„Ich versuche jetzt seit einem halben Jahr, einen Therapieplatz für mein Kind zu bekommen. Kann ich selbst eine Ausbildung machen und meinem Kind helfen?“
Diese Frage hat mir neulich eine Mutter bei einer Info-Veranstaltung gestellt. Und ich konnte förmlich spüren, wie es im Raum geknistert hat. Weil dieses Thema immer sehr kontrovers ist.
Meine Antwort? Ja. Aber mit ein paar wichtigen Einschränkungen, über die ich in diesem Artikel schreibe. Denn Kinder mit LRS fördern ist etwas, das man lernen kann – auch als Elternteil. Und vielleicht steckt in deiner Situation sogar mehr drin, als du gerade denkst.
Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt
Ich bin selbst betroffen. Als Kind hatte ich massive Schwierigkeiten mit dem Schreiben. Legasthenie war damals kein Thema, über das man sprach oder viel wusste.
Und da in den 1970er Jahren in NRW ab der 5. Klasse die Rechtschreibung nicht gewertet wurde, ging es mir dann irgendwann besser. Auch wenn ich wegen der vielen Fehler immer blöde Kommentare zu hören bekam.
Und dann, fast zwanzig Jahre später, saß ich auf der anderen Seite. Mein eigenes Kind hatte dieselben Schwierigkeiten. Nur diesmal wusste ich: Das kenne ich. Dieses Gefühl, wenn Buchstaben keinen Sinn ergeben. Wenn alle anderen schneller sind. Wenn du dich anstrengst und es trotzdem nicht reicht.
Diesmal habe ich nicht zugeschaut. Ich habe mich reingekniet, mich weitergebildet, alles gelernt, was ich finden konnte und aus diesem Weg ist am Ende mein Beruf geworden. Die Lern-Ort-Akademie, die Ausbildungen, die Arbeit mit Fachkräften und Familien: Das alles hat damit angefangen, dass ich als Mutter gesagt habe: Ich warte nicht mehr. Ich mache das jetzt selbst.
Warum es so schwer ist, einen Therapieplatz zu finden
Wenn du gerade auf der Suche nach einem Therapieplatz für dein Kind bist, dann weißt du wahrscheinlich schon, wovon ich rede. Du telefonierst Praxen ab, landest auf Wartelisten, bekommst gesagt „Vor nächstem Herbst wird das leider nichts“ – und dein Kind sitzt jeden Tag in der Schule und kämpft.
Das ist kein Einzelfall. Der Fachkräftemangel in der Lerntherapie ist real. Lerntherapeutische Einrichtungen in ganz Deutschland suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig sind schätzungsweise vier Prozent aller Schülerinnen und Schüler von einer Legasthenie betroffen – im Schnitt zwei Kinder pro Klasse. Und rund 40 Prozent der Hilfesuchenden warten nach einem Erstgespräch noch drei bis neun Monate, bis eine Behandlung überhaupt beginnt.
Drei bis neun Monate. In denen dein Kind weiter Misserfolge sammelt. In denen sich die Frustration aufbaut. In denen sich das Selbstbild festigt: Ich kann das nicht. Ich bin zu dumm.
Und das Schulsystem? Das fängt es in den allermeisten Fällen nicht auf. Lehrkräfte sind überlastet, individuelle Förderung im Unterricht ist im Alltag kaum leistbar und der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich.
Ich sage das nicht, um dich zu frustrieren. Sondern damit du weißt: Wenn du keinen Platz findest, liegt es nicht an dir. Die Versorgungslage ist tatsächlich so angespannt. Und genau deshalb ist die Frage, ob du selbst aktiv werden kannst, nicht nur berechtigt – sie ist wichtiger denn je.
Fragen & Antworten
Wie viele Kinder sind von LRS betroffen? Schätzungsweise vier Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben eine Legasthenie – das sind im Schnitt zwei Kinder pro Klasse. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch höher.
Wie lange wartet man auf einen Therapieplatz? Rund 40 Prozent der Hilfesuchenden warten nach dem Erstgespräch noch drei bis neun Monate auf den Beginn einer Behandlung. In ländlichen Regionen kann es noch deutlich länger dauern.
Was hilft bei LRS? Die S3 Leitlinie empfiehlt eine symptomspezifische Förderung, die direkt am Lesen und Schreiben ansetzt – am besten mit wissenschaftlich evaluierten Programmen. Wichtig ist, am individuellen Lernstand des Kindes anzusetzen, nicht am Schulstoff.
Können Eltern ihr Kind bei LRS selbst fördern? Ja, wenn die Lernbeziehung zwischen Eltern und Kind grundsätzlich gut funktioniert. Mit der richtigen Ausbildung oder einem strukturierten Förderprogramm können Eltern wirksam unterstützen.
Können Eltern ihr Kind mit LRS wirklich selbst fördern?
Die kurze Antwort: Ja.
Und bevor du jetzt denkst „Aber ich bin doch kein Therapeut“ – lass mich dir eine Gegenfrage stellen: Wer bringt Kindern Fahrradfahren bei? Wer übt mit ihnen Schwimmen? Wer steht auf dem Fußballplatz und zeigt seinem Kind, wie man den Ball annimmt?
Wir lernen die ganze Zeit mit unseren Kindern. Jeden Tag. Und Legasthenietraining ist keine schwarze Magie. Es folgt klaren Regeln, einer nachvollziehbaren Struktur und erprobten Methoden. Das kann man lernen. Auch als Mutter. Auch als Vater. Auch ohne pädagogisches Studium.
