Aktualisiert am 25. Juni 2026
Auf einen Blick: LRS-Förderung durch Eltern
- Ja, Eltern können ihr Kind mit LRS selbst wirksam fördern – mit der richtigen Methode und Anleitung.
- Wichtigste Voraussetzung ist eine stabile, konfliktarme Lernbeziehung zu Hause.
- Gute Förderung setzt direkt am Lesen und Schreiben an – so empfiehlt es die medizinische S3-Leitlinie.
- So überbrückst du lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz, und deinem Kind geht keine kostbare Zeit verloren.
„Ich versuche jetzt seit einem halben Jahr, einen Therapieplatz für mein Kind zu bekommen. Kann ich selbst eine Ausbildung machen und meinem Kind helfen?“
Diese Frage hat mir neulich eine Mutter bei einer Infoveranstaltung gestellt. Es ist ein Thema, das immer wieder kontrovers diskutiert wird.
Meine Antwort: Klar, mit ein paar Einschränkungen, über die ich gleich noch schreibe. Denn Kinder mit LRS zu fördern ist etwas, das man lernen kann, auch als Mutter oder als Vater.
Inhaltsverzeichnis
- Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt
- Warum es so schwer ist, einen Therapieplatz zu finden
- Können Eltern ihr Kind mit LRS wirklich selbst fördern?
- Was passiert, wenn du es selbst in die Hand nimmst?
- Für welche Familien passt das – und für welche nicht?
- Selbst fördern lernen – und mehr als nur deinem Kind helfen
- Häufige Fragen
Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt
Ich bin selbst betroffen. Als Kind hatte ich massive Schwierigkeiten mit dem Schreiben. Legasthenie war damals kein Thema, über das man sprach.
Fast zwanzig Jahre später saß ich auf der anderen Seite. Mein eigenes Kind hatte dieselben Schwierigkeiten. Nur diesmal wusste ich, wie sich das anfühlt: wenn Buchstaben keinen Sinn ergeben. Wenn alle anderen schneller sind. Wenn du dich anstrengst und es trotzdem nicht reicht.
Diesmal habe ich nicht zugeschaut. Ich habe mich reingekniet, mich weitergebildet, alles gelernt, was ich finden konnte. Und aus diesem Weg ist am Ende mein Beruf geworden. Die Lern-Ort-Akademie, die Ausbildungen, die Arbeit mit Familien und Fachkräften – das alles hat damit angefangen, dass ich als Mutter gesagt habe: Ich warte nicht mehr. Ich mache das jetzt selbst.
Genau deshalb verstehe ich die Frage dieser Mutter so gut. Und genau deshalb nehme ich sie ernst.
Warum es so schwer ist, einen Therapieplatz zu finden
Wenn du gerade einen Therapieplatz für dein Kind suchst, weißt du wahrscheinlich schon, wovon ich rede. Du telefonierst Praxen ab, landest auf Wartelisten, hörst „Vor nächstem Herbst wird das leider nichts“ – und dein Kind sitzt jeden Tag in der Schule und kämpft.
Der Fachkräftemangel in der Lerntherapie ist ein Fakt. Einrichtungen in ganz Deutschland suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig kämpfen über eine Million Kinder in Deutschland mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Betroffene Schulkinder | über 1 Mio. Kinder mit Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten | BVL / Legasthenie Deutschland e.V. |
| Fachkräftemangel Lerntherapie | bundesweit, anhaltend | VBE / News4teachers |
| Kosten Lerntherapie | ca. 3.000 € pro Jahr (meist Selbstzahler) | Branchenangaben |
| Kosten Trainerausbildung | einmalig 899 € | Lern-Ort |
Quellen: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL), medizinische S3-Leitlinie zur Lese-Rechtschreibstörung sowie News4teachers (2026).
Hinter diesen Zahlen stehen Kinder und Familien, die leiden. Viele berichten von langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz – oft mehrere Monate. Diese Zeit fehlt den Kindern an einer Stelle, an der jede Woche zählt: Während sie warten, sammeln sie weiter Misserfolge, und ein Selbstbild verfestigt sich: Ich kann das nicht. Ich bin zu dumm.
Das Schulsystem fängt das in den allermeisten Fällen nicht auf. Lehrkräfte sind überlastet, individuelle Förderung im Unterricht ist im Alltag kaum leistbar.
