Grenzen setzen scheint in der Pädagogik all gegenwärtig zu sein:

  • Wir müssen Kindern Grenzen setzen!
  • Kinder müssen lernen sich anzupassen!
  • Kinder brauchen Grenzen!

Diese Sätze können wir überall nachlesen. Haben sie Dir bis jetzt weitergeholfen? Oder werden die Grenzen zum Machtkampf, der fröhliche Familienzeit immer weniger werden lässt?

Dann solltest Du schleunigst etwas ändern. Familienleben kann zwar anstrengend sein, aber es sollte fröhlich sein. Familie muss ein Ort sein, an dem sich alle, die dazu gehören wohlfühlen.

Schauen wir uns die ach so wichtigen Grenzen einmal genauer an. Was meinen wir denn mit diesen Grenzen? Wenn in den Erziehungsratgebern von Grenzen gesprochen wird, sind in Regeln gemeint.

Regeln, die wir festlegen und auf deren Einhaltung wir bestehen sollen/müssen. Wenn die Regeln nicht eingehalten, dann müssen wir Konsequenzen einleiten. Diese Konsequenzen, früher hießen sie Strafen, müssen wir dann durchsetzen.

Hilft das? Macht das fröhlich? Fördert es Vertrauen, Beziehung und Nähe zwischen Eltern und Kindern? Ich sage nein!

Spätestens an dieser Stelle wird mir immer unterstellt ich seie ein Verfechter, der antiautoritären Erziehung. Dabei geht es nicht darum irgendetwas zu sein oder sich einer Methode anzupassen. Es geht darum ein Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern zu ermöglichen, dass von gegenseitigem Respekt vor geprägt ist und nicht auf der Durchsetzung von Macht beruht.

Ich habe Dir hier einige Tipps zusammengestellt, die  sowohl im Familienalltag als auch in der täglichen Lernroutine vieles entzerren können.

 

Tipp Nr. 1: Grenzen haben statt Grenzen setzen

Sehe ich da gerade ein Fragezeichen in Deinen Augen? Schön, dann lösen wir das jetzt auf. Jeder Mensch hat Grenzen und die dürfen nicht verletzt werden. Das gilt für große wie für kleine Menschen. Grenzen haben und Grenzen setzen, sind aber zwei völlig unterschiedliche Dinge. Bevor ich jetzt zu großen theoretischen Abhandlungen aushole, erkläre ich es jetzt Dir an zwei Beispielen.

Grenzen setzen = Regeln aufstellen

Wenn ich morgens gerne in ein aufgeräumtes Bad komme, kann ich die Regel aufstellen, dass das Badezimmer immer aufgeräumt zu verlassen ist.  Ob diese in den Augen der Kinder willkürlich aufgestellt Regel eingehalten wird, ist zumindest fraglich.

Zunächst muss ich die Kriterien erklären, wann für mich das Badezimmer aufgeräumt ist. Dabei reden wir uns gerne mal in Rage und sagen dann etwas in der Art der folgenden Sätze. “Nie räumst du auf!”, “Immer liegen die nassen Handtücher auf dem Boden!” usw.

Dann folgen Schuldzuweisungen und man erinnert sich noch an die nicht weggeräumten Schuhe oder den schrecklichen Zustand des Kinderzimmers.

Nachdem ich die Kriterien für ein aufgeräumtes Bad verkündet habe, muss ich ankündigen, welche Konsequenzen ein unaufgeräumtes Bad in Zukunft haben wird. Denn irgendwie muss ich ja reagieren, wenn keiner meiner Aufforderung folgt.

Dann muss ich diese Konsequenzen aber auch durchsetzen. Ich bin dann in einer  “Wenn … dann”-Spirale gefangen.

Inkonsequenz

Es gibt Tage, da stört es mich gar nicht, wenn einige meiner Badezimmerregeln nicht eingehalten werden und ich sage nichts. Ich bin dann inkonsequent. Irgendwann platzt mir dann der Kragen und ich werde laut. Schon wieder inkonsequent. Am Ende wird das aufgeräumte Badezimmer zum Schauplatz eines Machtkampfes. Unerfreulich und sinnlos!

