Bist du bereit für KI im pädagogischen Alltag?

Aktualisiert am 26. Juni 2026

Künstliche Intelligenz ist längst im Kinderzimmer angekommen: in Chatbots, Empfehlungssystemen, Bildgeneratoren und Lernplattformen. Kinder begegnen KI längst – die eigentliche Frage ist, wie gut wir sie dabei begleiten.

Genau hier setzt das AI Literacy Framework an. 2026 haben OECD und Europäische Kommission die finale Fassung veröffentlicht – und damit erstmals eine international abgestimmte Antwort darauf, was Bildung im KI-Zeitalter leisten muss. Dieser Beitrag ordnet ein, was dahintersteckt und was es für deine pädagogische Arbeit bedeutet.

Auf einen Blick: das AI Literacy Framework

  • Es ist ein 2026 von OECD und EU-Kommission veröffentlichter Orientierungsrahmen mit 19 Kompetenzen für den Umgang von Kindern und Jugendlichen mit KI.
  • Die Kompetenzen verteilen sich auf vier Bereiche: KI verstehen, mit KI gestalten, KI steuern und KI mitgestalten.
  • KI-Kompetenz gilt darin als Teil allgemeiner Bildung – relevant für Schule, Fortbildung und außerschulische Lernorte.
  • Auch Lerntherapeut:innen, Lerncoaches und Förderfachkräfte können den Rahmen nutzen, um ihre Arbeit fundiert auf das KI-Zeitalter auszurichten.
Inhaltsverzeichnis
  1. Von wem Kinder KI lernen
  2. Was ist das AI Literacy Framework?
  3. PISA 2029 und der Digital Education Action Plan
  4. Für wen ist das Framework gedacht?
  5. Häufige Fragen
  6. Und du? Wo stehst du in diesem Thema?
  7. Fazit

Von wem Kinder KI lernen

Eine Studie von Merriman & Sanz Sáinz (2024) zeigt, wo sich die Generation Z – junge Menschen, die etwa zwischen 1997 und 2012 geboren wurden – ihr Wissen über künstliche Intelligenz holt: zu 55 Prozent über soziale Medien. Weitere 35 Prozent beziehen es aus allgemeinen Nachrichtenquellen. Nur 15 Prozent lernen etwas über KI in schulischen oder pädagogischen Kontexten – also von Lehrpersonen, Dozent:innen oder anderen Bildungspersonen.

Woher die Generation Z ihr KI-Wissen bezieht
QuelleAnteilBeleg
Soziale Medien55 %Merriman & Sanz Sáinz (2024)
Allgemeine Nachrichtenquellen35 %Merriman & Sanz Sáinz (2024)
Schulische/pädagogische Kontexte15 %Merriman & Sanz Sáinz (2024)

Quelle: Merriman & Sanz Sáinz (2024), zitiert im AI Literacy Framework (OECD/EU-Kommission).

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Pädagogische Begleitung ist beim Thema KI bislang die Ausnahme. Kinder und Jugendliche begegnen KI weitgehend ohne ein pädagogisches Fundament, das ihnen hilft, diese Systeme zu verstehen und einzuordnen. Genau das will das AI Literacy Framework ändern.

Was ist das AI Literacy Framework?

Das AI Literacy Framework wurde von der OECD gemeinsam mit der Europäischen Kommission, Code.org (heute CodeAI) und einem internationalen Netzwerk von Bildungs- und Technologiefachleuten entwickelt. Im Mai 2025 erschien zunächst ein Entwurf zur öffentlichen Konsultation. Nach internationaler Rückmeldung wurde er überarbeitet und 2026 unter dem Titel „Empowering Learners for the Age of AI“ in finaler Fassung veröffentlicht.

Das Ziel ist eine gemeinsame, international abgestimmte Grundlage dafür, wie Kinder KI begegnen, wie sie diese Technologien einordnen und wie sie dabei selbstbestimmt, kritisch und verantwortungsvoll handeln können. Im Kern geht es um pädagogische Kompetenzbildung als Teil allgemeiner Bildung.

Die Kompetenzbereiche des AI Literacy Frameworks im Überblick

Entnommen dem AI Literacy Framework

PISA 2029 und der Digital Education Action Plan

Wie ernst das Thema genommen wird, zeigt ein Blick auf die nächste große Schulleistungsstudie. Die PISA-Erhebung 2029 (OECD) erfasst erstmals systematisch mediale und KI-bezogene Kompetenzen. Kinder und Jugendliche zeigen dann nicht nur Lese-, Mathematik- und naturwissenschaftliche Kompetenz, sondern auch, wie sie mit algorithmisch erzeugten Inhalten umgehen, wie sie Informationen bewerten und welche Fähigkeiten sie im Umgang mit KI-Anwendungen entwickelt haben.

