“…unb gestern spielten wir deibe braußen”. Viele Kinder können die Buchstaben b und d nicht auseinanderhalten, so entstehen viele Rechtschreibfehler. Ist das ein Zeichen von Legasthenie? Nicht unbedingt – auch Kinder, die nicht von LRS betroffen sind, können diesen Fehler lange machen.

Das Problem liegt in der Entwicklung des Gehirns. Auch wir kennen solche Phänomene. Eine Tasse bleibt eine Tasse egal ob der Henkel nach links zeigt oder nach rechts. Da es für uns keine Rolle spielt, nimmt das Gehirn die Information auch nicht wahr. b und d sind so ähnlich, dass aus der Tassenperspektive gesehen beide gleich sind. Daher fällt es Leseanfängern besonders schwer, sie auseinander zu halten.

 

 

Viel geübt – aber die Verwechslung von b und d bleibt

. . . und damit auch die Rechtschreibfehler! Immer wieder höre ich, dass Kinder trotz eines erheblichen Übungsaufwandes das Problem nicht überwinden. Das kann manchmal dazu führen, dass wir als Eltern uns ärgern oder auch die allseits beliebte Konzentration ins Feld führen. Aber daran liegt es nicht. Das Gehirn spielt den Kindern bei vermehrtem Üben der beiden ähnlichen Buchstaben einen Streich. Schuld daran ist die sogenannte Ähnlichkeitshemmung, die in der Wissenschaft auch als Ranschburg Phänomen bekannt ist.

 

 

Das Ranschburg Phänomen

Der ungarische Psychologe Paul Ranschburg hat dieses Phänomen zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt. Es beschreibt im Prinzip, dass ähnliche Lerninhalte, die zeitnah gelernt werden, sich überlagern und dann nicht korrekt abgerufen werden können. Dieses Phänomen betrifft natürlich nicht nur ähnliche Buchstaben sondern alle Lernthemen, die zu Verwechslungen führen können.

Somit haben b und d schon zwei Probleme.

  • Tassenperspektive und
  • Ähnlichkeitshemmung

Aber in der Formulierung von Paul Ranschburg findet sich bereits eine Lösung des Problems – zeitnahes Lernen ähnlicher Inhalte. Das heißt, alle Übungen, die versuchen beide Buchstaben auf einmal zu begreifen, werden das Problem in der Regel verschärfen und nicht lösen. Daher zeige ich Dir jetzt, mit welchen Übungen ich in der Praxis gute Erfolge habe.

 

 

Richtig üben

Kinder können leider erst nur einen der beiden Buchstaben lernen. Alle Eselsbrücken wie das b hat einen Bauch und das d trägt einen Rucksack können nicht zum Erfolg führen. Wähle mit Deinem Kind einen der beiden Buchstaben aus und erfinde eine Geschichte zu ihm. Ich habe eine Präferenz mit dem d zu anzufangen, einfach weil sehr viele Wörter mit d beginnen – der, die, das, dann, deshalb usw.

Ob er – der ausgewählte Buchstabe – nun der neue beste Freund ist oder als Actionfigur gute Dienste leistet, ist dabei völlig egal. Wichtig ist, dass die Geschichte Deinem Kind gefällt. Dann lass Dein Kind das d in den verschiedensten Farben und Größen auf unterschiedliche Zettel malen und platziere diese Zettel überall in der Wohnung, sodass Dein Kind ihn permanent vor Augen hat.

Das Ansehen alleine reicht nicht. Es sollte den Buchstaben auch immer wieder als d benennen, damit die Verknüpfung im Gehirn entsteht. Gerne kann das auch wieder mit der Geschichte in Zusammenhang gebracht werden, zum Beispiel mein Freund d geht jetzt mit mir Zähne putzen. Ihr solltet solange nur mit einem der beiden Buchstaben üben, bis dieser wirklich sitzt. Das sind in der Regel mindestens vier Wochen. Oft braucht ein Kind auch länger.

 

 

Arbeitsblätter zum Rechtschreibfehler b und d

Natürlich kann man zusätzlich mit klassischen Arbeitsblättern arbeiten. Du musst aber darauf achten, dass diese nur einen der fraglichen Buchstaben enthalten.

Dein Kind soll nun alle d einkreisen. Solche Tabellen kannst Du in Excel einfach selber erstellen.

In diesen Sinne wünsche ich Euch viel Spaß “deim Üden”. Weitere zielgerichtete Übungen um Dein Kind bei LRS zu unterstützen findet Du hier.

 

 

 

 

 

 

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