Heute schreibe ich zu einem Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Weniger Fehler trotz Legasthenie!
Ich trainiere nun schon lange mit Kindern, die mit der Rechtschreibung kämpfen – egal ob mit oder ohne LRS-Diagnostik – daher weiß ich, wie viel Eltern und Kinder oft leisten. Trotzdem geht es manchmal nur schleichend vorwärts.

Eine alte afrikanische Weisheit sagt:

Das Gras wächst nicht schneller, weil man daran zieht!

Auch wenn wir das manchmal gerne  hätten. Der beste Lernthearpeut kann das nicht ändern. Wir können aber durch eine gute Förderdiagnostik eine systematische Förderung aufbauen und so vielen Kindern mit Rechtschreibproblemen das Leben leichter machen.

Ich weiß auch, dass nicht alle Kinder in den Genuss einer Förderung kommen. Die Finanzierung durch Jugendämter ist eingeschränkt. Andere Kinder haben keinen Therapieplatz in erreichbarer Nähe.

Ich habe hier für Dich eine Möglichkeit zusammengestellt, wie Du zunächst einmal selber mit Deinem Kind arbeiten kannst.

Allerdings ist es dabei wichtig, dass die Beziehung stimmt. Machtkämpfe und Verdrossenheit haben beim Üben nichts zu suchen. Das ist ein anderes Thema.

Falsches Üben demotiviert und kostet Zeit

Ich ärgere mich immer wieder, wenn ich sehe, dass Kinder ineffektives Übungsmaterial haben. Das führt dazu, dass die Kinder zu wenig Erfolge sehen und immer demotivierter werden. Dabei ist es völlig egal, ob eine LRS-Diagostik vorliegt oder nicht.

Das muss nicht sein!

Also fangen wir an. Ich breche diese Methode jetzt so herunter, dass Du als Laie sie sofort anwenden kannst. Liebe Fachbesucher, ich weiß, dass ich es vereinfacht darstelle, aber das reicht an dieser Stelle aus.

Üben mit System

Wichtig ist zunächst einmal, dass Du eine Idee von der Art der Fehler bei Deinem Kind bekommst. Ich erspare Dir jetzt die Fachbegriffe. Für Deine Zwecke reicht es, wenn Du die Fehler in drei Kategorien einteilst.

  • Mitsprechen

 

  • Regeln

 

  • Lernen

 

Kategorie 1: Mitsprechen

Mitsprechfehler sind alle die Fehler, die man bei genauem Mitsprechen hören kann. Das sind z.B. falsche Buchstaben und doppelte Mitlaute.

Plume statt Blume

Sone statt Sonne

Kaze statt Katze.

 

Wichtig!

Nur Fehler, die man wirklich hören kann! Komt mit einem m gehört nicht in diese Kategorie, da das Kind ja hier das zweite m nicht hören kann.

Ich hänge dir unten eine pdf  an, da kannst Du Dir das nochmal ausdrucken.

 

Lautfolgen das sind die Folgen st, sp sch und qu. Viele Kinder haben hier ihre Probleme.

Aus der Speise wird dann schon mal die Schbeise und aus dem Quark der Kwark.

 

-ie am Ende einer Silbe

Diese Fehler sind schon schwieriger, weil nur ca. 70% der langen -i auch mit einem – ie verschriftet werden. Trotzdem ist es lohnenswert es zu trainieren.

 

Kategorie 2: Regeln

Neben dem Mitsprechen kommen wir ohne Rechtschreibregeln nicht aus. Wir sollten sie aber möglichst gering halten, wenn sich die Rechtschreibung als schwierig erweist. Die meisten Kinder mit einer LRS-Diagnostik oder anderen Rechtschreibproblemen können sich die Regeln zwar merken, schaffen es aber nicht sie anzuwenden.

 

Ich würde mich an Deiner Stelle  auf wenige Regeln konzentrieren und dabei die nehmen, die auf Grund ihrer Häufigkeit der Fehler, das größte Verbesserungspotential haben.

 

Bei vielen Kindern ist das unter anderem die Großschreibung.

In diese Kategorie fallen alle kleingeschriebenen Nomen. Übungsmöglichkeiten findest Du hier. 

Verlängern ist ebenso eine der Regeln, die ein großes Potential haben.

In diese Kategorie fallen alle Wörter, die am Ende anders gesprochen als geschrieben werden.

Korp –  Korb

komt – kommen

Wek – Wege

Dann gibt es die sogenannte Ableitungen. Man leitet ein Wort von einem anderen Wort ab.

