Richtig lernen: Verstehen, behalten und anwenden – aber wie?

“Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.” Ludwig Wittgenstein. Dies bedeutet nichts anderes als Dinge, die ich sprachlich nicht mit meinen eigenen Worten ausdrücken kann, sind für mich in der Regel auch nicht zu erfassen. Daher ist es an vielen Stellen auch nicht sinnvoll, Regeln und Wissen auswendig herunterleiern zu können. Es muss vielmehr darum gehen, diese Regeln und dieses Wissen auch anwenden zu können – eben richtig lernen.

 

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben

Kennst Du das? Du fragst Dein Kind nach einer Rechtschreibregel und es sagt die Regel fehlerfrei auf. Eine Minute später schreibt es ein Wort und wie soll es anders sein – es ist wieder falsch. Das beste Beispiel ist für mich die Groß- und Kleinschreibung. Ein Kind verkündet im Brustton der Überzeugung “Nomen schreibt man groß!” und schreibt im Anschluss das Wort “Freude” klein an die Tafel.

 

Wissen und Regeln anwenden

Woran liegt das? Regeln werden von Kindern oft auswendig gelernt und runtergeleiert, will man es salopp ausdrücken. Leider wird dabei keine Verknüpfung zur dazugehörigen Handlung hergestellt. Daher übe ich mit den Kindern die Kontrollstrategien, wie im Artikel “Du musst mehr üben” erläutert. Dies sollte man auch mit allen anderen Rechtschreibregeln üben. Kinder müssen immer eine Verknüpfung herstellen. Allerdings nicht nur in der Rechtschreibung. Jedes Wissen braucht Anwendung, wenn es nicht als Ballast empfunden werden soll.

 

Mathematisches Handeln beschreiben

Nun ist das im Bereich Rechtschreibung noch recht einfach. Und wenn es im späteren Leben mit der Rechtschreibung nicht so klappt, helfen Korrekturprogramme wie Word & Co ganz gut weiter. Viel wichtiger ist dieses sogenannte Verbalisieren jedoch noch in der Mathematik. Wenn Kinder einen Rechenweg nicht nur gedankenlos reproduzieren sollen, dann ist es von großer Bedeutung, dass sie in der Lage sind, genau zum Ausdruck zu bringen, was sie tun.

 

Verknüpfungen herstellen

Dieses Vorgehen schafft bei Kindern mit Dyskalkulie häufig den Durchbruch, wenn ich vom Rechnen durch Handeln den Sprung zu abstrakten Vorstellungen schaffen will. Wenn ein Kind immer wieder nur eine Rechenhandlung mit einem Rechenschieber oder Muggelsteinen vollzieht, aber nicht in der Lage ist zum Ausdruck zu bringen was es tut, wird es sehr schwer eine Verknüpfung herzustellen und sich dauerhaft von den Rechenmaterialien zu lösen.

 

Verbalisieren ermöglicht Verstehen

Das trifft jedoch auch für alles andere zu, das mit dem Lernen abstrakter Dinge einhergeht. Wenn wir etwas nicht sprachlich zum Ausdruck bringen können, dann können wir in unserem Gehirn sehr schwer eine Verknüpfung herstellen, was es deutlich schwerer macht, das Gelernte später wieder abzurufen. Durch das Verbalisieren kann ein Kind letztendlich zum Ausdruck bringen, dass es etwas verstanden hat.

 

Selber beschreiben

Aber Vorsicht Falle! Wir Erwachsenen neigen dazu, es den Kindern vorzubeten. Das geht dann in der Regel schneller und scheint uns effektiver, allerdings selten für den Lernerfolg des Kindes. Wenn ich mich genau beobachte, passiert es mir heute noch gelegentlich, dass die Ungeduld mit mir durchzugehen droht und ich einem meiner Schüler die Worte gern in den Mund legen würde.

 

Dauerhaft Behalten

Um einem Kind das Lernen abstrakter Dinge und das Anwenden von Regeln zu vereinfachen, sollte man darauf achten, dass das Kind in der Lage ist, das Gelernte in eigenen Worten zum Ausdruck zu bringen. Lass Dir von Deinem Kind erklären was es tut und warum es etwas tut. Dies ist der beste Weg ihm zu helfen, abstrakte Zusammenhänge zu speichern, anzuwenden und später auf das Gelernte zurückzugreifen.

 

 

 

 

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