Gastartikel
Heute findest du an dieser Stelle einen Gastartikel von Sophie Pitka zum Thema Resilienz. Sophie ist Lerntherapeutin und Mitglied im FörderNetzwerk Lernen.
Für Eilige
Wenn du deinem Kind zeigst, wie es mit Frust, Fehlern und Rückschlägen umgehen kann, schenkst du ihm Resilienz. Du vermittelst ihm damit eine der wichtigsten Grundlagen für ein gesundes und glückliches Leben.
Was dein Kind wirklich für‘s Leben braucht…
Vielleicht denkst du beim Thema Lernen und Schule zuerst an Rechnen, Lesen und Konzentration. Oder an gutes Benehmen, Disziplin und Durchhaltevermögen. All das ist wichtig. Aber nichts davon hilft deinem Kind, wenn das Leben unbequem wird. Wenn es in der Schule nicht so läuft, wie ihr euch das vorgestellt habt. Denn dein Kind wird in manchen Situationen scheitern. Es wird enttäuscht werden. Es wird sich ausgeschlossen fühlen, ungerecht behandelt, überfordert oder nicht gut genug. Die entscheidende Frage ist nicht ob das passiert – sondern wie dein Kind und du, wie ihr beide damit umgeht.
Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben: Zwei Menschen erleben etwas Ähnliches und reagieren völlig unterschiedlich. Der eine steht wieder auf, lernt daraus und geht weiter. Der andere zieht sich zurück, zweifelt an sich oder entwickelt Ängste.
Der Unterschied heißt Resilienz.
Resilienz ist die mentale Stärke, mit Belastungen umzugehen, ohne daran innerlich Schaden zu nehmen. Sie entscheidet darüber, ob Herausforderungen zu einer positiven Entwicklung führen oder zu dauerhafter Überforderung und vielleicht sogar gesundheitlichen Problemen.
Und nein: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft. Sie ist auch kein „hart sein“ oder „sich zusammenreißen“.
Resilienz bedeutet: Dein Kind weiß auch dann, wie es weitermachen kann, wenn etwas schiefgeht. Resilienz entsteht vor allem durch Beziehung, Haltung und kleine Erfahrungen – und genau dabei kannst du es im Alltag unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
Warum gerade Eltern so eine wichtige Rolle spielen
Kinder lernen Resilienz nicht durch Erklärungen. Sie lernen sie durch Erleben. Durch dich. Du bist sein Vorbild. Dich sieht es jeden Tag. Es lernt durch die Art, wie du mit Fehlern umgehst. Wie du auf Stress reagierst. Wie du dein Kind begleitest, wenn etwas nicht klappt.
Viele Eltern möchten ihre Kinder vor Enttäuschungen schützen. Das ist verständlich – aber langfristig nicht hilfreich. Denn du kannst beim Sprung aus einem Flugzeug nicht erst den Fallschirm anlegen. Der muss da schon sitzen, so dass du schnell die Reißleine ziehen kannst.
Wenn die Krise da ist, greift dein Kind auf das zurück, was es vorher gelernt hat. Auf das, was automatisiert ist. Auf seine inneren Muster. Deshalb ist es so wichtig, Resilienz nicht erst in der Krise, sondern regelmäßig im normalen Alltag zu stärken.
Typische Alltagssituationen – und was sie mit Resilienz zu tun haben
Wir Menschen haben ein großartiges Werkzeug, das wir jeden Tag benutzen und zum Trainieren unserer Resilienz und der unseres Kindes verwenden können – unsere Sprache.
Situation 1: Dein Kind hat eine schlechte Note bekommen oder scheitert an einer Aufgabe.
Was uns als Eltern vielleicht herausrutscht: „Das musst du besser machen.“, „Du hast dich halt nicht genug angestrengt.“, „Konzentrier dich doch mal.“
Was hilfreicher ist:
„Das ist schiefgelaufen. Lass uns mal schauen, was du anders machen kannst?“, „Das habe ich auch schon mal falsch gemacht. Dann habe ich xy ausprobiert.“, „Hast du eine Idee, wie es besser geht?“
Die Botschaft dahinter: Du bist okay – auch wenn etwas nicht klappt. Fehler sind wichtig, um Dinge wirklich zu verstehen. Experten sind Experten auf ihrem Gebiet, weil sie viele Fehler gemacht und Misserfolge erlebt haben.