Ich sage dir das, damit du eines weißt: Wenn du keinen Platz findest, liegt es nicht an dir. Die Versorgungslage ist tatsächlich so angespannt. Und genau deshalb ist die Frage, ob du selbst aktiv werden kannst, mehr als berechtigt – sie war nie wichtiger.
Können Eltern ihr Kind mit LRS wirklich selbst fördern?
Die kurze Antwort: Ja.
Und bevor du jetzt denkst „Aber ich bin doch keine Lehrerin“ – lass mich dir eine Gegenfrage stellen: Wer bringt Kindern Fahrradfahren bei? Wer übt mit ihnen Schwimmen? Und wer steht auf dem Fußballplatz und zeigt seinem Kind, wie man den Ball annimmt?
Wir lernen die ganze Zeit mit unseren Kindern. Jeden Tag. Und Legasthenietraining ist keine schwarze Magie. Es folgt klaren Regeln, einer nachvollziehbaren Struktur und erprobten Methoden. Das kann man lernen. Auch als Mutter. Auch als Vater. Sogar ohne pädagogisches Studium.
Die S3-Leitlinie (die offizielle medizinische Behandlungsleitlinie für LRS) macht es deutlich: Gute Förderung muss symptomspezifisch sein, also direkt an den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben ansetzen – und auf wissenschaftlich evaluierten Programmen basieren. Das klingt erst mal einschüchternd, heißt im Kern aber nur: Du brauchst das richtige Wissen und die richtige Methode. Beides ist lernbar. Du musst es dir nur nicht allein aus dem Internet zusammensuchen.
Was passiert, wenn du es selbst in die Hand nimmst?
Ich erlebe es immer wieder bei Eltern, die anfangen, gezielt zu fördern: Das gemeinsame Üben am Tisch ist plötzlich kein Ratespiel mehr. Du weißt, wo dein Kind steht und was als Nächstes dran ist. Und du merkst, wie es von Woche zu Woche ein bisschen sicherer wird. Nicht über Nacht, aber spürbar – weil aus „irgendwie üben“ ein klarer Plan geworden ist.
Und dann kommt oft etwas, mit dem die wenigsten Eltern rechnen. Wusstest du, dass über eine Million Kinder in Deutschland mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten kämpfen? Und viel zu wenige Fachkräfte können ihnen helfen. Was als Weg für dein eigenes Kind beginnt, wird bei vielen Eltern zu etwas Größerem: Sie merken, dass sie damit auch den Kindern in der Nachbarschaft, in der Gemeinde, in der ganzen Stadt helfen könnten. Dass aus der eigenen Not eine neue berufliche Perspektive werden kann.
Genau das erlebe ich immer wieder. Eltern, die mit der Ausbildung angefangen haben, weil sie ihrem eigenen Kind helfen wollten – und die heute anderen Familien genau das geben, was sie selbst so dringend gesucht haben: kompetente, einfühlsame Begleitung. Bei mir war es genauso.
Für welche Familien passt das – und für welche nicht?
Jetzt kommt der Teil, in dem ich ehrlich sein muss. So überzeugt ich davon bin, dass Eltern ihre Kinder mit LRS fördern können – es funktioniert nicht in jeder Familie. Und das vorher zu wissen, erspart dir viel Frust.
Die entscheidende Frage ist: Wie läuft das Lernen bei euch zu Hause?
Wenn ihr euch zusammen an den Tisch setzt und es grundsätzlich klappt – wenn dein Kind dir zuhört, wenn ihr arbeiten könnt, ohne dass es jedes Mal in Streit und Tränen endet – dann hast du eine gute Basis. Mit dem richtigen Wissen und der richtigen Struktur kannst du dann richtig viel bewegen. Dein „Ja“ ist dann ein klares Ja, und du solltest weiterlesen.
Anders sieht es aus, wenn schon die Hausaufgaben regelmäßig zum Machtkampf werden, wenn dein Kind bei dir dichtmacht und sagt „Mit dir lerne ich nicht!“, wenn jede Übungseinheit in Vorwürfen endet. Dann ist es die Beziehungsdynamik, die euch ausbremst – und die ändert auch die beste Ausbildung nicht von heute auf morgen.
Das ist kein Versagen. Manche Kinder brauchen eine Fachkraft von außen – jemanden, der nicht Mama oder Papa ist, bei dem keine gemeinsame Vorgeschichte mitschwingt. Wenn das bei euch so ist, ist es völlig in Ordnung, sich Unterstützung von außen zu holen. Kein Grund, sich schlecht zu fühlen.
