Resilienz bei Kindern & Jugendlichen stärken

Resilienz bei Kindern

Die Resilienz bei Kindern und Jugendlichen beschreibt ihre Widerstandskraft und die Möglichkeit, an Krisen zu wachsen. Falls Du Dich noch nicht mit dem Thema Resilienz  beschäftigt hast, findest Du im Artikel Stark fürs Lernen – stark fürs Leben mehr Infos dazu.

Unlust, Lernfrust und Streit

Diese Wörter beschreiben den Zustand in vielen Familien zum Thema Homeschooling. 

Dazu kommt bei vielen Jugendlichen eine fast schon fatalistische Haltung. Ich höre folgende Aussagen im Moment ganz oft:

Die Teens

  • können sich zu nichts aufraffen.
  • hängen den ganzen Tag in ihrem Zimmer rum.
  • nehmen nicht aktiv am Distanzunterricht teil.
  • verdaddeln ihre Zeit auf den sozialen Medien.
  • sind frech, aggressiv oder kaum wiederzuerkennen.
 

All das sind Beobachtungen, die Eltern, Lehrer und Coaches machen, die sie mit Sorge sehen und die die Erwachsenen oft mit Hilflosigkeit erfüllen.

Ich versuche an Hand des Resilienzmodells Verständnis für die Situation zu schaffen und Dir 3 Tipps für den Umgang mit dieser schwierigen Situation zu geben.

 

Resilienz bei Kindern und Jugendlichen

Resilienz ruht auf 7 Säulen. Und einige dieser Säulen kriegen gerade einen gewaltigen Knacks.

  1. Akzeptanz
  2. Optimismus
  3. Selbstwirksamkeit
  4. Lösungsorientierung
  5. Verantwortung
  6. Netzwerk 
  7. Zukunftsorientierung
 
Ich möchte Deine Aufmerksamkeit auf die drei Punkte Selbstwirksamkeit, Optimismus und Netzwerk lenken.
Lerncoachinfos

Selbstwirksamkeit

Bei der Selbstwirksamkeit geht es um das Gefühl, im Fahrersitz zu sitzen und die Entscheidungen in der Hand zu haben. Ganz ehrlich, in der aktuellen Situation ist die eigene Handlungsfähigkeit durch die Maßnahmen eingeschränkt und auch viele Erwachsene haben besonders mit diesem Punkt zu kämpfen. Für Teenager, die gerade dabei sind sich abzunabeln, sind genau diese Kontaktbeschränkungen ein ziemlicher Eingriff in ihre Autonomie. Dazu kommt das aktuelle Distanzlernen.

Für viele Schulen und Lehrer ist es auch eine ungewohnte Situation. Sie sehen die Kids nicht vor sich. Wie können sie sicherstellen, dass die Kinder und Jugendlichen mitarbeiten? Reflexartig greifen sie zu Kontrolle. Anwesenheitsklick hier. Auf die Minute genaue Abgabe im Schulportal da. Klicken die Kids drei Minuten zu spät, wird die Aufgabe nicht mehr akzeptiert. Der Druck, der von außen auf den Schulen lastet, führt auch dazu, dass viele Kinder mehr Aufgaben haben und mehr Lernzeit investieren müssen, als in der Präsenzphase. Auch an diese Stelle fühlen sich die Kids wieder fremdgesteuert.

Optimismus

Je länger die Situation dauert, um so schwieriger ist es, optimistisch zu bleiben. Niemand kann sagen, wann das Leben wieder normal wird. Also woher den Optimismus nehmen?

Netzwerk

Das eigene Netzwerk gibt uns auch Kraft. Jüngere Kinder leiden sicher auch, wenn sie keine Spielkameraden sehen können. Allerdings ist eine gute Bindung zu Eltern und Geschwistern sehr hilfreich und es lässt sich viel auffangen. Für Teenager im Abnabelungsprozess sind die Gleichaltrigen aber enorm wichtig. Auch für ihre Entwicklung. Durch die Kontaktbeschränkungen gibt es einen massiven Einschnitt. Regelkonform kann dieser nur ein wenig durch What’s App, Zoom, TikTok und Co. ausgeglichen werden.

Was können wir tun, um die Resilienz bei Kindern und Jugendlichen jetzt zu stärken?

Die aktuelle Situation ist wie sie ist und das zu akzeptieren ist nicht einfach. Hier hilft auch kein Quicktipp oder Patentrezept. Ein Teenager, der in dieser Situation steckt, wird kaum mit auf eine Fantasiereise gehen oder sich zu einer Atemübung begeistern lassen.

Im Coaching gib es einen Grundsatz und der heißt:

Ich kann immer nur den Menschen ändern, den ich morgens im Spiegel sehe.

Das bin ich in der Regel selber. Wenn Du das Kind nicht ändern kannst, kannst Du aber Deine Reaktionen ändern!