Grenzen haben

Jetzt schauen wir uns das Szenario mal aus einer anderen Perspektive an! Grenzen haben statt Grenzen setzen!

Du verkündest Deinen Kindern: “Liebe Kinder, ich fühle mich in einem Badezimmer mit nassen Handtüchern auf dem Boden, leeren Flaschen in der Dusche und leeren Toilettenrollen auf dem Fußboden schlicht unwohl. Ich brauche  morgens vor der Arbeit 15 Minuten im Bad. Wenn ich dabei aber über …  stolpere, ärgere ich mich und ich starte schon mies gelaunt in den Tag. Wie können wir das Thema lösen?”

Du siehst den Unterschied. Du hast keine willkürliche Grenze gezogen, sondern bist ganz bei Dir geblieben.

 

Tipp Nr.2: Nimm Deine Grenzen wahr und akzeptieren die Grenzen Deiner Kinder

Schon wieder ein Fragezeichen? Aber es stimmt. Auch Kinder haben Grenzen. Es gibt Dinge, die sie nicht wollen. Dinge, die ihr persönliches Empfinden verletzen. Bleiben wir aber zunächst mal bei Dir. Kennst Du Deine Grenzen? Was stört Dich wirklich im Umgang mit den Kids? Also ich meine nicht eine Regel, die irgendwann mal aufgestellt wurde und dann um der Regel willen lebt. Es geht mir um Dinge, die Dich im Zusammenleben echt nerven. Jeder Mensch ist da anders und als Mutter eines Krabbelkindes wird man seine eigenen Grenzen viel weiter strecken, als mit einem Schulkind oder einem Teenager.

Beispiel

Nehmen wir  nochmal das Thema Ordnung. Ordnung im Kinderzimmer und in den Schulsachen ist ein in vielen Familien ein Dauerbrenner.

Dein Kind empfindet sein Zimmer  als sein Refugium und Du überschreitest seine persönliche Grenze, wenn Du dort Deine persönliche Ordnung mit DeinenRegeln durchsetzen willst.

Ja, aber man muss doch aufräumen! Muss man? Wer sagt das denn?

Nun könnte aber eine Deiner persönlichen Grenzen durchaus im Kinderzimmer liegen.

Meine Grenzen werden immer dann überschritten, wenn sich dort Dinge befinden, die kurz davor sind, wieder lebendig zu werden. Das wiederum können meine Kinder akzeptieren und es gelingt ihnen meistens, Essensreste vor diesem Stadium zu entsorgen.

Beispiel zwei

Eine meiner Grenzen lag vor einigen Jahren im Sammeln dreckiger Wäsche im Kinderzimmer. Mich störte einfach, dass ich in unregelmäßigen Abständen mit Bergen dreckiger Wäsche überschüttet wurde. Ich habe dann überlegt, wie gehe ich damit um, da ich ja keine Regel aufstellen wollte.

Meine Lösung sah wie folgt aus. Ich machte die Ansage, dass ich Wäscheberge ab sofort nicht mehr weiterbearbeite. Die Lösung der Kinder sah dann etwas anders aus als ich erwartet hatte. Sie lernten die Waschmaschine und das Bügeleisen bedienen und horteten die Wäsche weiter so lange bis sie dringend etwas Sauberes brauchten. Meine Grenze wurde damit respektiert, die meiner Kinder auch.

Also setz Dich  hin und überlege wo Deine Grenzen sind und tun diese auch kund. Und schaue im Gegenzug mal auf die Grenzen Deiner Kinder. Kann das funktionieren. Was tue ich denn ohne Konsequenzen, fragen Eltern mich oft!