Die S3 Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Lese- und Rechtschreibstörungen macht es deutlich: Gute Förderung muss symptomspezifisch sein, also direkt an den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben ansetzen. Und sie sollte auf wissenschaftlich evaluierten Programmen basieren. Das klingt erstmal einschüchternd, heißt aber im Kern: Du brauchst das richtige Wissen und die richtige Methode. Beides ist lernbar.
Wann es funktioniert – und wann nicht
Jetzt kommt der Teil, in dem ich ehrlich sein muss. Denn so sehr ich davon überzeugt bin, dass Eltern ihre Kinder mit LRS fördern können – es funktioniert nicht immer.
Die entscheidende Frage ist: Wie läuft das Lernen bei euch zu Hause?
Wenn ihr euch zusammen an den Tisch setzt und es grundsätzlich gut funktioniert – wenn dein Kind dir zuhört, wenn ihr miteinander arbeiten könnt, ohne dass es jedes Mal in Streit und Tränen endet – dann hast du eine gute Basis. Dann kannst du mit dem richtigen Wissen und der richtigen Struktur richtig viel bewirken.
Aber wenn schon die Hausaufgaben regelmäßig zum Machtkampf werden. Wenn dein Kind bei dir dichtmacht und sagt „Mit dir lerne ich nicht!“ Wenn jede Übungseinheit in Frust und Vorwürfen endet – dann wird eine Ausbildung daran wahrscheinlich nichts ändern. Denn das fachliche Wissen ist das eine. Aber die Beziehungsdynamik zwischen Eltern und Kind ist etwas anderes.
Das ist kein Versagen. Manche Kinder brauchen einfach eine Fachkraft von außen, jemanden, der nicht Mama oder Papa ist. Jemanden, bei dem die emotionale Vorgeschichte nicht mitschwingt. Das ist völlig okay und kein Grund, sich schlecht zu fühlen.
Sei also ehrlich zu dir: Funktioniert das Lernen mit deinem Kind? Könnt ihr gut zusammenarbeiten? Dann lies unbedingt weiter. Denn dann hast du eine echte Chance, deinem Kind zu helfen – und vielleicht sogar noch viel mehr als das.
Eine Ausbildung machen und nicht nur dem eigenen Kind helfen
Wenn du bis hierhin gelesen hast und denkst „Ja, das Lernen mit meinem Kind funktioniert bei uns eigentlich gut“ – dann lass mich dir einen Gedanken mitgeben, der über dein eigenes Kind hinausgeht.
Du erinnerst dich an die Zahlen von weiter oben? Vier Prozent aller Kinder sind betroffen. Zwei pro Klasse. Und es gibt viel zu wenig Fachkräfte, die diesen Kindern helfen können. Einrichtungen in ganz Deutschland suchen händeringend nach Menschen, die qualifiziert mit lese- und rechtschreibschwachen Kindern arbeiten können.
Was wäre, wenn du nicht nur deinem Kind hilfst, sondern auch den Kindern in deiner Nachbarschaft, in deiner Gemeinde, in deiner Stadt? Was wäre, wenn aus deiner persönlichen Not eine neue berufliche Perspektive wird?
Genau das erlebe ich immer wieder. Eltern, die mit der Ausbildung angefangen haben, weil sie ihrem eigenen Kind helfen wollten – und die heute anderen Familien genau das geben, was sie selbst so dringend gesucht haben: kompetente, einfühlsame Begleitung.
Unsere Ausbildung zur Legasthenietrainerin ist als Fernlehrgang konzipiert, von der ZFU zugelassen und so aufgebaut, dass du sie neben deinem Alltag absolvieren kannst. Du lernst von der Förderdiagnostik bis zum angewandten Training alles, was du brauchst, um Kinder mit LRS strukturiert und wirksam zu begleiten. Und du bekommst dabei persönlichen Support – keine anonyme Onlineplattform, auf der du alleine vor dich hin arbeitest.
Wenn du mehr wissen willst, schau dir die Ausbildung hier an: Ausbildung Legasthenie-Trainer/Trainerin
Wenn du keine Ausbildung machen willst – aber trotzdem helfen möchtest
Vielleicht denkst du jetzt: „Das klingt alles gut, aber eine ganze Ausbildung? So tief will ich gar nicht einsteigen. Ich will einfach nur wissen, wie ich mit meinem Kind sinnvoll üben kann.“
Auch dafür gibt es einen Weg. Mit unserem Rechtschreibheldenprogramm bekommst du eine fertige Struktur, die dir genau zeigt, was du wann mit deinem Kind üben kannst. Du setzt dich zwei bis vier Mal pro Woche mit deinem Kind hin, arbeitest das Programm durch und kannst einmal im Monat einen Termin mit einer Fachkraft buchen, um Fragen zu klären und sicherzugehen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid.
Du musst dich nicht in die Theorie einarbeiten, du musst keine Diagnostik lernen, du brauchst kein Fachwissen über Stufenmodelle und Fehleranalysen. Du bekommst einfach alles fertig – und musst es nur umsetzen.
Für manche Eltern ist das genau das Richtige. Kein großes Projekt, sondern ein klarer Plan mit Begleitung.
Mehr Infos zu den Rechtschreibhelden findest du hier: Rechtschreibheldenprogramm