Können Eltern Kinder mit LRS fördern?

Kinder mit LRS fördern
Können Eltern Kinder mit LRS fördern?

Können Eltern Kinder mit LRS fördern?

„Ich versuche jetzt seit einem halben Jahr, einen Therapieplatz für mein Kind zu bekommen. Kann ich selbst eine Ausbildung machen und meinem Kind helfen?“

Diese Frage hat mir neulich eine Mutter bei einer Info-Veranstaltung gestellt. Und ich konnte förmlich spüren, wie es im Raum geknistert hat. Weil dieses Thema so kontrovers ist.

Meine Antwort? Ja. Mit ein paar wichtigen Einschränkungen, über die ich gleich schreibe. Denn Kinder mit LRS fördern ist etwas, das man lernen kann – auch als Mutter, auch als Vater. Und vielleicht steckt in deiner Situation gerade mehr drin, als du ahnst.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt
  2. Warum es so schwer ist, einen Therapieplatz zu finden
  3. Fragen und Antworten
  4. Können Eltern ihr Kind mit LRS wirklich selbst fördern?
  5. Was möglich wird, wenn du es selbst in die Hand nimmst
  6. Ehrlich gesagt: Es passt nicht für jede Familie
  7. Eine Ausbildung machen – und mehr als nur deinem Kind helfen

Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt

Ich bin selbst betroffen. Als Kind hatte ich massive Schwierigkeiten mit dem Schreiben. Legasthenie war damals kein Thema, über das man sprach.

Fast zwanzig Jahre später saß ich auf der anderen Seite. Mein eigenes Kind hatte dieselben Schwierigkeiten. Nur diesmal wusste ich, wie sich das anfühlt: wenn Buchstaben keinen Sinn ergeben. Wenn alle anderen schneller sind. Wenn du dich anstrengst und es trotzdem nicht reicht.

Diesmal habe ich nicht zugeschaut. Ich habe mich reingekniet, mich weitergebildet, alles gelernt, was ich finden konnte. Und aus diesem Weg ist am Ende mein Beruf geworden. Die Lern-Ort-Akademie, die Ausbildungen, die Arbeit mit Familien und Fachkräften – das alles hat damit angefangen, dass ich als Mutter gesagt habe: Ich warte nicht mehr. Ich mache das jetzt selbst.

Genau deshalb verstehe ich die Frage dieser Mutter so gut. Und genau deshalb nehme ich sie ernst.

Warum es so schwer ist, einen Therapieplatz zu finden

Wenn du gerade einen Therapieplatz für dein Kind suchst, weißt du wahrscheinlich schon, wovon ich rede. Du telefonierst Praxen ab, landest auf Wartelisten, hörst „Vor nächstem Herbst wird das leider nichts“ – und dein Kind sitzt jeden Tag in der Schule und kämpft.

Das ist kein Einzelfall. Der Fachkräftemangel in der Lerntherapie ist real. Einrichtungen in ganz Deutschland suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig sind schätzungsweise vier Prozent aller Schülerinnen und Schüler von einer Legasthenie betroffen – im Schnitt zwei Kinder pro Klasse. Und rund 40 Prozent der Hilfesuchenden warten nach dem Erstgespräch noch drei bis neun Monate, bis eine Behandlung überhaupt beginnt.

Drei bis neun Monate. In denen dein Kind weiter Misserfolge sammelt. Monate, in denen sich die Frustration aufbaut. Und in denen sich ein Selbstbild festsetzt: Ich kann das nicht. Ich bin zu dumm.

Das Schulsystem fängt das in den allermeisten Fällen nicht auf. Lehrkräfte sind überlastet, individuelle Förderung im Unterricht ist im Alltag kaum leistbar.

Ich sage dir das, damit du eines weißt: Wenn du keinen Platz findest, liegt es nicht an dir. Die Versorgungslage ist tatsächlich so angespannt. Und genau deshalb ist die Frage, ob du selbst aktiv werden kannst, mehr als berechtigt – sie war nie wichtiger.

Fragen und Antworten

Wie viele Kinder sind von LRS betroffen?

Schätzungsweise vier Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben eine Legasthenie – das sind im Schnitt zwei Kinder pro Klasse. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher.

