Viele Kindern scheitern beim Rechnen, wenn in der Grundschule der Zehnerübergang ansteht. Pädagogen und Eltern verzweifeln dann oft und wissen nicht mehr weiter. Egal wie man es erklärt, der Nachwuchs oder Schüler versteht es nicht oder hat es am nächsten Tag wieder vergessen. Da werden dann die Finger zur Hilfe genommen oder es wird heimlich unterm Tisch gezählt.
Der Zehnerübergang stellt für viele Kinder eine Herausforderung dar. Ich zeige Dir, wie Du es Kindern  leichter machen kannst. 

Zehnerübergang in Plus und Minus

Irgendwann in der ersten Klasse wird das Rechnen bis Zwanzig eingeführt. Das bringt zwangsläufig den Zehnerübergang mit sich. Spätestens hier trennen sich die Einsichten von schwachen und guten Rechnern. Eine Studie zeigt, dass am Ende der ersten Klasse schwache Rechner ca. 80 % der Aufgaben noch zählend lösen. Sie können es aber häufig sehr gut verbergen, sodass wir in diesem Moment noch gar nicht unbedingt auf das Dilemma aufmerksam werden. Erst wenn Minus- und Plusaufgaben vermischt werden, bricht das System auf einmal zusammen und die offensichtlichen Rechenfehler nehmen zu. 

Drei Schritte zurück!

Das ist leider das einzige, was wirklich hilft. Sowohl das Auswendiglernen von Aufgaben, als auch die Zerlegung der Zahlen im Sinne von 7 + 8 = 7 + 3 + 5 = 10 + 5 = 15 machen nur Sinn, wenn die vorherigen Schritte im Zahlenraum verinnerlicht sind. Hier ist Fingerspitzengefühl bei Pädagogen gefragt, um nicht den Grundstein für eine problembelastete Rechenbeziehung zu legen. Bevor Kinder den Zehnerübergang verstehen können, muss ihnen der Zusammenhang zwischen Menge und Zahl klar sein. Genauso wichtig ist es Mengen strukturieren zu können. Sonst übst Du mit Deinem Kind oder mit Kindern in der Förderung Strategien ohne Ende und spätestens nach einer Woche ist alles wieder weg. 

Mengenverständnis und Zehnerübergang

Am Verständnis von Menge und Zahl scheitern viele Kinder. Nehmen wir die Menge fünf. Für viele Kinder ist die Fünf einfach die Zahl zwischen Vier und Sechs. Die Kinder können dann in der Regel die Ziffer 5 schreiben und auch bis zur 5 zählen, aber nicht mit der 5 als Menge rechnen. Sie beginnen mit dem Zählen immer wieder von vorn. Die Aufgabe 3 + 5 lösen sie dann, indem sie bis drei zählen und mit den Fingern, mit Material oder evtl. sogar im Kopf, um fünf weiter zählen. Diese Kinder haben die Anzahl nicht mit der Ziffer verknüpft. Dies ist aber für den weiteren Rechenweg unerlässlich. 

Mengen, Ziffern und Strukturen verinnerlichen

Mit einer guten alten Strichliste kann man Kindern hier ganz einfach helfen. Es macht Sinn, schwachen Rechnern den Zahlenraum zuerst in Fünferschritten zu erschließen. Die fünf als Unterteilung ist eine gute Hilfe. Fünf Finger sind an einer Hand. Später kann man das nutzen, um die Zehn in zweimal Fünf zu zerlegen. Kinder können alles zählen, was ihnen Spaß macht. Zählen sie zum Beispiel alle Türklinken in der Wohnung, können sie bewaffnet mit Stift und Zettel umherlaufen und für jede Türklinke einen Strich machen. Nach einiger Zeit kann man den Fünferstrich einführen. Also jeder 5. Strich wird quer gemalt, das hilft dem Kind, den Zahlenraum zu strukturieren.
Zehnerübergang
Auch Erwachsene erkennen Mengen über 5 selten auf einen Blick. Sinnvoll ist es, diese Strichlisten mit den passenden Ziffern zu versehen. Also neben sieben Striche schreibe ich die Ziffer 7. Wenn man täglich Zähl- und Strukturierungsübungen in dieser Form macht, gelingt es Kindern zum einen besser den Zahlenraum zu erfassen und zum anderen werden die Ziffern mit den dazugehörigen Mengen in Verbindung gebracht. Melde Dich für die kostenfreien Dyskalkulie Materialien an. Dort findest Du neben den Zahlentreppen viele hilfreiche Materialien zum Download.

