Ich habe in den letzten Jahren viele Bücher zum Thema Lernen und Lernstrategien gelesen. Viele Dinge hören sich gut an – in der Theorie. Die Praxis sieht dann häufig anders aus. Gerade zu Beginn der weiterführenden Schule werden häufig Lernstrategien thematisiert und auch gelehrt. Trotzdem gelingt es vielen Kindern nicht, sie anzuwenden und in den Alltag zu integrieren. Woran liegt das?

 

Alte Gewohnheiten aufgeben

Wir wissen alle wie schwierig es ist, alte Gewohnheiten aufzugeben. Den meisten Menschen ist bewusst, dass regelmäßig Sport treiben wichtig ist. Trotzdem schaffen wir es häufig nicht, die geplanten Bewegungseinheiten regelmäßig umzusetzen. Auch wenn wir unsere Ernährung umstellen wollen, klappt dies in der Regel nicht problemlos und ohne Rückschläge. Mit dem Lernen ist es nicht anders. Wenn Kinder ihre Lerngewohnheiten verändern sollen, blocken sie häufig erst einmal ab. Die Veränderung bedeutet ja zunächst einmal mehr Arbeit und die Aufgabe von lieben Gewohnheiten. Ob das ganze Erfolg bringt, weiß man ja im voraus nicht.

 

Hilfreiche Lernstrategien

Die wichtigsten Lerntipps sind eigentlich selbstverständlich, kommen nach meiner Erfahrung jedoch kaum zum Einsatz – die Nachbereitung einer Unterrichtsstunde. In der Regel gehen Kinder in die Schule und wenn es gut läuft, erledigen sie die Hausaufgaben selbstständig. Nach meiner Erfahrung ist es wichtig, dass Schüler sich am Nachmittag die Inhalte der Schulstunden noch einmal vergegenwärtigen. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Was war heute Thema der Stunde xy?
  • Welche Arbeitsblätter bzw. Buchseiten haben wir bearbeitet?
  • Habe ich alles verstanden oder gibt es Fragen?
  • Kann ich diese Fragen am Nachmittag klären oder muss ich mich am nächsten Tag in der Schule darum kümmern?
  • Welche Hausaufgaben fallen für diese Stunde an?
  • Kann ich auch die Hausaufgaben ohne Hilfe erledigen oder gibt es hier Verständnisfragen?
  • Gibt es Sonstiges zu dieser Stunde zu erledigen?

Wenn alle diese Fragen beantwortet werden, kann in der Regel nichts schief gehen. Und Dein Kind wird den Anschluss nicht verpassen. Leider ist vielen Kindern solch ein Arbeiten fremd. Wenn eine Wissensüberprüfung ansteht, wird darauf gelernt. Meistens werden dann im Hauruckverfahren möglichst viele Inhalte in möglichst kurzer Zeit bearbeitet. Leider hält diese Lernweise in der Regel höchstens bis zur nächsten Klassenarbeit.

 

Lernstrategien einführen

Ein optimaler Zeitpunkt Lernstrategien einzuführen, ist in der Regel der Beginn der weiterführenden Schule. Es ist aber auch zu jedem anderen Zeitpunkt möglich. Ein wenig Konsequenz und viel Geduld wird es Dich jedoch kosten. Wichtig ist, dass Dein Kind sich das geplante Vorgehen bewusst macht. Das geht einfach, indem es sich notiert, was es täglich an Nachbereitung zu tun hat. Dies kann in Form eines Heftes oder auch auf dem PC oder Smartphone erfolgen. Es wird aber nur gelingen, wenn diese Nachbereitung zur täglichen Routine wird. Meine Erfahrung zeigt, dass die Dokumentation dieser Tätigkeit ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Durch die konsequente Anwendung wird dieses Vorgehen zur Routine. Und Routinen führen wir in der Regel automatisch aus. Daher solltest Du dieses Verfahren mindesten 6 Monate lang täglich kontrollieren und bei Problemen auch noch unterstützen. Nach dieser Zeit sollte es reichen, einmal in der Woche mit Deinem Kind die Nachbereitungen zu besprechen.

Falls Du nicht so recht weißt, wie eine Unterrichtsnachbereitung aussehen kann, habe ich eine Beispielseite erstellt. Diese kannst Du unter p.rodenberg@lern-ort.de anfordern.