Dass sich am Lernen und an der Schule etwas ändern muss, kann man allenthalben lesen. Die einen wollen mehr Regeln und Konsequenzen, die andern sprechen von unerzogen leben. Was brauchen Kinder, Eltern, Lehrer und Pädagogen, damit es allen gut geht? Die Frage beschäftigt mich seit langem. Immer wieder höre ich Sätze wie “Das Kind will nicht!”, “Wenn er nur wollte!” oder auch “Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit den Konsequenzen leben!” und “Unerzogen leben – geht nicht!” Ich denke, wir brauchen eine Kultur von gegenseitiger Anerkennung für die Bedürfnisse des Anderen und keine Regeln, Strafen und weitere Disziplinierungsmaßnahmen.

 

Wer zur Quelle will, der muss gegen den Strom schwimmen!

Aus dem Zen Buddhismus

 

Neue Wege gehen – z.B. unerzogen leben und lernen!

 

Ist unerzogen leben gegen den Strom?

Wer neue Wege geht, muss oft gegen den Strom schwimmen.

Genauso wie dieser Fisch komme ich mir manchmal vor. Wenn ich versuche, einen guten Weg für die Kinder in der Schule zu finden. Ich weiß, dass es mittlerweile eine immer größer werdende Gruppe von Freilernern gibt, die mit ihren Kindern komplett neue Wege geht. Auch die engagierte Ruth mit Ihrem Blog “Der Kompass” beschreitet neue Wege und füllt den Begriff “unerzogen leben” mit Bedeutung.

Ich wünsche mir auch neue Wege für die Kinder, die in der ganz normalen Regelschule sind. Ich wünsche mir, dass sich Schule verändert für unsere Kinder.

Zu diesem Thema lese ich immer sehr viel, diskutiere mit anderen Pädagogen und nehme an Fortbildungen mit, was gegen den Strom geht. Im November durfte ich den großartigen Arno Stern, Gründer der Malorte, und seinen Sohn André in Mauerbach bei Wien erleben. Im Januar habe ich an der Weiterbildung “Das wird Schule machen!” teilgenommen. Auch da ging es um einen anderen Umgang miteinander.

 

Wessen Bedürfnisse sind wichtiger?

Im Rahmen meiner Recherchen bin ich neulich auf einem Blog auf das Wort Adultismus gestoßen. Ich musste erst einmal nachdenken, um was es hier gehen könnte. Abgeleitet von Wörtern wie Rassismus und Feminismus ging es darum, dass die Erwachsenen die Deutungshoheit übernehmen und im Zweifelsfall ihren Bedürfnissen mehr Wert beimessen, als denen der Kinder. Zuerst dachte ich mhh…, aber wenn wir es genau betrachten stimmt das. Egal ob Schule, Kindergarten oder Familie, die Erwachsenen haben in den meisten Fällen das letzte Wort und ihre Bedürfnisse stehen über denen des Kindes. Da sind wir uns dann auch nicht zu schade dem Kind einzureden es sei falsch, wenn es nicht auf unseren Kurs einschwenken will. Wir arbeiten mit Schuldzuweisungen und Sätzen wie “Du solltest Dich was schämen!” Dabei sind Schuld und Scham Gefühle, die weder dem Lernklima zuträglich sind noch sonst in Beziehungen ein Rolle spielen sollten.

 

Augenhöhe, Respekt?

 

Unerzogen leben - miteinander lachen!

In einem solchen Klima können Lernfreude und Selbstgefühl gedeihen.

Ist es wirklich verkehrt, wenn wir unseren Kindern zugestehen selber zu wissen was gut für sie ist?  Zu entscheiden, ob sie hungrig, müde oder durstig sind? Ist es falsch, Kinder mit dem gleichen Respekt zu behandeln, mit dem wir auch behandelt werden wollen? Ich denke nein!  Leider tun wir es immer wieder und in den meisten Fällen ist es uns nicht einmal bewusst. Es gibt dazu ein erschreckendes Beispiel von Marshall Rosenberg, dem Begründer der gewaltfreien Kommunikation.

 

 

 

 

 

” Zwei Gruppen von Menschen werden mit einer Beschwerde konfrontiert. Die eine Gruppe denkt, die Beschwerde kommt von einem Nachbarn, die andere Gruppe denkt, die Beschwerde komme von ihren Kindern. Die Reaktionen, der Elterngruppe sind deutlich respektloser, als die der Gruppe, die glaubt mit einem Nachbarn zu reden.”

 

Haben unsere Kinder wirklich weniger Respekt verdient als unsere Nachbarn? Ich glaube nein. Und ich glaube auch nicht, dass unsere Kinder, sei es in der Schule oder im Kindergarten, in Vorleistung gehen müssen, was Respekt im Umgang miteinander angeht. Ich glaube wir Erwachsenen müssen in Vorleistung gehen und unseren Kindern zunächst einmal mit Respekt und Anerkennung ihrer Bedürfnisse begegnen. Egal in welchem Kontext. Wenn Kindern die Lernfreude und Neugierde abhanden gekommen ist, dann ist das nicht ihre Schuld. Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen neue Dinge erfahren. Wenn Kinder nicht lernen wollen, sollten wir überdenken, ob die Lernsituation stimmt.

 

Beziehung vor Lerninhalt

In seinem Buch Schulinfarkt schreibt der großartige Jesper Juul folgende Worte, die für mich ein Leitbild in meiner Arbeit sind: “Die Verantwortung für die Beziehung zum Kind, trägt immer der Erwachsene.”

 

Das Kind lernt am besten von dem, den es liebt!

Johann Wolfgang v. Goethe

Unerzogen leben und Spaß haben.

Mutter und Sohn haben Spaß und tun etwas für ihre Beziehung.

 

Das was Goethe damals postulierte, können wir heute sogar beweisen. In der Kommunikation gibt es immer mehrere Ebenen, eine davon ist die Beziehungsebene, die andere ist die Inhaltsebene. Wir wissen heute, dass die Inhaltsebene nur wirklich wahrgenommen wird, wenn die Beziehungsebene stimmt. Ein Grund mehr an der Beziehung zum Kind zu arbeiten und nicht nur am Stoff. Also wenn es wirklich mit dem Lernen mal kritisch wird, dann vergiss Aufgaben und Übungen und tu etwas für die Beziehung zu Deinem Kind. Nimm es in den Arm, unternehmt gemeinsam etwas oder gib Deinem Kind einfach mal Zeit. Zeit Kind zu sein.

 

Eine neue Beziehungskultur

Was wir also brauchen, um Schule und Lernen kindgerechter zu machen, ist eine neue Beziehungskultur zwischen Kindern und Erwachsenen. Eine in denen wir Kinder als gleichwertige Partner verstehen. Eine Beziehungskultur, die von Liebe, Zuneigung und Respekt getragen ist und nicht von Strafe, Kontrolle und sogenannter Konsequenz. Und das bedeutet nicht unerzogen leben.

Wenn Du mehr über Lernen, Lernfreude, Legasthenie und Dsykalkulie erfahren willst, melde Dich zum Elterncampus an. Jede Woche findest Du dort ein spannendes kostenfreies Online-Webinar.

 

 

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