Rechenschwäche erkennen – geht das? Einerseits gibt es Kinder, die lieben das Fach Mathematik. Und sie fühlen sich wohl mit Zahlen und mit allem, was zum Zahlenverständnis und zum logischen Denken gehört. Andererseits gibt es Kinder, die tun sich im Rechnen schwer. Sie müssen die Dinge öfter wiederholen und können erlernte Strategien nicht ohne Hilfe auf andere Aufgaben transferieren. Aber auch wenn es ihnen schwerfällt und sie etwas länger brauchen, gelingt es ihnen, den Schulstoff letztendlich umzusetzen und ihn halbwegs sicher anzuwenden. Das ist noch keine Rechenschwäche. Sondern das spiegelt die normale Bandbreite mathematischer Begabung wieder.

 

 

 

Dann gibt es aber auch einen kleinen Teil von Schulkindern, die kommen im Rechnen einfach nicht weiter. Die Grundrechenarten bleiben fehlerhaft, die Operationen Plus und Minus werden auch in der 2. oder 3. Klasse regelmäßig verwechselt. Mal und Geteilt sind ein Drama. Es will sich einfach keine Automatisierung und auch kein Faktenwissen einstellen, auf das diese Kinder zurückgreifen könnten. Hier muss man dem Verdacht auf eine Teilleistungsstörung im Rechnen, der Dyskalkulie, nachgehen und entsprechende Tests durchführen lassen. Dazu kannst Du Dich an eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Praxis oder an eine lerntherapeutische Praxis wenden.

 

Rechenschwäche erkennen – aber woran?

Folgende Symptome können bei einer Rechenschwäche beobachtet werden. Kinder, bei denen im Verlauf der 1. oder 2. Klasse eine Dyskalkulie festgestellt wird, haben häufig bereits im Vorschulalter Probleme mit der Zählfunktion. Diesen Kindern gelingen einfache Zählprozesse oft nur fehlerhaft.

Ein weiteres Symptom sind die bekannten Zahlendreher zwischen Zehner und Einer. Sie sind die auf die Benennung der arabischen Zahlen in der deutschen Sprache zurückzuführen. Dann wird aus 63 eben schnall mal 36.

Das Symptom, das in der Regel am schwierigsten zu verändern ist, ist der Aufbau und der Abruf von Faktenwissen im Rechenprozess. Kinder, die von einer Dyskalkulie betroffen sind, zählen häufig auch einfachste Aufgaben mit den Fingern aus. Die Aufgabe 5 +8 wird in der Regel nicht aus dem Gedächtnis abgerufen, sondern immer wieder neu ausgezählt. Beim Zählen kann es natürlich häufig zu Fehlern kommen, sodass auch die Speicherung des Ergebnisses durch verschiedene Antworten erschwert wird.

Allerdings gibt es auch Kinder, die bestimmte Rechenprozesse nicht umsetzten können. Diese Kinder sind evtl. in der Lage, einfache Plus- und Minusaufgaben zu rechnen. Doch schriftliche Rechenverfahren mit mehreren Ziffern können sie allerdings nicht lösen.

 

Hilfe bei Rechenschwäche

Leider ist die Forschung zur Dyskalkulie lange nicht soweit wie die Forschung zur Legasthenie. Auch sind die Definitionen von Rechenschwäche und Dyskalkulie nicht eindeutig. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Grundrechenarten stark betroffen sind. Höhere mathematische Fähigkeiten dagegen sind eher weniger eingeschränkt. Im Gegensatz zur Legasthenie haben nur einige wenige Bundesländer einen Nachteilsausgleich für betroffene Kinder festgelegt. Trotzdem ist es wichtig, Kinder, die unter einer Rechenschwäche leiden, zu erkennen. Und vor allen Dingen ihnen adäquat zu helfen. In der Regel wird dies nicht im Schulunterricht gelingen. Sinnvoll ist es, einen geeigneten Lerntherapeuten zu suchen, der einen individuellen Förderplan erstellt. Meist wird ein betroffenes Kind für eine gewisse Zeit einmal in der Woche gefördert. Unterstützt werden kann diese Förderung durch ausgewählte Übungen zu Hause. Zertifizierte Lerntherapeuten findest Du beim FiL, dem Fachverband integrativer Lerntherapeuten.

 

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