Der Aufbau eines sicheren Zahlenverständnis und Mengenbegriffs gehört zu den Grundlagen des Rechnens. Kinder mit Dyskalkulie sind oft zählende Rechner. Häufig heißt es spätestens in der 2. Klasse, dass die Kinder nicht mehr zählen sollen. Und es wird teilweise sogar verboten! Das ist  nicht hilfreich. Die Kinder zählen dann heimlich. Entweder sie klopfen mit den Füßen, sie nehmen unter dem Tisch die Finger zur Hilfe, zupfen an den Haaren etc. Was nur dazu führt, dass das Zählen sich verfestigt, da es ja niemand sieht. Wichtiger ist es, den Kindern neue Strategien zu geben, mit denen sie sich vom zählenden Rechnen lösen können. Dazu ist ein sicheres Zahlenverständnis die erste Voraussetzung. Nach Prof. Kristin Krajewski baut  Zahlenverständnis sich in drei Stufen auf. 

Zahlenverständnis Stufe: 1 Zählen

Stufe eins ist das sichere Zählen. Die Kids müssen sich in der Zahlwortreihe orientieren können. Dazu gehört es, richtig vorwärts und rückwärts zählen zu können. Anders gesagt, bevor ein Kind sich vom zählenden Rechnen lösen kann, muss es richtig gut zählen können. Im Zahlenraum bis 10 können das die meisten Kinder bei Schuleintritt. Zählen sollte Spaß machen und in den Alltag integriert werden. Ihr könnt Stuhlbeine zählen, Gabeln, Messer oder gelbe Autos. Wichtig ist oft zählen und möglichst verschiedene Dinge zählen, damit sich  die Einsicht einstellt: Zählen ist immer gleich, egal was ich zähle. In den Dyskalkulie-Materialien findet Ihr eine Zahlentreppe, die könnt Ihr ausdrucken und mit Strichlisten zählen. Das habe ich auch im Artikel Zehnerübergang erklärt.

Klappt’s mit dem Zählen, sind die Mengen an der Reihe.

Zahlverständnis Stufe 2: Mengen

Nachdem das Kind die Zahlwortreihe kann, müssen die Zahlen mit den Mengen verknüpft werden. Für viele Kinder endet der Ausflug ins Rechenland hier bereits. Ich kenne genug Kinder, die hier stecken geblieben sind. Das Schlimme ist, durch eine frühzeitige Automatisierung der Aufgaben im Bereich bis 20, wird dieses Problem kaschiert. Wird die Dyskalkulie erst in Klasse drei entdeckt, müssen wir im Dyskalkulietraining zunächst versuchen, die Automatisierung zu “entlernen”, um einem tieferen Verständnis Platz zu machen. Das ist eine klare Unterscheidung zur Nachhilfe. Aber auch der entscheidende Unterschied. Löse ich dieses Grundproblem nicht, wird das Kind auf lange Sicht immer wieder Probleme entwickeln.

Der Aufbau von Mengenverständnis gelingt durch häufiges Abzählen und Auszählen konkreter Mengen. Dabei bitte nicht nur Punkte auf dem Papier einkreisen, sondern mit richtigen Mengen arbeiten. Ich nehme die unterschiedlichsten Dinge. Weiße Bohnen haben sich bei mir bewährt. Auch Murmeln, Büroklammern oder Nudeln sind gute Arbeitsmaterialien.

Ich nutze wirklich alle möglichen Alltagsmaterialien. Tolle Anregungen findet Ihr auch bei Mandy Fuchs . 

Mathematik und Rechnen müssen raus aus dem Elfenbeinturm und rein in den Alltag. Pädagogen finden auch bei Klaus Rödler tolle Anregungen.

Denn wir wollen erreichen, dass ein Kind, wenn es die Ziffer 5 sieht, in seinem Kopf eine Vorstellung hat. Dann haben wir unser Ziel erreicht.

Zahlenverständnis Stufe 3: Zahlbeziehungen

Nun lernen die Kinder Verdoppeln und Halbieren. Größer und Kleiner, Mehr und Weniger. Diese Beziehungen der Zahlen untereinander brauchen wir fürs Rechnen.

Hat ein Kind alle drei Stufen verinnerlicht, hat es ein gutes Zahlenverständnis aufgebaut.

Dabei sollte der Aufbau der drei Stufen dem gleichen Prinzip folgen. Zunächst einmal Handeln, dann Zeichnen und dann die Handlungen im Kopf nachvollziehen. Erst dann sollte mit Symbolen (Rechenzeichen und Ziffern) gerechnet werden.

Ein letzter Hinweis:

Wir müssen uns von den Kindern immer wieder erklären lassen, was sie tun. So beugen wir falschen Rechenwegen vor.