Ich habe in den letzten Wochen viel über LRS und Dyskalkulie geschrieben. Ich habe Dir Materialien zur Verfügung gestellt und Online-Seminare gemacht. Ein entscheidendes Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist dabei ein wenig zu kurz gekommen.

Daher geht es heute einmal explizit darum, was Kinder mit einer Lernstörung neben guten fachlichen Materialien am dringendsten brauchen.

Harte Arbeit, Durchhaltevermögen und konsequentes Üben?

Falsch!

Auch wenn ich dies neulich wieder in einem Artikel zum Thema Lernförderung gelesen habe. Ich halte diesen Ansatz für verkehrt.

Ich bin der festen Überzeugen, dass unsere Kinder, ob sie Lernprobleme haben oder nicht,

Wertschätzung, Bewertungsfreiheit, Beziehung und Erfolg brauchen!

Wir sollten endlich Schluss machen, mit den Werten des 19. Jahrhunderts die Bildung des 21. Jahrhunderts gestalten zu wollen.

Was macht es einem Kind mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie denn so schwer? Warum verliert es den Spaß am Üben? Es liegt doch daran, dass sein Wert in der Schule immer an den Fähigkeiten gemessen wird, die es nicht so gut beherrscht.

Dir als Mutter oder Vater wird dann schnell vermittelt, dass Dein Kind Defizite hat und Du nicht genug mit ihm geübt hast.

Und schon schnappt die Bewertungsfalle wieder zu. Nur dieses Mal sitzt Du drin.

Das Ende vom Lied ist, dass das Kind immer weniger üben mag und der Druck auf Eltern und Kinder steigt.

Dann fließen beim Üben auch schon mal Tränen und Du fragst Dich, ob das denn wirklich der richtige Weg ist?

Ich nehme die Antwort mal vorweg:

Er ist es nicht!

Schauen wir uns doch mal an, wie es anders aussehen kann.

Wertschätzung

Einem Kind Wertschätzung als Person entgegen zu bringen, sollte selbstverständlich sein. Leider erlebe ich im schulischen Kontext immer wieder, dass Wertschätzung an Verhalten und Leistung gekoppelt ist. Sei mal ganz ehrlich, das passiert uns zu Hause auch gelegentlich. Aber hier können wir gut ansetzen und die Situation verbessern. Wertschätzung heißt nicht, alles gut zu  finden. Wertschätzung bedeutet einfach, die Person als solche zu schätzen, unabhängig von Leistung und Verhalten.

Uns kann das Verhalten eines Kindes nerven, aber wir sollten ihm niemals vermitteln, dass es als Person nervt.

 

Bewertungsfreiheit

Dieser Punkt geht mit dem ersten zusammen. Beziehen wir dies einmal auf die LRS. Ein Kind, dass sich bemüht, richtig zu schreiben und zu lesen bekommt regelmäßig gesagt: “Du hast ein Defizit! Du musst hart arbeiten! Aber es reicht nicht- egal wie hart Du arbeitest!”

Glaubst Du, dass das hilft?

Nein tut es nicht. Das kontinuierliche Bewerten, verstärkt die Probleme mit der LRS noch. Könnte das betroffene Kind in aller Ruhe einen Schritt nach dem anderen lernen bis es soweit ist, würde es auch Erfolge sehen und sich dadurch bestätigt fühlen. Daher kann ich nur alle Eltern ermuntern, sich für den Notenschutz beim eigenen Kind stark zu machen.

Beziehung

Jeder Lerntherapeut baut zunächst eine gute Beziehung zum Förderschüler auf. Darauf kann dann die gemeinsame Arbeit erfolgen. Ich weiß, dass es in einer Klasse mit 25 oder gar 30 Kindern nicht möglich ist, sich jedem Kind so zu widmen wie in der 1:1 Betreuung.

Aber ich weiß von meinen Schülern auch, dass es immer ein Problem ist, eine gute Beziehung aufzubauen, wenn man ständig zu hören bekommt, dass man nicht gut genug ist.

Auch ist es überhaupt nicht hilfreich, wenn Kinder in der Schule immer wieder angeschrien oder ausgeschimpft werden.

Erfolg

Kann man Erfolg haben ohne harte Arbeit? Ich glaube ja! Natürlich ist das Interpretationssache. Ich selber habe Zeiten, da arbeite ich oft noch tief in der Nacht und am frühen Morgen schon wieder. Ich empfinde das aber nicht als harte Arbeit, sondern ich bin einfach im Fluss um ein Projekt fertig zu stellen.

Und ich glaube, hier liegt das Problem! Kinder mit einer Teilleistungsstörung können mit noch so harter Arbeit das Klassenziel und damit einen Erfolg kaum erreichen.

Sie können sich aber sehr wohl auf ein erreichbares Ziel fokussieren und dieses Ziel dann auch erreichen. Das führt wiederum dazu, dass die Motivation für das nächste Ziel geweckt werden kann.

Auch hier gilt weniger ist mehr. Wählt die Ziele so, dass Ihr mit einer Übungszeit von 10 Minuten pro Tag hinkommt. Dann ist die Arbeit für die Kinder absehbar und Motivation und Freude können viel besser erhalten bleiben.