Emotionen, Kinder & Lernen – Aha Momente aus meiner Praxis

Emotionen Kinder

Gerade habe ich mich über einen Artikel in der Zeitung geärgert. Das passiert mir so gelegentlich. Und statt an diesem Blogpost Emotionen, Kinder & Lernen für Dich zu schreiben, hat der Ärger die Führung übernommen und jede Menge Platz im meinem Arbeitsspeicher (Gehirn 🧠) eingenommen. 

Bis ich’s gemerkt hab und mich da wieder rausholen konnte, waren mal ruckzuck 15 Minuten vorbei.

Emotionen und Gefühle prägen unseren Blick auf die Welt und beeinflussen unser Verhalten.

Emotionen, Kinder und Lernen – dieser Zusammenhang wird noch zu oft vernachlässigt. Dabei steckt in dem Thema ein Riesenpotenzial den Kids zu helfen, Lehrern & Erziehern echte Handlungsalternativen zu geben und die Eltern zu entlasten.

Aufmerksamkeit, Motivation, Gedächtnis und Lernverhalten werden von Gefühlen und Emotionen beeinflusst. Das Lernergebnis hängt ganz krass mit ihnen zusammen.

Darüber wissen die meisten Pädagogen, Eltern und Therapeuten aber noch viel zu wenig. Für mich waren das ein paar echter AHA Momente in der Arbeit mit den Kids.  

 

Welche Emotionen beeinflussen das Lernen?

Emotionen werden eingeteilt in positive Emotionen und negative Emotionen. Zu den positiven Emotionen zählen:

  • Freude
  • Hoffnung
  • Stolz
  • Entspannung
  • Erleichterung
 

Zu den negativen Emotionen zählen:

  • Ärger
  • Angst
  • Scham
  • Langeweile
  • Hoffnungslosigkeit

Kleiner Exkurs - was sind Emotionen ?

Biologisch gesehen sind Emotionen komplexe Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben. Aber natürlich sind Emotionen auch individuell. Auch wenn die Verhaltensmuster in uns angelegt sind, entwickeln sie sich natürlich bei jedem Menschen anders. Denn unsere Erfahrungen fließen in diese Verhaltensmuster ein. 

Oft laufen diese Verhaltensmuster unbewusst ab und es geht einem so wie mir mit meinem Ärger. Es ist für eine zeitlang kein Platz für etwas anderes. Daher ist es zunächst mal wichtig, dass wir Emotionen erkennen.

Emotionen erkennen

Emotionen erkennen und mit ihnen umgehen, fällt schon vielen Erwachsenen schwer. Gerade im Lernumfeld. Lange Jahre hatten ja Emotionen beim Lernen nichts zu suchen.

Auch Eltern sind sich nicht immer ihrer eigenen Emotionen bewusst. Manchmal fragt man sich als Elternteil auch, darf man seine Emotionen und Gefühle ungefiltert zeigen? 

Der Volksmund hat für beides ein Sprichwort:

  • Das Herz auf der Zunge tragen.
  • Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.
 
Für Kinder ist es wichtig, dass sie uns Erwachsene authentisch erleben. Wir dürfen uns freuen, entspannt sein, ärgern und auch mal sauer sein. Natürlich in einem Maße, bei dem wir niemanden verletzen – auch nicht verbal.
Wie wir Kindern am besten helfen, ihr Emotionen zu erkennen?

Das ist gar nicht so schwer, braucht aber etwas Übung.

Dazu eignet sich ein Tool aus dem Aktiv Zuhören sehr gut. Das Spiegeln!

Sag dem Kind einfach mal, welches Gefühl Du zu merken oder zu spüren glaubst. 

Beispiel: Der berühmte Satz beim Autofahren: „Wann sind wir daaaa?“ 

Da könntest Du fragen: „Du langweilst Dich.“ oder: „Du bist schon ganz aufgeregt, freust Dich ganz doll.“ oder  „Du machst Dir Sorgen, dass…“ , „Du befürchtest, dass …“.

Das war ein kurzer Ausflug in die Welt der Emotionen. Schauen wir nun mal auf meine AHA-Momente im Dreiklang Emotionen, Kinder & Lernen.

 

Auswirkungen von Emotionen aufs Lernen

Emotionen wirken auf Aufmerksamkeit, Motivation, Gedächtnisprozesse und Lernstrategien. Wenn Du das fürs Leben und Arbeiten mit Kindern nutzen willst, musst Du Dir anschauen was in den Situationen passiert.

Emotionen und Aufmerksamkeit

Wer kennt ihn nicht den berühmten Satz:

Konzentrier Dich doch mal! 

Zum Lernen brauchen wir unser Arbeitsgedächtnis. Das Arbeitsgedächtnis ist der Teil des Gehirns, in dem wir Informationen verarbeiten. Das Arbeitsgedächtnis kann zwischen 5-7 Informationen speichern. Dort werden z.B. Rechenaufgaben verarbeitet und aus Buchstaben werden Wörter und Sätze.

Beim Lernen ist das Arbeitsgedächtnis wie ein Flaschenhals. Denn wir können es nicht erweitern. Steckst Du nun einen Kaugummi in so einen Flaschenhals,  wird er noch enger. 

Emotionen können so ein Kaugummi sein.

Emotionen brauchen ein Stückchen Platz in unserem Arbeitsgedächtnis und verstopfen so einen Teil von unserem Flaschenhals, wie das Kaugummi in unserem Beispiel.

