Rechenschwäche bei Kindern – 4 Erfolgsschritte!

Rechenschwäche bei Kindern

Rechnen lernen beginnt mit Anfassen – Was Kinder mit Rechenschwäche wirklich brauchen

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Jahre als Lerntherapeutin. Viel Theorie im Gepäck, einen Rucksack voller guter Absichten – und trotzdem stand ich oft da wie auf einer Baustelle ohne Bauplan. Kinder mit Rechenschwäche? Gab’s kaum Informationen. Also las ich, probierte aus, sortierte neu. Und irgendwann stieß ich auf ein Modell, das bis heute mein Denken prägt: die vier Schritte von Hans Aebli.

Kein Hokuspokus – aber ein klarer, strukturierter Weg.
Und genau den möchte ich heute mit dir teilen.

Rechenschwäche verstehen: Warum die Reihenfolge entscheidend ist

Kinder mit Rechenschwäche kämpfen nicht, weil sie „einfach nicht aufpassen“. Oft fehlt ihnen etwas Grundlegendes: ein echtes Zahlverständnis. Wenn wir ihnen dann das kleine Einmaleins „einfach nur beibringen“, ist das, als wollten wir das Dach auf ein Haus setzen, das noch kein Fundament hat.

Deshalb gilt:
Rechenschwäche bei Kindern braucht eine klare, nachvollziehbare Förderstruktur.
Hans Aebli beschreibt dafür vier aufeinander aufbauende Denkstufen:

  1. Handeln

  2. Vorstellen

  3. Arbeiten mit Symbolen

  4. Automatisieren

Klingt simpel? Ist es auch. Und gleichzeitig unglaublich kraftvoll – wenn man sich an die Reihenfolge hält.

 

❓ FAQ – Typische Fragen zur Rechenschwäche

Was hilft Kindern mit Rechenschwäche wirklich?
Ein strukturierter Förderansatz: Zuerst handeln, dann vorstellen, dann symbolisch arbeiten und zuletzt automatisieren. Ohne diese Reihenfolge entstehen Lücken im Rechenverständnis.

Warum bringt Auswendiglernen bei Rechenschwäche wenig?
Weil das Kind die Bedeutung der Zahlen nicht versteht. Ohne Zahlensinn wird das Rechnen zu einem starren Abruf – ohne Verknüpfung, ohne Verständnis.

Warum braucht man bei Rechenschwäche eine gezielte Förderdiagnostik?
Weil Rechenschwäche mehr ist als „falsches Rechnen“.
Ohne gezielte Diagnostik übersieht man leicht, wo genau das Kind ins Stolpern kam – und landet mit der Förderung oft im Leeren.

Wann ist ein Kind bereit fürs Kopfrechnen?
Erst wenn es sich Mengen sicher vorstellen und mit Symbolen sicher arbeiten kann. Kopfrechnen setzt innere Bilder und echte Zahlbeziehungen voraus – nicht bloß das Abrufen von Aufgaben.


Rechenschwäche bei Kindern – Schritt eins: Handeln

Arbeit mit Material ist super! Allerdings nicht stumpfes Hinlegen von Plättchen und Co. Es geht darum, zunächst zu handeln und dabei nachzuvollziehen, was man tut. Das geht prima mit Geschichten und bereitet auch schon auf spätere Textaufgaben vor.

Auch Mengen werden zuerst durch Handeln erfahren. Gegenstände zählen mit der Ziffer und dem Zahlwort verbinden. Etwas dazulegen oder etwas wegnehmen.

Die Zerlegung von Mengen kann ebenfalls so geübt werden.

Was kann ich alles aus einer 7 machen?

Da sind die beliebten Zahlenhäuser, in die die Zerlegungen eingetragen werden, nicht sonderlich hilfreich. Die Mengen müssen handelnd zerlegt werden. Mit Plättchen, Büroklammern, Erbsen, Legosteinen oder was auch immer zur Hand ist.

Mehr dazu findest du im Artikel Zahlenchunks.

Rechenschwäche bei Kindern Schritt zwei: Vorstellen

Rechnen ist nun mal was Abstraktes. Kinder müssen sich bestimmte Dinge vorstellen können, um sich vom Handeln zu verabschieden.