Tipp Nr. 3  Konflikte gemeinsam lösen

Konflikte sollten in Familien und anderen Gemeinschaften immer so gelöst werden, dass die Grenzen aller Beteiligten Berücksichtigung finden und keiner das Gefühl hat, Verlierer zu sein. Das klingt jetzt ganz schön anstrengend – ist es aber gar nicht. Natürlich gibst Du dabei ein Stückchen Macht ab und das ist für Eltern nicht immer ganz einfach. Aber es lohnt sich. Es gibt 3 mögliche Konfliktarten

Konflikt Nr. 1

Dein Kind verletzt Deine persönliche Grenze. Du äußerst das verbunden mit der Bitte etwas zu ändern. Das Kind akzeptiert das. Das ist nach meiner Erfahrung gar nicht so selten, wenn Du wirklich Dein persönliche Grenzen klargemacht hast.Das Kind kommt Deiner Bitte nicht nach. Dann entsteht an dieser Stelle ein Konflikt.

Konflikt Nr. 2

Das Kind hat das Gefühl, seine persönlichen Grenzen werden verletzt. Es äußert dies. Auch hier kannst Du seiner Bitte nachkommen, dann gibt es keinen Konflikt oder Du kommst seiner Bitte nicht nach. Auch dann muss eine Lösung gefunden werden.

Konflikt Nr. 3

Deine Grenzen und die Deines Kindes überschneiden sich…

Konfliftlösung

Setze Dich mit dem Kind oder allen anderen betroffenen Parteien zusammen. Formuliert den Konflikt. Versucht das Problem  in einem Satz verständlich zu formulieren. Dann sammelt Ihr Lösungsvorschläge. Aber bitte alle sammeln. Egal wie utopisch die Vorschläge sind. Ich finde, dass das am Besten mit Post-it’s geht. Aufschreiben und für alle sichtbar aufhängen.An dieser Stelle wird  kein Vorschlag abgelehnt oder bewertet. . Wenn keinem mehr etwas einfällt, besprecht Ihr die Vorschläge. Welche Vorschläge sind machbar, welche nicht? Also beim Aufräumen wäre der Vorschlag, täglich eine Reinigungskraft kommen zu lassen, wahrscheinlich nicht machbar, weil es das Budget nicht hergibt.

Es bleiben sicher einige Vorschläge übrig, die grundsätzlich möglich sind. Nun geht Ihr diese Vorschläge nochmal durch und schaut, ob es einen gibt, der die Zustimmung aller Parteien findet. Dann habt Ihr eine Lösung. Macht  keine faulen Kompromisse. Sollte sich kein Vorschlag finden, dem alle zustimmen, sucht weiter. Es gibt immer eine Lösung. Und sei Dir sicher, eine so gefundene Lösung hat gute Chancen, von der ganzen Familie mitgetragen und umgesetzt zu werden.

Und wenn mein Kind etwas Gefährliches tun will – was dann? Muss ich dann nicht Grenzen setzen? Diskutiere ich das dann auch? Dazu möchte ich Dir einen wunderbaren Artikel empfehlen von Aida Rodriguez, die den Blog Elternmorphose betreibt.

 

Familie auf Augenhöhe

Dieses Vorgehen kann durchaus Zeit kosten.  Es kostet mehr Zeit als Grenzen setzen. Auch bringt diese Art von Leben auf Augenhöhe mit sich, dass wir an vielen Stellen unsere Einstellungen und Erfahrungen, die wir gemacht haben, überdenken müssen. Es ist ein Prozess. Ein Prozess in dem wir nicht immer alles richtig machen. Aber darauf kommt es finde ich auch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass wir uns auf den Weg machen und zu unseren Fehlern stehen, wenn wir welche machen.

Auch zum Thema Lernen und Schule wissen wir heute, dass Kinder aus Neugierde und Freude deutlich besser lernen als durch Regeln, Zwang und Noten. Ich möchte Dich einfach ermutigen, neue Wege zu gehen. Eine neue Haltung einzunehmen. Denn wie schon Maria Montessori sagte:

Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen.

Geben wir ihnen Antworten und keine Regeln mit auf den Weg.

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