Wie lange wartet man auf einen Therapieplatz?

Rund 40 Prozent der Hilfesuchenden warten nach dem Erstgespräch noch drei bis neun Monate auf den Beginn einer Behandlung. In ländlichen Regionen kann es deutlich länger dauern.

Was hilft bei LRS?

Die S3-Leitlinie empfiehlt eine symptomspezifische Förderung, die direkt am Lesen und Schreiben ansetzt – am besten mit wissenschaftlich evaluierten Programmen. Wichtig ist, am individuellen Lernstand des Kindes anzusetzen, nicht am Schulstoff.

Können Eltern ihr Kind bei LRS selbst fördern?

Ja, wenn die Lernbeziehung zwischen Eltern und Kind grundsätzlich gut funktioniert. Mit der richtigen Ausbildung oder einem strukturierten Förderprogramm können Eltern wirksam unterstützen.

Können Eltern ihr Kind mit LRS wirklich selbst fördern?

Die kurze Antwort: Ja.

Und bevor du jetzt denkst „Aber ich bin doch kein Therapeut“ – lass mich dir eine Gegenfrage stellen: Wer bringt Kindern Fahrradfahren bei? Wer übt mit ihnen Schwimmen? Und wer steht auf dem Fußballplatz und zeigt seinem Kind, wie man den Ball annimmt?

Wir lernen die ganze Zeit mit unseren Kindern. Jeden Tag. Und Legasthenietraining ist keine schwarze Magie. Es folgt klaren Regeln, einer nachvollziehbaren Struktur und erprobten Methoden. Das kann man lernen. Auch als Mutter. Auch als Vater. Sogar ohne pädagogisches Studium.

Die S3-Leitlinie macht es deutlich: Gute Förderung muss symptomspezifisch sein, also direkt an den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben ansetzen – und auf wissenschaftlich evaluierten Programmen basieren. Das klingt erst mal einschüchternd, heißt im Kern aber nur: Du brauchst das richtige Wissen und die richtige Methode. Beides ist lernbar. Du musst es dir nur nicht allein aus dem Internet zusammensuchen.

Was möglich wird, wenn du es selbst in die Hand nimmst

Ich erlebe es immer wieder bei Eltern, die anfangen, gezielt zu fördern: Das gemeinsame Üben am Tisch ist plötzlich kein Ratespiel mehr. Du weißt, wo dein Kind steht und was als Nächstes dran ist. Und du merkst, wie es von Woche zu Woche ein bisschen sicherer wird. Nicht über Nacht, aber spürbar – weil aus „irgendwie üben“ ein klarer Plan geworden ist.

Und dann kommt oft etwas, mit dem die wenigsten Eltern rechnen. Du erinnerst dich an die Zahlen von oben? Zwei Kinder pro Klasse. Viel zu wenige Fachkräfte. Was als Weg für dein eigenes Kind beginnt, wird bei vielen Eltern zu etwas Größerem: Sie merken, dass sie damit auch den Kindern in der Nachbarschaft, in der Gemeinde, in der ganzen Stadt helfen könnten. Dass aus der eigenen Not eine neue berufliche Perspektive werden kann.

Genau das erlebe ich immer wieder. Eltern, die mit der Ausbildung angefangen haben, weil sie ihrem eigenen Kind helfen wollten – und die heute anderen Familien genau das geben, was sie selbst so dringend gesucht haben: kompetente, einfühlsame Begleitung. Bei mir war es genauso.

Du musst diesen großen Schritt heute nicht entscheiden. Aber es lohnt sich zu wissen: Die Tür steht offen.

Neugierig, wie das konkret aussieht?

In der Ausbildung zur Legasthenie-Trainerin / zum Legasthenie-Trainer lernst du Schritt für Schritt, wie wirksame Förderung funktioniert – von der ersten Einschätzung bis zum fertigen Trainingsplan.

Ehrlich gesagt: Es passt nicht für jede Familie

Jetzt kommt der Teil, in dem ich ehrlich sein muss. So überzeugt ich davon bin, dass Eltern ihre Kinder mit LRS fördern können – es funktioniert nicht in jeder Familie. Und das vorher zu wissen, erspart dir viel Frust.