In meinen Augen gibt es drei Dinge, die hilfreich sind:

  • Augenhöhe
  • Wertfreiheit
  • Ergebnisoffenheit

 

Augenhöhe

Augenhöhe bedeutet, dass Du dem Teenager als gleichwürdigen Partner akzeptierst. Die Kids machen neue Erfahrungen, genau wie Du. Höre ihren Eindrücken und Empfindungen aufmerksam zu und akzeptiere das, was sie kundtun ohne es zu bewerten. Sag gerne was Du verstanden hast.
Du bist traurig.
Die Lernsituation macht Dir zu schaffen.
Bewerte es aber nicht.

Wenn wir denn zuhören, geben wir oft unseren Senf dazu. Das kann eine Form von Urteil oder eine eigene, recht ausgeprägte Meinung sein. Versuch mal nicht zu werten, halt Dich zurück und hör weiter zu und vor allem – akzeptiere das Kind mit all seinen neuen Erfahrungen und Meinungen so, wie es ist und so, wie es die Dinge erlebt. 

Offene Fragen – z.B. Was schlägst Du vor? Was könnte sinnvollerweise getan werden? Was würde jetzt wirklich helfen? – regen den Dialog an. Ihr bleibt im Gespräch, Ihr sprecht über Lösungen (statt über Probleme). 

Noch ganz wichtig

Ergebnisoffen

Bleib ergebnisoffen! Augenhöhe und Wertfreiheit funktionieren nur, wenn Du sie nicht nutzt, um Deine Ziele durchzusetzen. Das merken Kindern & Jugendliche ziemlich schnell und dann machen sie zu.

Also nicht manipulieren! Gehe nicht mit einer vorgefertigten Meinung in das Gespräch. Die Kids sollen für diese neuen Situationen auch selbst kreativ werden dürfen (Selbstwirksamkeit). Du wirst feststellen, diese Art der Gesprächsführung ist oft spannender, ehrlicher, besser. 

Allerdings auch anstrengender.

Also versuch’s mal

Augenhöhe, Wertfreiheit und Ergebnisoffenheit – es lohnt sich!

Mehr zu dem Thema gibt es in unserem kostenfreien Videokurs zum Lerncoaching.

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7 Antworten

  1. Herzlichen Dank für die Tipps. Sehr ansprechend.
    Ich interessiere mich tatsächlich für den kostenlosen Videokurs. Nehme aber aktuell noch an anderen Themenworkshops teil und möchte den Fokus darauf belassen. Ich hoffe das Angebot steht auch noch in einigen Monaten?

  2. Wow super, das war sehr interessant für mich. Bin in der Ausbildung bei euch und habe mir schon oft gedacht, dass all diese tollen Tools bei Teenager nicht umsetzbar sind. Die Resilenz spielt eine wichtige Rolle und wir Erwachsene sollten ein Vorbild sein. Zum Glück ist das bei uns kein Problem. Jedoch Hilfe zun Einschlafen; Atmungsübungen, Entspannungsnusik, Mandalas kannste vergessen…Mein jüngster Sohn ist 16 und findet alll meine Tips peinlich.

  3. Hallo Ihr Lieben,
    Wenn ich das so lese, habe ich gerade offenbar riesiges Glück mit meiner 13jährigen Tochter und ihren Lehrern!
    Natürlich ist es für die Lehrer superschwer mit der aktuellen Situation umzugehen, aber in unserem Fall läuft meist alles super! Die Lehrer versuchen auf unterschiedlichste Weise, die Kids bei der Stange zu halten und finden eine ausgewogene Balance, mit der sie Hausaufgaben zwar kontrollieren, bei Technikproblemen und Co aber immer wieder auch bereit sind Kompromisse und spätere Termine zu tolerieren.
    Und auch meine Tochter zieht sich zwar viel in ihr Zimmer zurück und ist in den Medien unterwegs, geht aber jeden Mittag die große Hundegassirunde und schaut sich alles rund um Harry Potter auf Englisch an. Das sind für mich zwei gute Kompromisse!

    1. Liebe Claudia,

      wie schön ich freue mich immer über positive Beispiele. Das finde ich so schön. Ich wollte auch nicht grundsätzlich alle über einen Kamm scheren. Aber bei mir landen natürlich oft die Fragen, wenn es schwierig wird.

  4. Hallo Petra,

    da hast du mich mit dem Thema ganz schön gepackt. Danke dafür!
    Auch wenn es bei uns im Großen und Ganzen gut läuft, mache ich mir insgesamt oft Gedanken zu Dingen wie: Persönlichkeitsentwicklung im Teenie-Alter usw.

    Gerade der Austausch mit Gleichaltrigen ist in dieser Lebensphase soo elementar wichtig. Und da können wir als erwachsenes Umfeld nur bedingt Abhilfe schaffen.

    Ich drücke uns allen die Daumen, dass es bald besser wird.

    Liebe Grüße
    Irina

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