Das AI Literacy Framework dient als inhaltliche Grundlage für dieses neue Testfeld. Damit wird deutlich: Der Umgang mit KI gehört zu den Bildungsaufgaben.

Digital Education Action Plan (2021–2027)

Auch politisch ist das Framework eingebettet. Der Digital Education Action Plan der EU-Kommission definiert die strategischen Ziele für digitale Bildung in Europa. Im Zentrum stehen digitale Kompetenzen in Schule und Weiterbildung, eine ethische und inklusive Nutzung digitaler Technologien, die Förderung von Innovation in der Lehrerbildung sowie der Erwerb von Zukunftskompetenzen.

Das AI Literacy Framework ist Teil dieses Aktionsplans. Es operationalisiert dessen Ziele, indem es konkret beschreibt, welche Fähigkeiten Kinder entwickeln sollen und wie Bildungseinrichtungen darauf reagieren können.

Für wen ist das Framework gedacht?

Das Framework richtet sich an ein breites Spektrum von Menschen im Bildungsbereich:

  • Lehrkräfte und Schulleitungen
  • Bildungsadministration und Bildungspolitik
  • Entwickler:innen von Lehrmaterialien und Fortbildungen
  • außerschulische Bildungseinrichtungen
  • Fachkräfte im Bereich individueller Lernförderung

Für alle, die Kinder im Umgang mit digitalen Medien begleiten, bietet das Framework eine fundierte Orientierung. Es beschreibt, was Kinder lernen sollen und was sie zum Lernen befähigt – und das in einer zunehmend KI-vermittelten Welt.

Die vier zentralen Kompetenzbereiche

Die finale Fassung bündelt 19 Kompetenzen in vier übergeordneten Bereichen, in denen Lernende Fähigkeiten im Umgang mit KI entwickeln sollen:

  1. KI verstehen (Engage with AI): Kinder und Jugendliche erkennen KI-Systeme, verstehen deren Präsenz im Alltag und ordnen ihre Ergebnisse ein.
  2. Mit KI gestalten (Create with AI): Lernende nutzen KI kreativ, etwa zur Text- oder Bildgenerierung, und reflektieren dabei Urheberschaft, Verantwortung und ethische Fragen.
  3. KI steuern (Manage AI): Sie lernen, KI gezielt einzusetzen, um Prozesse zu unterstützen, und behalten dabei den Überblick und die Entscheidungsgewalt.
  4. KI mitgestalten (Shape AI): Kinder verstehen grundlegend, wie KI-Systeme entwickelt werden, wie Trainingsdaten funktionieren und welche sozialen, ökologischen und ethischen Fragen sich daraus ergeben.

Alle vier Bereiche werden ergänzt durch Aussagen zu technischem Wissen (etwa, wie Maschinen „lernen“), zu anwendungsbezogenen Fähigkeiten (etwa, wie man Prompting sinnvoll nutzt) sowie zu Haltungen und Werten (etwa Verantwortungsbewusstsein, Neugier und Kritikfähigkeit).

Was das Framework leistet – und was nicht

Wichtig zu wissen: Das AI Literacy Framework ist ein struktureller Rahmen, kein Lehrplan und keine Tool-Sammlung. Es liefert keine fertigen Unterrichtseinheiten oder konkreten Aufgabenstellungen. Stattdessen bietet es Orientierung für die Planung, Entwicklung und Reflexion pädagogischer Angebote, die Kinder darin stärken, mit KI-basierten Systemen kritisch und souverän umzugehen.

Was wir als pädagogische Fachkräfte davon haben

Für Fachkräfte in Lernförderung, Lerntherapie oder Fortbildung bietet das Framework eine belastbare Grundlage. Damit lässt sich der eigene Anspruch an Bildungsarbeit im digitalen Zeitalter schärfen, pädagogische Konzepte systematisch an neue Herausforderungen anpassen und gegenüber Trägern, Eltern oder Kooperationspartnern fachlich fundiert argumentieren.