Die entscheidende Frage ist: Wie läuft das Lernen bei euch zu Hause?

Wenn ihr euch zusammen an den Tisch setzt und es grundsätzlich klappt – wenn dein Kind dir zuhört, wenn ihr arbeiten könnt, ohne dass es jedes Mal in Streit und Tränen endet – dann hast du eine gute Basis. Dann kannst du mit dem richtigen Wissen und der richtigen Struktur richtig viel bewegen. Dann ist dein „Ja“ ein echtes Ja, und du solltest weiterlesen.

Wenn aber schon die Hausaufgaben regelmäßig zum Machtkampf werden, wenn dein Kind bei dir dichtmacht und sagt „Mit dir lerne ich nicht!“, wenn jede Übungseinheit in Vorwürfen endet – dann ist das fachliche Wissen gar nicht das Problem. Dann ist es die Beziehungsdynamik. Und die ändert auch die beste Ausbildung nicht von heute auf morgen.

Das ist kein Versagen. Manche Kinder brauchen eine Fachkraft von außen – jemanden, der nicht Mama oder Papa ist, bei dem keine gemeinsame Vorgeschichte mitschwingt. Wenn das bei euch so ist, ist es völlig in Ordnung, sich Unterstützung von außen zu holen. Kein Grund, sich schlecht zu fühlen.

Sei also ehrlich zu dir: Funktioniert das Lernen mit deinem Kind grundsätzlich? Wenn ja – dann hast du eine echte Chance. Und vielleicht sogar mehr als das.

Eine Ausbildung machen – und mehr als nur deinem Kind helfen

Wenn du gemerkt hast „Das Lernen mit meinem Kind funktioniert bei uns eigentlich gut“, dann bewirkst du mit einer richtigen Ausbildung am meisten – für dein Kind und womöglich weit darüber hinaus.

Vielleicht gehen dir jetzt diese Fragen durch den Kopf: Schaffe ich das überhaupt neben Job und Familie? Bin ich dafür qualifiziert genug? Berechtigte Fragen – und meine ehrliche Antwort darauf:

Unsere Ausbildung zur Legasthenietrainerin ist als Fernlehrgang konzipiert und so aufgebaut, dass du sie in deinem eigenen Tempo neben dem Alltag absolvieren kannst. Du lernst alles von der Förderdiagnostik bis zum angewandten Training – praxisnah und genau das, was du brauchst, um Schritt für Schritt zu wissen: Hier steht mein Kind, und das ist der nächste Schritt. Dabei wirst du persönlich begleitet, von Menschen, die wissen, wovon sie reden.

Das Wichtigste bringst du längst mit: den Wunsch, deinem Kind zu helfen, und die Bereitschaft, dazuzulernen. Das Fachliche bringen wir dir bei.

Und die Investition? Die komplette Ausbildung liegt bei 899 €. Ein Jahr Lerntherapie kostet dich in der Regel rund 3.000 € – und oft reicht ein Jahr nicht aus.

Das Wissen aus der Ausbildung bleibt dir. Es hilft deinem Kind über Jahre. Und wenn du irgendwann magst, eben nicht nur deinem eigenen Kind.

Und wer weiß: Vielleicht beginnt mit dem ersten Schritt für dein eigenes Kind etwas, das eines Tages viel mehr Kindern hilft. Bei mir war es genauso.

Du willst es richtig lernen?

Hier findest du alle Infos zur Ausbildung zur Legasthenie-Trainerin / zum Legasthenie-Trainer.

Petra Rodenberg

Petra Rodenberg

Ich bin Bildungswissenschaftlerin, Lerntherapeutin (M.A.), Lifecoach und Heilpraktikerin. Seit über 15 Jahren begleite ich Kinder mit Lern- und Rechenschwierigkeiten und bilde Lerncoaches sowie Legasthenie- und Dyskalkulietrainer:innen aus. Ich bin überzeugt: Ein gut informierter Erwachsener kann das Leben eines betroffenen Kindes grundlegend verändern. Deshalb blogge ich seit fast zehn Jahren und halte Vorträge, um mein Wissen weiterzugeben und Mut zu machen.

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