Zehnerübergang üben kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Wir nutzen dazu sehr oft die Zahlzerlegung. Zahzerlegungen sind eine gute Sache, aber sie brauchen verdammt viel Platz im Arbeitsgedächtnis.

Das Arbeitsgedächtnis ist der Teil unseres Gehirns, der dem Arbeitsspeicher beim Computer entspricht. Nur können wir ihn nicht durch Steckkarten erweitern. Er ist genetisch bedingt und relativ unveränderbar. Das Arbeitsgedächtnis ist auch der Flaschenhals beim Lernen. Haben wir dort einen Stau, geht nichts mehr rein oder raus.

Das Arbeitsgedächtnis überlisten

Wir können es aber ein wenig überlisten. G. Miller, Professor für Psychologie an der Uni Princeton, hat bereits in den 50er Jahren zum Arbeitsgedächtnis geforscht. Auf ihn geht das Chunking zurück. Chungking heißt nichts anderes als Bündeln. Ein Chunk ist ein Bündel.

Wie das geht? Das Arbeitsgedächtnis kann sich zwar nur zwischen 5 und 9 Dingen gleichzeitig merken, aber haben wir aus den Einzelteilen ein Bündel oder Chunk gemacht, dann belegt dieses Bündel nur einen Platz im Arbeitsgedächtnis.

Beispiel: Das Wort Post ist ein Wort und somit ein Bündel. Die Buchstaben p t s o einzeln zu behalten, würde uns vier Plätze kosten.

Noch besser ist es mit Telefonnummern  497361975 kannst Du Dir nicht gut merken. 497  361 975 geht schon besser.

Zehnerübergang üben mit Zahlenchunks und Auffüllen

Nun zeige ich Dir, wie Du das für den Zehnerübergang bzw. die Zahlzerlegung nutzen kannst. Viele Mathebücher und Lehrer haben da schon gute Ansätze, nur zu wenig Zeit. Außerdem wird häufig zweidimensional geübt. Da Rechnen aber viel mit Abstraktion zu tun hat, muss es erstmal begriffen werden, bevor ich es abstrakt mache.

Zahlenchunks sind zum Beispiel die Zerlegung: 9 in 6 und 3

Ast-Bilder

Wir finden so etwas in Zahlenhäusern und auch mit Plättchen und Feldern zum Ausmalen. Auch sind Ast-Bilder eine beliebte Art, so einen Zusammenhang herzustellen.

Das sind Schritte in die richtige Richtung, aber das reicht meist nicht aus, damit sich so ein Chunk oder Bündel verfestigt.

Supergut eignen sich hierzu zweifarbige Wendeplättchen. Die kann man selber basteln, indem man rote und blaue Pappkreise aufeinander klebt – oder etwas bequemer: kaufen. Ich verlinke hier mal Plättchen bei Amazon *es gibt sie aber auch bei Betz und Co.

Üben wir nun wieder z.B. die Zerlegung der 9, kommen neun Plättchen in einen Würfelbecher. Es wird gewürfelt und dann wird gezählt. Wie viele blaue und rote Plättchen liegen auf dem Tisch? Mit dieser Übung können Kinder gut lernen, dass Mengen in unterschiedliche Teile zerlegt werden können.

Vorsicht! Stolperfalle!

Nun ist es an uns darauf zu achten, dass daraus kein mechanisches Würfeln und Abarbeiten wird. Wir müssen mit dem Kind darüber reden, was es tut. Wir sollten es uns immer wieder erklären lassen! Kein Gewinn bringt diese Übung, wenn das Kind würfelt, die roten und die blauen Plättchen zählt und dann ohne Verständnis wieder würfelt.

 

Zehnerübergang üben mit Chunk

Was habe ich nun davon? Wir können besser Neues lernen und auch Vorhandenes nutzen, wenn wir unser Wissen vernetzen. Auch Vera Birkenbihl, bekennende Querdenkerin und Lerntrainerin, nutzt dieses Wissen in ihren Lerntrainings. Wie eine Spinne, die Faden für Faden ihr Netzt spinnt, ist es unser Job, den Kids zu helfen, Information für Information zu einem Netz von abrufbarem Wissen zusammen zu fügen.

Aus dem Zahlen Chunk 7 5 2 lassen sich 4 Aufgaben ableiten.

2+5, 5+2, 7-5 und 7-2, das nennt man dann arithmetisches Faktenwissen. Aber wie gesagt, zunächst muss dieser Chunk erfahren, begriffen und verinnerlicht werden, bevor ich den Nutzen kaputt mache, indem ich zu früh anfange, die Zerlegung in Rechenaufgaben zu verpacken. Ein Schritt nach dem anderen.

Zehnerübergang üben mit Geduld

Da ist der Knackpunkt. In Schule, im Training oder zu Hause wird das ein wenig geübt und dann zack geht es wieder zum Zehnerübergang. In der Hoffnung, dass das nun schon sitzt.

Tut’s aber nicht. Es kann schon mal ein paar Wochen dauern, bis sich solche Bündel gefestigt haben.

Auffüllen

Ist das Kind nun fit darin, die Zahlen zu zerlegen und hat es die Zerlegung begriffen und verstanden, geht’s ans Auffüllen zum Zehner. Dann erst steht Zehnerübergang üben auf dem Programm.

Hier kannst Du Streichholzschachteln nutzen.

Nehmen wir die Aufgabe 8 + 7. Ich nehme gerne weiße Bohnen und Streichholzschachteln. Jede Schachtel steht für einen Zehner. Lege ich nun die 8 Bohnen in die Schachtel, fehlen noch zwei Bohnen um die Schachtel (den Zehner) voll zu machen. Sitzt die Zerlegung, muss das Arbeitsgedächtnis nun nicht mit mühsamem Zerlegen belastet werden. Ein Bündel für die 7 ist 2 und 5. Die Zwei wandern in die Schachtel, der Zehner ist voll. Fünf Einer bleiben übrig. Und die 15 als Ergebnis kann gut erkannt werden.

Das größte Hindernis

Viele Kinder schaffen es nicht, sicheres Faktenwissen aufzubauen. Einer der größten Feinde ist zu wenig Zeit. Immer wieder erlebte ich, dass betroffene Kinder am Lehrplan lernen sollen. Ich sag das jetzt mal etwas flapsig:

“Das kannste vergessen!”

Das funktioniert einfach nicht. Erst wenn die Vorarbeit stimmt und der Boden bearbeitet ist, kann die Saat aufgehen und wachsen. Also bitte geben wir den Kindern die Zeit, die sie brauchen. Das bringt klare Vorteile für alle:

  • Weniger Stress für Eltern und Kinder.
  • Mehr Selbstbewusstsein und ein positives Selbstbild für’s Kind.
  • Die Chance trotz Dyskalkulie ein belastbares Wissen im Zahlenraum aufzubauen.

Mehr zum Zehnerübergang findest Du in diesem Artikel.

Du bist Nachhilfelehrer, Logopäde, Ergotherapeut, Lerntrainer oder Lerntherapeut? Dann findest Du hier weitere Infos zum Dyskalkuliertraining.