Ganz verrücktes Beispiel: Einem Kind wird eine Belohnung für eine gute Klassenarbeit versprochen. Während der Klassenarbeit ist vielleicht ein Teil der Gedanken bei der Belohnung und zack, passiert  doch noch der ein oder andere Flüchtigkeitsfehler. 

Alle Emotionen, die sich nicht auf den Lernstoff beziehen, nehmen dem Lernen Platz weg.

Anders ist es, wenn sich die Emotionen auf Arbeit oder Lernen beziehen. Wenn ich mich freue, endlich ein Buch lesen zu dürfen, dann sind Handlung und Emotion im Einklang. Es kann Flow entstehen.

Daraus folgt – gestalte ich den Lernprozess und das Thema so, dass er das Kind erreicht und mitnimmt, dann ist auch die Aufmerksamkeit höher. Das geht auch bei trockenen Themen. Lernwörter können in ein Quartettspiel gepackt werden. Und aus dem Lernen der Bundesländer mit den Hauptstädten kann ich eine Reise durch Deutschland planen. Möchte ich neue Lerninhalte vermitteln, muss ich die Neugierde zu wecken. Warum ist denn 5 x 8 = 40? Wer hat die Null erfunden? Was wäre die Mathematik ohne Null? Warum funktionieren Umkehraufgaben? An dieser Stelle hängt ganz viel von Deiner eigenen Begeisterung ab. Je begeisterter Du bist, umso mehr wirst Du Deine Begeisterung rüberbringen.

Wenn Du mal unter diesem Gesichtspunkt auf ein Lernthema schaust, dann merkst Du schnell, warum Noten der Aufmerksamkeit eher abträglich sind. Sie gehören nicht zum Lerngegenstand, können aber viel Platz im Gehirn belegen. 

Tipp Nr. 1:  Emotionen für den Lerninhalt wecken. Neugierig auf ein Thema machen.

 

Emotionen und Motivation

Emotionen beeinflussen auch die Motivation. Motivation kann von außen und innen kommen. Freude, Hoffnung oder Stolz auf die eigene Leistung beflügeln die innere Motivation, während Angst, Hoffnungslosigkeit und Langeweile sie lähmen.

Für die äußere Motivation sind die positiven Emotionen natürlich auch gut. Angst kann die äußere Motivation steigern, wenn sie nicht zu groß ist.

Gesunder Respekt vor einer Prüfung, kann mich natürlich motivieren nochmal Gas zu geben. Bei Kindern, die ganz schlecht zu motivieren sind, herrscht oft eine ganz andere Emotionen vor.

Aha-Momente zur Motivation

Langweile und Hoffnungslosigkeit sind Gift für die Motivation. Sie können ganze Lernkarrieren zerstören. Langeweile kann viele Ursachen haben – Unterforderung oder auch Überforderung. Hier kann Binnendifferenzierung helfen. Natürlich gibt’s Themen, die einen Schüler langweilen sein. Bin ich aber selber von meinem Thema begeistert, kann ich die Kids mitreißen.

Noch schlimmer ist es mit der Hoffnungslosigkeit. Wenn ein Kind glaubt, das kann ich sowieso nicht, wirft es ziemlich schnell die Flinte ins Korn. Hier hilft nur eins.  Eine genaue Bestandsaufnahme damit Du weißt, wo das Kind steht und was es alles schon kann. Darauf wird dann aufgebaut, der Lernstoff in kleine Häppchen zerlegt und dann Stück für Stück mit viel positiver Rückmeldung aufgebaut.

Tipp Nr. 2: Wenn ein Kind dauerhaft nicht zu motivieren ist, mal nachschauen ob Hoffnungslosigkeit oder Langeweile, die vorherrschenden Gefühle sind.

Emotionen und Gedächtnis

Emotionen beeinflussen den Abruf von Information aus dem Gedächtnis. Da das Gedächtnis die Lernleistung beeinflusst, hier nochmal ein AHA-Moment. Bin ich positiv gestimmt und glaube, ich kann die vorliegende Aufgaben erledigen, kann ich Inhalte gut aus dem Gedächtnis abrufen. Gab’s bereits beim Lernen positive Emotionen und ich schaff es in der Prüfung, die gleichen Emotionen zu fühlen, gelingt es besser die Lerninhalte abzurufen.

Herrschen jedoch negative Emotionen vor, habe ich einen schlechteren Zugriff auf die Inhalte des Gedächtnis.

Tipp Nr. 3: Ich kann die Entstehung von Emotionen beeinflussen

Emotionen entstehen ein der Regel als Reaktionen auf unsere Umwelt. Wir erleben etwas, das wir einordnen und bewerten. Dabei ist es dem Gehirn völlig egal, ob ich etwas wirklich erlebe oder nur daran denke. Wenn ich immer wieder über etwas nachdenke, was mich auf die Palme bringt, schlägt meine Stimmung um und ich werde sauer. Wenn ich aber über tolle Dinge nachdenke und immer wieder Situationen durchlebe, in denen ich mich gut fühle, dann steigt die Stimmung. Kinder können dabei Geschichten, in denen sie der Held sind, weiterhelfen.

Probier die Tipps einfach mal aus. Wenn Du noch mehr Tools  möchtest, hol Dir unser Gratis-Workbook 9 Tools aus dem ganzheitlichen Kinder- & Jugendcoaching. Wie Du es bekommst?

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