Beume – von Baum, daher Bäume

schleft – von schlafen, daher schläft

 

Vorsilben können auch sehr lohnenswert sein. In dieser Rubrik finden sich Fehler, über die Du Dich bei Deinem Kind bestimmt auch schon geärgert hast.

fergessen – vergessen

vortlaufen – fortlaufen

Uhroma – Uroma

 

Kategorie 3: Lernen

Hier fallen alle Wörter rein, bei denen man nicht hört, wie sie geschrieben werden und für deren Schreibung es keine Regel gibt.

Meer, Sohn, viele, Vase usw.

 

Was hilft mir das jetzt?

Fragen Eltern mich oft an dieser Stelle. Bitte noch ein wenig Geduld. Es kommt gleich.

Ich schreibe jetzt  einen Satz aus einem beliebten deutschen Rechtschreibtest auf. Ich habe ihn so bei einem Schüler gefunden.

Ein schportlicher zwerk, rante schon fole fünf Stunden, kwer duch eine Wise. Ein Kind fersperte im den weg.

Mitsprechfehler: schportlicher, folle, kwer, duch, Wise,

Regelfehler: zwerk, rante, fersperte, weg

Lernen: im, fole,

Wir sehen, hier wurden viele Mitsprech-, Regel- und Lernfehler gemacht.

Wäre dies jetzt ein Schuldiktat, müsste das Kind wahrscheinlich alle Wörter verbessern. Evtl. dreimal oder fünfmal abschreiben.

Läuft es  blöd, tauchen dabei wieder Fehler auf, es gibt Tränen und das Schlimmste ist, dass die Übung in der Regel keinen Lerneffekt hat.

Kinder mit Rechtschreibproblemen lernen weder durch vermehrtes Abschreiben noch durch vermehrtes Lesen wie ein Wort richtig geschrieben wird.

Sinn macht es, die Fehler sortiert nach Mitsprechen, Regel und Lernen zu bearbeiten.

Wichtig ist dabei, das immer eine Fehlerart bearbeiten wird. Wenn dieser Fehler nicht mehr vorkommt, geht man zum nächsten.

Nur so werden Kinder mit Rechtschreibproblemen einigermaßen sicher schreiben lernen.

 

Beispiel doppelte Mitlaute

 

Zunächst geht es um die doppelten Mitlaute, die man hören kann. Dazu gehört z.B. Sonne, oder auch volle. Hier gehören noch keine Verlängerungsübungen wie kommt –  kommen hin.

Bei genauem silbenbetontem Sprechen, kann man das doppelte N bzw, L hören. Es gibt viele Übungen zu dem Thema.

Dein Kind hat keine Lust und findet die Übungen öde? Dann versuche es mal mit einer Zielvereinbarung. Zielvereinbarungen motivieren nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder.

Das Ziel alle hörbaren doppelten Mitlaute im nächsten Aufsatz oder Diktat richtig zu schreiben ist überschaubar und erreichbar.

Somit kann sich sehr zügig ein Erfolg einstellen. Bearbeitet Ihr das Thema über 3-4 Wochen regelmäßig, 10 Minuten am Tag, wird sich kaum Frust einstellen, da sich greifbar für Dein Kind etwas verbessert. Selbst wenn die Note des Diktats nicht besser ist, kann Dein Kind mit der oben beschriebenen Tabelle sehen, die Spalte doppelter Mitlast ist leer. Ziel erreicht! Dann kann das nächste Ziel in Angriff genommen werden.

 

Bloß keine Belohnung!

Für das erreichte Ziel eine Belohnung in Aussicht zu stellen, ist kontraproduktiv. Klar freut sich das Kind, wenn es die Belohnung bekommt. Schafft es das Ziel nicht ganz ,wackelt die Belohnung und es passieren zwei Dinge:

  • Die Belohnung kommt nicht, das empfinden viele Kinder als Strafe!
  • Das Kind lernt nicht sich selber zu motivieren!

 

Wie geht es weiter?

Erst wenn die Mitsprechfehler behoben sind, solltest Du anfangen mit Deinem Kind die Regelfehler zu bearbeiten.

Eine Ausnahme ist die Großschreibung der Nomen. Wenn an dieser Stelle sehr viele Fehler auftreten, kannst Du nach der Festigung des doppelten Mitlautes damit beginnen.

Richtiges Training bei Rechtschreibproblemen

  • . . . beginnt immer auf der untersten Stufe, die Probleme bereitet. In der Tabelle links oben.
  • . . . bearbeitet immer nur ein Thema und das geduldig, so lange bis das Kind es kann.
  • . . . wiederholt gelegentlich alte Themen.

 

Hast Du Fragen zum Training? Schreibe sie in den Kommentar, dann kann ich Dir weiterhelfen.