Die Artikel zum Thema Schulstress und Burn-Out im Kinderzimmer häufen sich. Bereits Grundschüler entwickeln psychosomatische Beschwerden und haben keine Zeit zu spielen. Mir kommt es im Moment so vor, dass wir die Bedürfnisse unserer Kinder aus den Augen verlieren, indem in den Kultusministerien Lehrpläne und Stundentafeln erstellt werden, die teilweise einem Erwachsenen zu viel würden. Alles immer unter dem Aspekt der Konkurrenzfähigkeit und des Wachstums. Man spricht auch von Humankapital.

 

Schulstress hat Langzeitfolgen!

Ein schreckliches Wort. Wir reden von Kindern. Kinder, die erst einmal Zeit brauchen sich zu erproben und ihre Interessen zu finden. Kinder, die Zeit brauchen Fehler zu machen, Dinge wieder und wieder zu probieren, bis es klappt. Fehler sind wichtig um zu lernen. In der Schule sind Fehler schlecht, weil man dafür eine schlechte Bewertung bekommt. In der Schule zählt nicht der Weg und die Anstrengung, sondern nur das Ergebnis. Das führt dazu, dass viele Kinder schon auf die Zukunft hinarbeiten. Die nächsten Ferien, das Medizinstudium nach dem Abitur, die Belohnung für eine gute Note etc.

Laura Seiler beschreibt in Ihrer Podcastfolge “Die wahren Ursachen für Stress und Druck” sehr eindrucksvoll, wie sie es erst als erfolgreiche erwachsene Frau schafft, sich von dieser Erfahrung zu lösen. Das ist ein beeindruckender Bericht, der zeigt, wie lange Schulstress und Versagensängste nachwirken und dass man die Folgen heilen kann. Ich würde mir jedoch wünschen, dass wir unseren Kindern diese Erfahrungen ersparen. Sie sind weder hilfreich für die Eltern-Kind-Beziehung noch fördern sie eine gesunde Entwicklung und schon gar nicht das Selbstwertgefühl unserer Kinder.

 

Im Hier und Jetzt!

Wer sich schon einmal mit autogenem Training, Yoga oder Meditation beschäftigt hat, der weiß, dass wir dabei immer üben im Hier und Jetzt zu sein. Die meisten von uns wissen auch wie schwierig das ist. Wir leben nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft. Wir planen und sind mit den Gedanken bereits beim nächsten Projekt. Kinder sind von Natur aus anders, wenn wir sie lassen. Ich kann mich gut erinnern, dass mich das nachmittägliche Spiel mit Freunden völlig gefesselt hat, ohne Gedanken an die Schule, den Übertritt oder meinen zukünftigen Job.

Heute höre ich schon 9-10jährige, die sich auf dem Spielplatz über Übertrittszeugnisse unterhalten oder über Freunde, die gar nicht erst zum Spielen kommen, da sie in der vierten Klasse viel lernen müssen, um eine bestimmte weiterführende Schule zu erreichen. Wie soll ein Kind bei so viel Bewertungen lernen, dass es gut ist, wie es ist? Wenn Kinder bereits anfangen sich über ihre Leistungen zu definieren, dann stimmt etwas ganz und gar nicht. Ich glaube das Beste, das wir unseren Kindern mitgeben können, ist eine sorgenfreie Kindheit, die Raum bietet sich auszuprobieren und zu entdecken, wo die eigenen Neigungen und Stärken liegen.

Ich weiß, dass das im Rahmen unseres Schulsystems schwierig sein kann. Aber gerade bei Kindern, die mit dem Lesen Probleme haben, erlebe ich immer wieder, dass es besser wird, sobald der Notendruck weg ist. Aber hör auf Deinen Bauch: Ein fröhliches Kind ist wichtiger, als eine ordentliche Hausaufgabe. Gib Deinem Kind Raum und genieße die Zeit, die Du mit Deinem Kind hast. Ein altes Sprichwort sagt:

Wenn Du morgen in den Erinnerungen Deines Kindes sein willst, musst Du heute an seinem Leben teilnehmen!

 

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