Weitere Übungen zur Mengenerfassung

  1. Klatschen oder Tippen. Du klatschst dreimal und das Kind zählt mit. Dann bittest Du das Kind, dass es einmal weniger klatschen soll, oder auch einmal mehr. Hier werden Zahlwort und Anzahl zusammengebracht.
  2. Nimm einen undurchsichtigen Beutel und gib z. B. 3 Murmeln hinein. Nun zählt das Kind. Dann kann eine Murmel hinzugefügt und erneut nach der Anzahl gefragt werden.
  3. Ein Memory aus Ziffern und Bildern macht den meisten Kindern ebenfalls viel Spaß. Das kann man gemeinsam basteln oder für weniger Kreative im Netz ausdrucken.

Weiter zum Zehnerübergang

Erst wenn Menge, Anzahl und Struktur verinnerlicht sind macht es Sinn, mit der Zahlzerlegung – wie oben gezeigt – am Zehnerübergang zu arbeiten. Erst dann kann ein Kind diesen Schritt nachvollziehen und lernt nicht nur auswendig. Ich weiß, dass Geduld häufig schwierig ist, da die Schule im Stoff weitergeht. Dann wird oft versucht, das Thema mit dem Kind zu vertiefen, das gerade in der Klasse behandelt wird. Das führt aber immer wieder zu Frust und wird am Ende das Kind nicht weiterbringen, sondern eher dafür sorgen, dass sich die Matheproblematik durch die gesamte Schullaufbahn zieht. Ein Trost ist für Dich vielleicht, dass es – wenn die Voraussetzungen erarbeitet sind – auch mit dem Zehnerübergang schneller geht.
Die Zahlzerlegung kann dann auch mit Material – Bohnen, Murmeln, Perlen etc. – unterstützt werden. Beim Arbeiten mit Material musst Du darauf achten, dass das Kind regelmäßig beschreibt was es tut. Dieses Beschreiben hilft Dir, die Gedanken des Kindes nachzuvollziehen und dem Kind, sich aktiv mit dem was es tut, auseinanderzusetzen und nicht nur mechanisch Perlen zu zählen. 

Ein paar Gedanken zum Schluss

Lernen ist ein Prozess, der am besten gelingt, wenn ein Kind neugierig ist und Dinge aus eigenem Antrieb wissen möchte. Das wird aber nicht geschehen, wenn es sich als Versager fühlt und ständig für seine Leistungen bewertet wird. Von Klaus Rödler stammt folgender Satz, den ich hier gerne teilen möchte: „Es geht im Moment nicht mehr!“ Das bedeutet, morgen kann die Welt ganz anders aussehen. Alle Kinder entwickeln sich und nicht alle Kinder haben zur gleichen Zeit den gleichen Entwicklungsstand, nur weil der Lehrplan das vorsieht. Wichtig ist, dass ein Kind sich nicht schlecht oder schuldig fühlt, weil es wieder etwas falsch gemacht hat.
Lernen kann nur gelingen, wenn es dem Kind gut geht und es sich in seiner Situation angenommen fühlt. Das gilt auch bei schwachen Rechnern. Probleme mit dem Zehnerübergang können wie alle anderen Rechenprobleme erst gelöst werden, wenn die Grundlagen gelegt sind. Wenn Dein Kind noch nicht soweit ist, dann gib ihm die Zeit, die es braucht. Versuch das Zählen interessant zu machen, damit seine Neugier eine Chance hat. Weitere Infos findest Du im Webinar „Superheld in Mathe trotz Dyskalkulie“. Die Aufzeichnung findest Du ebenfalls im kostenlosen Materialbereich.

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7 Antworten

  1. Danke erstmal vorweg für die tollen Tipps. Wissen sie ob, wenn eine Dyskalkulie diagnostiziert wurde, dies an Berliner Grundschulen berücksichtigt wird, oder kann man davon ausgehen das das Kind oftmals eine Klassenstufe wiederholen muss? Um eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jennifer Michalczik

    1. Liebe Jennifer, leider habe ich keine Kenntnisse wie es in Berlin gehandhabt wird. In Bayern gibt es für die Dyskalkulie keine Berücksichtigung. Allerdings sollte wegen einer Dyskalkulie auch keine Klassenstufe wiederholt werden müssen. Soweit ich informiert bin kann in Berlin über das Jugendamt eine Förderung beantragt werden.

  2. Hallo und vielen Dank für die vielen Tipps!
    Ist der Link nicht mehr offen bzw sind die Daten nicht mehr abrufbar oder kann ich den Link nur nicht öffnen? Viele Grüße

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