Situation 2: Dein Kind ist traurig oder wütend oder beides.
Was wir im Affekt als Eltern vielleicht sagen: „Ist doch nicht so schlimm.“, „Jetzt reiß dich mal zusammen.“
Was Resilienz stärken kann:
„Ich sehe, dass dich das gerade sehr belastet.“ (Eine Umarmung oder sich einfach daneben setzen, hilft manchmal.)
„Dein Gefühl ist verständlich – wir kriegen das schon hin.“
Die Botschaft dahinter: Gefühle sind kein Problem – sie sind ein Signal für etwas, das uns wichtig ist. Gefühle wollen gefühlt werden. Und in der Regel dauern sie nur wenige Augenblicke.
Situation 3: Dein Kind fühlt sich überfordert oder hat Angst zu versagen.
Unser Eltern-Kommentar könnte sein: „Das Leben ist halt kein Wunschkonzert.“, „Da musst du durch.“, „Das haben so viele vor dir auch geschafft.“
Hilfreicher ist: „Was bedrückt dich?“, „Was brauchst du, damit du dich sicher fühlen kannst?“
Die Botschaft dahinter: Du musst nicht alles allein schaffen. Du darfst Hilfe annehmen.
Resilienz beginnt nicht bei deinem Kind – sondern bei dir
Ein wichtiger, oft „unbequemer“ Punkt ist: Kinder lernen Resilienz nicht durch perfekte Eltern. Sondern durch authentische Eltern.
Wenn du deine eigenen Grenzen kennenlernst und sie auch vertrittst. Wenn du Fehler zugibst und deine Lösungswege zeigst. Wenn du lernst, mit negativem Stress umzugehen.
Dann vermittelst du deinem Kind etwas sehr Wertvolles: Vertrauen in das Leben und in sich selbst. Dinge passieren und du hast alle Fähigkeiten in dir, damit umzugehen.
Erste konkrete Schritte für euren Alltag
Zum Abschluss drei einfache, aber wirksame Impulse für dich:
1. Sprich über Herausforderungen – nicht nur über Erfolge
Frage: „Was war heute gut?“
Aber auch: „Was war heute schwierig – und was hast du dann gemacht?“
2. Erlaube deinem Kind, Dinge selbst zu lösen
Nicht jedes Problem braucht sofort eine Lösung von dir. Manchmal braucht dein Kind Zeit und Vertrauen, um selbst eine Lösung zu entwickeln. Das darfst du aushalten auch wenn es dir schwer fällt.
3. Benenne konkrete Fähigkeiten
Sag nicht nur „toll gemacht“, sondern:
- „Du bist drangeblieben.“ (Ausdauer)
- „Du hast dich getraut.“ (Mut)
- „Du hast eine Pause gemacht, als es zu viel wurde.“ (Grenzen setzen)
Was ich dir sagen möchte
Du kannst dein Kind nicht auf Dauer vor Enttäuschungen, Konflikten oder Krisen bewahren.
Aber du kannst für dein Kind der Mensch sein, der zuhört und ihm Orientierung gibt, wenn es schwierig wird. Was heute zählt, ist nicht dein perfektes Verhalten oder die perfekte Lösung, sondern, dass dein Kind erlebt: Ich werde ernst genommen. Ich darf lernen. Ich bin stark genug. Das ist Resilienz – und sie beginnt in eurem gemeinsamen Alltag.
Wer hier schreibt:
Sophie Pitka
Ich glaube daran, dass in jedem Menschen bereits angelegt ist, was er braucht für ein tolles (Schul-) Leben – wir müssen nur wieder auf unsere innere Stimme hören und Lernprozesse neu denken.
Ich bin Lerntherapeutin, Lerncoach und Resilienztrainerin sowie Eltern- und Personal Coach. Seit über 20 Jahren begleite ich Kinder, Jugendliche und Erwachsene dabei, Lernprozesse neu zu denken, innere Stabilität zu entwickeln und ihren eigenen Weg zu finden.
In meiner Arbeit verbinde ich fachliche Expertise mit gelebter Erfahrung aus Familie, Schule, Ausbildungen und Beruf. Ohne Druck oder schnelle Workarounds – dafür mit Menschlichkeit, Klarheit und nachhaltiger Wirkung.zugeschnitten: effizient und zeitsparend, mit Fokus auf Empathie und Menschlichkeit.