Immer wieder höre ich von Eltern oder auch betroffenen Kindern, “wir haben schon so viele Rechtschreibübungen bearbeitet, aber es hat nichts genützt”. Dies ist zum einen ärgerlich, weil man in der Regel Zeit und Geld investiert hat. Viel tragischer ist jedoch, dass beim betroffenen Kind der Eindruck entsteht:

Das lerne ich sowieso nicht!”

“Ich bin dumm!”

“Ich kann das nicht!”

Solche Gedanken führen unweigerlich zu Frust und Demotivation. Meine erste Frage ist dann immer, welche Übungen gemacht wurden? Oft stellt sich dann Folgendes heraus: Es wurden Themen wie Groß- und Kleinschreibung, doppelte Mitlaute, Stummes -h usw. geübt, ohne den aktuellen Lernstand des Kindes zu berücksichtigen.

 

Warum helfen Rechtschreibübungen nicht?

Auf den Punkt gebracht gibt es drei Auslöser für den Misserfolg:

  1. Es wird das Falsche geübt,
  2. nicht regelmäßig genug und
  3. nicht ausdauernd genug!

Falsche Übungen

Oft werden Rechtschreibprobleme in der falschen Reihenfolge angegangen. Nähere Informationen findest Du in dem Artikel Förderdiagnostik. Die Problematik dabei ist, dass man aus Unwissenheit oft den dritten Schritt vor dem ersten gehen möchte. Beim Aufbau einer korrekten Rechtschreibung ist es wichtig, den Ablauf des Schriftspracherwerbs zu beachten. Wenn man sich unsicher ist, wo genau im Schriftspracherwerb die Schwierigkeiten des eigenen Kindes beginnen, macht es Sinn, sich Rat vom Fachmann zu holen.

 

Regelmäßiges Üben

Regelmäßiges Üben bedeutet mindestens vier- eher fünfmal pro Woche das gleiche Thema Üben. Wenn Dein Kind zum Beispiel Schwierigkeiten hat, doppelte Mitlaute richtig zu schreiben, solltest Du Dich nur diesem Thema widmen und nicht noch drei andere Rechtschreibthemen angehen. Da wir bei der Rechtschreibung viele Dinge automatisieren, d.h. diese Abläufe so abspeichern, dass sie am Ende ohne große Überlegung funktionieren, ist das häufige Training so wichtig. Dabei reicht dann eine kurze Übungsphase von 5-10 Minuten pro Tag völlig aus. Vielleicht erinnerst Du Dich noch an Deine ersten Fahrversuche in einem Schaltwagen. Die Abläufe Kupplung, Gas, Bremse, Schalthebel erforderten am Anfang eine erhöhte Konzentration und nicht selten blieb das Auto stehen, weil man den Motor abgewürgt hatte. Heute weißt Du wahrscheinlich gar nicht mehr, in welchem Gang Du Dich gerade befindest und an den Vorgang des Schaltens verschwendest Du in der Regel keinen Gedanken.

 

Ausdauerndes Üben

Häufig erlebe ich, dass Rechtschreibthemen nicht lange genug geübt werden. Schaut man sich viele Trainingsmaterialien an, kann schnell der Eindruck entstehen, dass man nach 8-10 Übungen ein Thema abgeschlossen hat. Das ist leider nicht so. Häufig braucht ein Kind 5, 6 oder gar 7 Wochen regelmäßigen Trainings, um ein einziges Thema zu automatisieren. Bei Kindern mit einer Legasthenie kann dies sogar noch länger dauern. Gerade an dieser Stelle wird häufig viel zu früh das Thema gewechselt und mit neuen Rechtschreibübungen begonnen. Häufig fällt es uns geübten Rechtschreibern schwer die nötige Geduld aufzubringen, da wir selber ja das Thema bereits beherrschen und es auch täglich richtig anwenden. Daher ist besonders von uns Erwachsenen an dieser Stelle sehr viel Ausdauer gefordert.

In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinem Kind viel Erfolg bei den Rechtschreibübungen.

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