Sei also ehrlich zu dir: Funktioniert das Lernen mit deinem Kind grundsätzlich? Wenn ja – dann hast du eine gute Chance. Und vielleicht sogar mehr als das.
Selbst fördern lernen – und mehr als nur deinem Kind helfen
Wenn du gemerkt hast „Das Lernen mit meinem Kind funktioniert bei uns eigentlich gut“, dann bewirkst du mit einer richtigen Ausbildung am meisten – für dein Kind und womöglich weit darüber hinaus.
Vielleicht gehen dir jetzt diese Fragen durch den Kopf: Schaffe ich das überhaupt neben Job und Familie? Bin ich dafür qualifiziert genug? Berechtigte Fragen – und meine ehrliche Antwort darauf:
Unsere Ausbildung zur Legasthenietrainerin ist als Fernlehrgang konzipiert und so aufgebaut, dass du sie in deinem eigenen Tempo neben dem Alltag absolvieren kannst. Du lernst alles von der Förderdiagnostik bis zum angewandten Training – praxisnah und genau das, was du brauchst, um Schritt für Schritt zu wissen: Hier steht mein Kind, und das ist der nächste Schritt. Dabei wirst du persönlich begleitet, von Menschen, die wissen, wovon sie reden.
Das Wichtigste bringst du längst mit: den Wunsch, deinem Kind zu helfen, und die Bereitschaft, dazuzulernen. Das Fachliche bringen wir dir bei.
Und die Investition? Die komplette Ausbildung liegt bei 899 €. Ein Jahr Lerntherapie kostet dich in der Regel rund 3.000 € – und oft reicht ein Jahr nicht aus.
Das Wissen aus der Ausbildung bleibt dir. Es hilft deinem Kind über Jahre. Und wenn du irgendwann magst, eben nicht nur deinem eigenen Kind.
Und wer weiß: Vielleicht beginnt mit dem ersten Schritt für dein eigenes Kind etwas, das eines Tages viel mehr Kindern hilft. Bei mir war es genauso.
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Häufige Fragen
Können Eltern ihr Kind bei LRS selbst fördern?
Ja. Wenn die Lernbeziehung zwischen Eltern und Kind grundsätzlich gut funktioniert, können Eltern mit der richtigen Ausbildung oder einem strukturierten Förderprogramm wirksam unterstützen. Voraussetzung ist, dass das gemeinsame Üben zu Hause ohne ständigen Streit gelingt.
Wie viele Kinder sind von LRS betroffen?
Schätzungen zufolge hat bis zu jedes zehnte Kind Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben – über eine Million Kinder in Deutschland. Eine streng diagnostizierte Legasthenie haben rund vier Prozent.
Was hilft bei LRS?
Die S3-Leitlinie empfiehlt eine symptomspezifische Förderung, die direkt am Lesen und Schreiben ansetzt – am besten mit wissenschaftlich evaluierten Programmen. Wichtig ist, am individuellen Lernstand des Kindes anzusetzen, dort wo es gerade wirklich steht.
Was kostet eine Lerntherapie?
Eine Lerntherapie kostet in der Regel rund 3.000 Euro pro Jahr und wird meist privat bezahlt, da die Krankenkassen sie nur in Ausnahmefällen übernehmen. Häufig dauert eine Therapie länger als ein Jahr.
Woran erkenne ich, ob ich mein Kind selbst fördern kann?
Entscheidend ist die Lernbeziehung. Wenn ihr gemeinsam am Tisch arbeiten könnt, ohne dass es regelmäßig in Streit und Tränen endet, hast du eine gute Basis. Wird jede Übungseinheit zum Machtkampf, ist Unterstützung von außen sinnvoll.
Petra Rodenberg
Ich bin Bildungswissenschaftlerin, Lerntherapeutin (M.A.), Lifecoach und Heilpraktikerin. Seit über 15 Jahren begleite ich Kinder mit Lern- und Rechenschwierigkeiten und bilde Lerncoaches sowie Legasthenie- und Dyskalkulietrainer:innen aus. Ich bin überzeugt: Ein gut informierter Erwachsener kann das Leben eines betroffenen Kindes grundlegend verändern. Deshalb blogge ich seit fast zehn Jahren und halte Vorträge, um mein Wissen weiterzugeben und Mut zu machen.