Ein Beispiel:

Das Kind hat häufig mit Plättchen die Menge 7 in 3 und 4 zerteilt. Nun soll es die Aufgabe 3 + 4 rechnen. Das ist Schritt drei – arbeiten mit Symbolen.

Dieser Schritt ist hier zu früh. Das Kind muss sich die Handlung vorstellen und sie vielleicht sogar zeichnen, um sie zu verinnerlichen.

Dazu gehört zu verstehen, dass 4 Elefanten und 4 Erbsen die Menge 4 darstellen. Auch wenn die 4 Elefanten sicherlich mehr Volumen haben und für ein Kind viel mächtiger wirken.

Schritt drei:  Arbeiten mit Symbolen

Erst wenn ein Kind sich wirklich vorstellen kann, was sich hinter einer Ziffer oder einem Rechensymbol verbirgt, kann es mit dem Symbol arbeiten. Stell dir mal vor, wir würden die Ziffern durch andere Symbole ersetzen.

2|”   3|§    4|%    5|&     6|?     7|(      8|;

Dann rechne mal:

” + § =

§ + % =

” + & =

Musstest nachschauen? Klar! Du müsstest die neuen Symbole erstmal lernen. Dabei wär das für dich relativ leicht, da du ja sehr wahrscheinlich weißt, welche Menge sich hinter den Symbolen verbirgt.

Rechenschwäche bei Kindern ist vielschichtig, daher ist es so wichtig, dass wir uns an die Abfolge halten.

Schritt vier: Automatisieren

Erst jetzt kannst du anfangen zu automatisieren. Symbole, Rechenzeichen und die Handlungen, für die sie stehen, wurden in den ersten drei Schritten angelegt und verstanden. Dann macht es Sinn, mit den Kindern zum Automatisieren zu gehen. Sonst ist es eher schädlich.

Stell Dir vor, ein Kind in der 1. Klasse lernt fleißig die Aufgaben im Zahlenraum bis 20 auswendig. Damit kommt es vielleicht kurzfristig durch.

Schlimmer noch. Niemanden fällt auf, dass das Kind es nicht verstanden hat. Alle Ampeln stehn auf grün. Bis dann auf einmal der Zahlenraum größer wird. Wir haben dann manchmal das Gefühl, dass die Leistung plötzlich zusammenbricht. Dabei war das Problem die ganze Zeit unter der Oberfläche.

Wenn die Kinder dann zu uns in die Förderung kommen, müssen wir zunächst erkennen, wo sie auf ihrer Reise ins Rechenland ausgestiegen sind. Das ist immer ein wenig Detektivarbeit. Aber der wichtigste Schritt, um sinnvoll zu helfen.

Du willst noch mehr dazu wissen?

Du bist Lehrkraft, pädagogische Fachkraft, Therapeut:in, Coach oder Elternteil? Dann hol dir unbedingt unseren kostenfreien Videokurs Fahrplan Dyskalkulie.

In 4 Videos und einem Workbook haben wir für dich ein Grundwissen Dyskalkulie zusammen gestellt.

Du willst mehr darüber wissen, wie du Kinder mit Dyskalkulie erfolgreich fördern kannst? Dann hol dir unseren kostenfreien Fahrplan Dyskalkulie. In 4 Videos erklären wir dir die wichtigsten Basics zum Dyskalkulietraining.

3 Antworten

  1. Ich heiß Ute meine Tochter Lea ist 13 jahre alt hat eine rechenschwäche sie geht auch auf eine Förderschule die im letzten ja erst erkannt wurden ist

    1. Liebe Ute,
      leider ist die Informationslage zur Dyskalkulie immer noch dürftig. Hier auf dem Blog findest Du viele Artikel zum Thema um Dich zu informieren. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Stöbern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Möchtest du noch mehr

Lesestoff?

Dann findest du hier noch weitere hilfreiche und interessante Artikel!

6 KI-Prompts für Lerntherapie & Förderung - sofort nutzbar, ohne Technikkenntnisse

Erhalte 6 einfach anwendbare Prompts, mit denen du Gespräche blitzschnell dokumentierst, dein Material organisierst und dein Angebot klar vermittelst.

 

Das Worbook ist natürlich kostenlos!

Kostenfreier Videokurs

Einführung ins Lerncoaching

5 Videos, 1 Workbook und Zugang zur 

FB-Gruppe!