Es macht sichtbar, dass KI-Kompetenz bildungspolitisch, ethisch und gesellschaftlich relevant ist. Wer Kinder in ihrer Entwicklung begleiten will, hilft ihnen, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Informationen heute auch aus Modellen stammen, die selbst lernen, aber nicht denken.

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Häufige Fragen

Was genau ist das AI Literacy Framework?

Das AI Literacy Framework ist ein international entwickelter Orientierungsrahmen. Er beschreibt in 19 Kompetenzen, welche Fähigkeiten Kinder und Jugendliche im Umgang mit KI-Systemen erwerben sollen – von kritischer Reflexion über kreative Anwendung bis zur ethischen Einordnung.

Wer hat das Framework entwickelt?

Erarbeitet wurde es von der OECD, der Europäischen Kommission, Code.org (heute CodeAI) und einem Netzwerk internationaler Bildungs- und Technologiefachleute. Nach einem Entwurf vom Mai 2025 wurde es 2026 in finaler Fassung veröffentlicht.

Was ist das Ziel von PISA 2029 in diesem Zusammenhang?

Die PISA-Erhebung 2029 untersucht erstmals die Media & AI Literacy von Jugendlichen weltweit – also ihre Fähigkeit, Informationen aus KI-Systemen zu bewerten, Medieninhalte kritisch zu analysieren und reflektiert mit digitalen Technologien umzugehen. Das AI Literacy Framework liefert dafür die fachliche Grundlage.

Was steht im Digital Education Action Plan 2021–2027?

Der Digital Education Action Plan ist eine Bildungsstrategie der EU-Kommission. Er definiert Ziele für die Weiterentwicklung digitaler Bildung in Europa – darunter den Ausbau digitaler Kompetenzen, Lehrerfortbildung, ethische Techniknutzung und Chancengleichheit. Das AI Literacy Framework ist Teil dieser Umsetzung.

Ist das Framework nur für Schulen gedacht?

Nein. Es richtet sich an viele pädagogische Kontexte – von Schulen über Fortbildung bis zu außerschulischen Lernorten. Auch Lerntherapeut:innen, Lerncoaches und Fachkräfte in Ausbildung können von der Systematik des Frameworks profitieren.

Und du? Wo stehst du in diesem Thema?

Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt: Einige Begriffe kennst du längst, andere waren neu. Manche von uns stehen beim Thema KI eher am Anfang, andere begleiten Kinder schon länger im Umgang mit digitalen Tools. Was auch immer auf dich zutrifft – der pädagogische Alltag verändert sich, und wir können mitgestalten, wie er sich verändert.

Darum meine Frage an dich:

  • Was wünschst du dir an Wissen über KI für deinen pädagogischen Alltag?
  • Zu welchem Thema hättest du gerne weitere Blogartikel oder Fortbildungen?
  • Was würdest du gerne besser verstehen oder einordnen können?
  • Was müsste ein guter Blogartikel, ein Austausch oder eine Fortbildung für dich leisten?

Lass mir gerne einen Kommentar da. Ich freue mich über jede Rückmeldung und nehme deine Impulse mit in die nächsten Blogartikel, Fortbildungen und Materialien. Wenn du hier nicht kommentieren magst, schick mir einfach eine Mail an p.rodenberg@lern-ort.de.

Fazit

Mit der finalen Fassung von 2026 liegt erstmals eine international abgestimmte Orientierung dafür vor, was Kinder im Umgang mit KI lernen sollen – 19 Kompetenzen in vier Bereichen, kostenlos zugänglich unter ailiteracyframework.org. Für uns in der Lernförderung lohnt sich der Blick hinein schon heute, denn der Umgang mit KI gehört zu dem, was Bildung in dieser Zeit leisten muss. Wir müssen dafür keine Technikexpert:innen werden – es reicht, neugierig zu bleiben und Kindern ein verlässliches Gegenüber zu sein, während sie sich in dieser neuen Welt zurechtfinden.

Petra Rodenberg

Petra Rodenberg

Ich bin Bildungswissenschaftlerin, Lerntherapeutin (M.A.), Lifecoach und Heilpraktikerin. Seit über 15 Jahren begleite ich Kinder mit Lern- und Rechenschwierigkeiten und bilde Lerncoaches sowie Legasthenie- und Dyskalkulietrainer:innen aus. Ich bin überzeugt: Ein gut informierter Erwachsener kann das Leben eines betroffenen Kindes grundlegend verändern. Deshalb blogge ich seit fast zehn Jahren und halte Vorträge, um mein Wissen weiterzugeben und Mut zu machen.

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