Hand in Hand gehen.

 

Aus dem Alltag

Wir sind vier Personen zum Essen. Heute kommen Oma und Opa zu Besuch. Wie viele Teller muss ich mehr auf den Tisch stellen?

Oma schenkt Dir drei Bonbons und Opa gibt Dir auch zwei. Wie viele Bonbons hast Du jetzt?

Wichtig ist, dass Dein Kind versteht. Plus-Rechnen bedeutet

  1. Zusammenfassen: Du hast 3 Stück und ich hab 3 Stück, wie viel haben wir zusammen?
  2. Auffüllen: Dein Bruder hat 7 und Du hast 4 Birnen. Wie viele Birnen muss ich Dir geben, damit Du gleich viele hast?
  3. Vergleichen: Du hast 3 Euro und Deine Schwester hat 2 Euro. Wer hat mehr? Wie viel mehr?

Versuche also immer wieder, das Rechen in den Alltag zu bringen. Rechnen ist nichts abstraktes aus dem Rechenbuch sondern eine Fähigkeit, die uns im Alltag weiterbringt.

Einfache Kochrezepte abwandeln gehört genauso dazu, wie das Rückgeld berechnen.

 

 

Da war doch noch was . . . ?

Stimmt, das Minus-Rechnen!

Auch beim Minus-Rechnen gibt es mehr Ideen als rückwärts zählen:

  1. Wegnehmen: Dein Bruder hat 4 Bonbons, Du naschst heimlich 2! Wie viele bleiben übrig?
  2. Vergleichen was weniger ist: Ich habe 3 Autos auf meiner Karte, Du nur 1. Wer hat weniger und wie viele weniger?
  3. Ergänzen: Lucy hat 3 Äpfel, wie viele muss ich ihr geben damit sie 5 hat?

Es macht sehr viel Sinn, mit diesen Konzepten zu arbeiten und Kinder immer wieder Handeln zu lassen.

 

Minus-Rechnen bildlich darstellen

Zum Schluss noch eine Anregung, wie Du das Minus-Rechnen mit Material angehen kannst, damit Deinem Kind auch klar bleibt, was zu Beginn da war.

Ich empfehle ein durchsichtiges Tuch oder eine Schüssel oder ein kleines Glas.

Für die Aufgabe 7 – 3 kannst Du zum Beispiel Büroklammern nehmen. Die Klammern, die “abgezogen” werden, kannst Du mit dem durchsichtigen Tuch abdecken. Dein Kind kann dann auf einen Blick erfassen, was abgezogen wird und was bleibt.

Oder Ihr legt die abgezogenen Büroklammern in ein kleines Glas, das direkt auf dem Tisch steht. Auch so bleibt sowohl die Ausgangsmenge als auch das Ergebnis auf den ersten Blick sichtbar.

Also kommt ins Rechnen und handelt dabei – aber nicht mechanisch, sondern mit nachdenken. Je mehr Spielcharakter das Rechentraining hat um so erfolgreicher.

Melde Dich für meine kostenfreie Materialsammlung an. Dort findest Du die Materialen für die oben genannten Spiele zum Ausdrucken. Damit Du mit Deinem Kind Spaß beim Rechnen haben kannst und es seine Rechenschwäche spielerisch überwindet.

 

 

 

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